Der Punkt als Ausrufezeichen – i am poet.

Maximilian Hohenstatt lässt seinem Projekt i am poet. gar keinen Raum für irgendeine Relativierung, drückt seiner Musik mit diesem kurzen programmatischen Statement bereits einen Stempel auf. Mit einem Punkt gleich einem Ausrufezeichen stellt er einen unverhandelbaren Anspruch an sich selbst. Nun bin ich es gewohnt, dass in mein E-Mail-Postfach grundsätzlich viele Anschreiben von Musikern trudeln, die in der Tat meinen, die ganze Welt einschließlich meiner Wenigkeit hätte nur auf ihr Auftauchen gewartet. Solch Verblendung ignoriere ich in der Regel, zucke dabei nicht einmal mit der Wimper. Oder höchstens indigniert, wenn allein der gewählte Bandname bereits selten dämlich anmutet. i am poet. hat sich mir nicht als der heißeste Scheiß angepriesen. Dies und der gut gewählte Namen haben mein Interesse geweckt. Und so etwas ist in Zeiten, in welchen im Internet Legionen von Musikern um Aufmersamkeit buhlen, eigentlich schon die halbe Miete. Dass er als Referenz auch schon eine positive Erwähnung auf Coast Is Clear vorweisen konnte, machte mich natürlich hellhörig.

04 faustology #2 (prison) by iampoet

Das gehört zu den wirklich Freuden des Bloggens über Musik, manchmal bekommt man Lieder in den Schoß gelegt, die nicht einmal ein Bluthund in den Weiten des Netzes aufspüren könnte. Nun gut, der Bluthund hätte einfach auch ein wenig aufmerksamer Coast Is Clear lesen können. Egal, so höre ich nun die EP namens phonological. und staune. Neben der zu erwartenden Suche nach dem ureigenen Stil geben die fünf Tracks darüber hinaus Einblick, in die ersten Schritte eines hochveranlagten Musikers. Und nein, er gerät nicht ins Stolpern. Im Gegenteil, i am poet. darf sich mehr Können auf die Fahne schreiben als die meisten Künstler, die Woche für Woche in den Neuerscheinungslisten der Magazine so aufschlagen. Er vermag aus kompositorischer Sicht Stücke zu erschaffen, die Spannung erzeugen, den Hörer nie in Langeweile erstarren lassen, sich letztlich auch gekonnt entladen. Die elektronischen, wavigen Klänge vereinen sich mit einer ausdrucksstarken Stimme, die Drama bietet und Pathos vermeidet. Dies Zusammenwirken zeitigt ein beachtliches Ergebnis, offeriert gediegenen Pop, der retroesk wie frisch tönt. Mehrmals findet man eindringlich-kräftige Passagen, die von Reife und Durchdachtheit zeugen. the protagonist sowie faustology #2 (prison) zählen zu den Hochkarätern der EP, auf welcher lediglich die zu brave, auf Wohlgesang abzielende Piano-Ballade sleep well ein wenig abfällt.

01 the protagonist by iampoet

Handwerker oder Genie, Poet oder Trivialist – das ist oftmals die Frage. Herr Hohenstatt beantwortet sie souverän und macht dem erwählten Namen i am poet. alle Ehre. phonological. zeigt, was für kreatives Potential hierzulande schlummert. Und wäre ich ein Label-Heini, ich würde keine Sekunde zögern. Denn mit ein Teil des Charmes dieser Talentprobe liegt darin, dass sich das Wesen dieses keineswegs glatten Sounds durchaus auch einer breitere Masse erschließen vermag.  Mein E-Mail-Postfach jedenfalls würde sich öfter einmal derartige Klasse im Eingang wünschen. Speziell von deutschen Musikern. Punkt.

Die EP phonological. kann hier kostenlos heruntergeladen werden.

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SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „Der Punkt als Ausrufezeichen – i am poet.

  1. Ich habe gestern vor dem zu-Bett-gehen kurz reingehört und muss ihm auch nochmal zurückschreiben, denn wie du schon feststellst war das Anschreiben sehr sympathisch und die Musik ist ebenfalls ziemlich top.

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