Live schlichtweg fetziger – Er France

Anfang dieses Jahres hat die werte Co-Bloggerin DifferentStars bereits der deutsch-französischen Formation Er France auf den Zahn gefühlt, die CD Pardon My French, Chéri! von der Wurzel aufwärts behandelt. Nun wird mir die Ehre zuteil, dem soeben veröffentlichten Livealbum Live At Open Source, Chéri! die Aufmerksamkeit zu widmen, welche ich der vorangegangen Platte noch nicht eingeräumt habe. Es dünkt mir zwar ein wenig eigenartig, warum eine noch nicht mit den Weihen von Charts-Platzierungen gesegnete Band einen Konzertmitschnitt auf CD veröffentlicht. Zumal Er France auch auf Pardon My French, Chéri! keine aalglatte Studioatmosphäre aufkommen ließen. Nun, ich muss ja auch nicht immer in die Köpfe von Bands klettern. Die Aufnahmen wurden auf dem Open Source Festival 2009 mitgeschnitten und fassen die Qualitäten der Band nochmals zusammen, vertiefen sie sogar.

Foto Credit: Mathias Holzapfel

Vintage-Flair mit sympathisch rotzigem Gehabe, welches durch den aufreizend französischen Akzent noch verstärkt wird,  dominiert vorliegende Platte. Roh und herb, aber nicht ohne den Charme einer allgegenwärtigen Schrägheit des Ausdrucks. Auf der Bühne wird Pop durch satte Rockigkeit ersetzt, gnadenlos drauflos geschrammelt. Den Lieder wohnt jedoch genug Exzentrik inne, dass diese Attitüde nicht in Humorlosigkeit abdriftet. Au contraire, möchte man sogar einwerfen. Der ruppigere Sound wirkt meist einnehmender als die Studioproduktionen.  In The Cheapo Bar wuselt live schlichtweg fetziger und das bereits ohnehin im Original schmucke Sing Song Girl steigert sich ebenso. Mit vor Karacho strotzender Freude am Spiel wird auf Schnickschnack verzichtet und die Seele der Lieder freigelegt. Das mögen auch Isabelle Frommer (Gesang), André Tebbe (Gitarre), Janosch Brenneisen (Schlagzeug) und Daniel Decker (Bass) ähnlich sehen – und für kommende Scheiben ihre Lehren daraus ziehen. Denn mangelhaftes Songwriting ist keinesfalls für die bislang mangelnde Rezeption verantwortlich. Es fehlt den meisten Tracks nicht am gewissen Etwas. This Is Not A Test hat schlichtweg einen feinen Rhythmus, zählt zu den wenigen Lieder, in denen Studio- und Live-Performance einander um nichts nachstehen, während Two To Tango der verschmirgelte Bühnenklang weitaus mehr schmeichelt. Mit I Came To Get My Due führt die Band auch einen älteren, gediegen grobkörnigen, mit superbem Gitarrensolo ausgestatteten Titel im Programm.

Live At Open Source, Cheri! erfüllt aus bereits benannten Gründen seinen Zweck. Zeigt Er France in all der ungebremsten Pracht. Würden doch alle Livealben ihre Existenzberechtigung dadurch unterstreichen, dass sie die wahren Stärken der Band derart hervorkehren, wie es diese Platte tut. Auf alle Fälle eine Entdeckung wert!

Live At Open Source, Chéri! ist am 01.10. auf lolila erschienen.

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Live schlichtweg fetziger – Er France&8220;

  1. Warum hat mir das noch keiner Angeboten?!? Ich liebe die Band! Das Album gefiel mir damals sehr, lediglich darüber, dass es zu sehr nach Blondie klang, konnte man streiten. Hatte Different Stars ja damals auch festgestellt.

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