Ausgebufft empfindsam – Moddi

Ich möchte eine Lobrede auf die EP halten. Sie ist weit mehr als bloß ein abgespecktes Album, das mit einer Handvoll rasch hingerotzter Lieder die Zeit zwischen der Veröffentlichung zweier Longplayer überbrücken soll. Im Idealfall, sofern es sich bei der EP nicht um eine aufgeblähte Single mit füllstückigen B-Seiten handelt, vermag sie den musikalischen Gestus des Künstlers in komprimierter Form auszubreiten. Gerade neue Künstler können sich in der Kürze ein Profil geben, ohne von der Mammutaufgabe einer die Stunde füllenden Platte eingeschüchtert zu werden. In der Tat genügen mir vier Lieder, um dem norwegischen Singer-Songwriter Moddi beste Anlagen zu bescheinigen. Die diese Woche erscheinende EP Rubbles imponiert durch einen behutsam und empfindsamen Vortrag.

Der Norweger Pål Moddi Knutsen inszeniert Gefühlswelten in ratloser Aufruhr, mit der kühlen Grazie, welche vielen Nordlichtern eigen, und einer immer mal vehement aufblitzenden Kantigkeit. Koloriert die Lieder mit Streichern, einem sanften Piano oder Akkordeon, ganz in der Tradition ausgebuffter skandinavischer Singer-Songwriter, die sich nicht einfach nur die Gitarre umschnallen und auf Gott vertrauen. Moddi beherrscht es, mit zarten Klängen atmosphärisch dicht verhangene Stücke zu entwickeln, die einen kurzen emotional-dramatischen Ausbruch nicht scheuen, abrupt über den Hörer kommen. Derart besticht beispielsweise das Titellied Rubbles, während sich Moonchild ins Gegenteil verkehrt, das Heil im Wispern sucht. Diese instinksichere Trübnis, die sich besonders im Floriography ausbreitet, findet immer einen Kulminationspunkt, mündet in einen Aufschrei, welcher jedwede Monotonie verhindert.

Moddi vs. Kråkesølv – „Magpie Eggs“ (Moddi) from byLarm on Vimeo.

All die Lieder stimmen bestens auf das Album Floriography ein, welches 2011 auch in Deutschland veröffentlicht wird. Bis dahin lässt die EP Rubbles das Talent des werten Herrn prägnant aufblitzen. Anhänger skandinavischer Schwermut werden ihm definitiv mit großer Sympathie begegnen, die Reife dieses Singer-Songwriters bemerkenswert finden. Wer Kompositionen voll kultivierter Schlichtheit schätzt, wird das emotional-distelige Terrain Moddis gerne betreten.

Rubbles erscheint am 15. Oktober auf Propeller Recordings.

Konzerttermine:

12.11.10 Zürich (CH) – Abart (Support für Angus & Julia Stone)
13.11.10 Monthey (CH) – Pont-Rouge (Support für Angus & Julia Stone)
14.11.10 München – Backstage Werk (Support für Angus & Julia Stone)
16.11.10 Münster – Gleis 22 (Support für Angus & Julia Stone)
17.11.10 Köln – Kulturkirche (Support für Angus & Julia Stone)
18.11.10 Hamburg – Uebel & Gefährlich (Support für Angus & Julia Stone)
19.11.10 Berlin – Astra (Support für Angus & Julia Stone)

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt

Kostenloser Download von Magpie Eggs

SomeVapourTrails

4 Gedanken zu „Ausgebufft empfindsam – Moddi

  1. Klingt mehr als nett, aber auch ein wenig anstrengend. Im übrigen bevorzuge ich auch eher eine EP, auf das Beste verdichtet anstatt eines komplettes Album mit Füllmaterial. Das verwässert den Gesamteindruck. Gerade so einigen Post-Rock Kapellen wäre die alte Lebensweisheit „weniger ist mehr“ zu empfehlen.

  2. Du sprichst mir aus der Seele. Auch was Post-Rock angeht. Auf die Dauer ist gerade Schema F bei Post-Rock auf 50 Minuten oder länger dann doch ein wenig langweilig, da wären 3-4 Nummern mit insgesamt 30 Minuten oft wesentlich besser. Übrigens gilt das auch für bekanntere Acts. Das letzte Album der Red Sparowes, die ja gerade durch Europa touren, hätte auch eine kürzere Spielzeit gut vertragen.

    Zu Moddi: Gerade in seinem Falle sind mir die 4 Lieder überhaupt nicht zu anstrengend. Zugegeben, das könnte auf nem kompletten Album dann schon ganz anders aussehen.

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