Mal kurz um die Ecke getanzt – The Kabeedies

Es soll ja Wunderheiler geben, die mittels Kraft der Suggestion einem Gehbehinderten meist kurzzeitig wieder auf die Füße helfen – und sich den faulen Zauber gar versilbern lassen. Ich denke mir, dies kann man auch günstiger haben. Sollte die Kraft der Musik tatsächlich soviel Freude und Übermut produzieren, dass sogar körperliche Defizite überwunden werden können, dann stammt diese Musik ziemlich wahrscheinlich von The Kabeedies. In den besten Momenten nämlich zaubert die Band Lieder aus dem Köcher, die selbst einen begnadeten Nichttänzer zum Steppen verleiten, schlicht und ergreifend die pure Wonne an körperlichen Verrenkungen aktivieren. Das nun auch außerhalb Großbritanniens erscheinende Album Rumpus wuselt launig unkonventionell, hält im besten Sinne Wohlfühlmusik bereit, welche den Moment gnadenlos verschönert.

Ein durchschnittlicher Song der Kabeedies dauert knapp über 2 Minuten, hat also ziemlich genau die Länge, welche es braucht, ehe man dank unkontrolliert wilder Bewegungen irgendeinen Tisch umwirft, mit einem Mittänzer kollidiert oder vom Schwindel ermattet auf einen Sessel sinkt. Die Band setzt auf zackigen Indie-Pop, verfeinert diesen mit Ska- und Rockabilly-Elementen, fetzt mit augenzwinkernd turbo-punkiger Attitüde und einer attraktiven Frauenstimme. Soviel Engagement fordert Tribut und deshalb gönnt sich Rumpus auch die eine oder andere Verschnaufpause. Die sei sowohl der Band als auch dem Hörer durchaus gegönnt. Glanzpunkte des Album sind Lovers Ought To mit rasant-jodeligem Refrain, bei welchem kein Bein still stehen kann, das nicht minder knuffige Jitterbug und Petits Filous, welches sich im Zwiegespräch britisch humorig gibt und im Refrain eine famose, selbstredend rasante Hookline vom Stapel lässt. We Make Our Own Adventures geizt ebenso nicht mit Selbstbewusstsein, das sich die jungen Springinsfelde freilich absolut zurecht ans Revers haften. Man könnte guten Gewissens noch eine Handvoll weitere Songs anführen, denen es zwar nicht an Dynamik mangelt, die jedoch ein klein bisschen unpfiffiger ausfallen, Little Brains oder King Canute zum Beispiel. Wenn The Kabeedies allerdings mehrstimmige Balladen (Petroleum Jelly) in Angriff nehmen, erahnt der Hörer, dass die Formation besonders von ihrem Elan lebt, davon die eigenständige Note bezieht.

Hierzulande beschert die Export Edition von Rumpus zusätzliche sieben Bonustracks, merheitlich akustische Versionen, welche unter Beweis stellen, dass die Band ihr Handwerk versteht, nicht lediglich als verkrachte Existenz funktioniert, sowie weitere Songs, die es wohl zurecht nicht auf die bereits 2009 auf der Insel erschienene Originalversion von Rumpus geschafft haben. Trotz kleiner Schönheitsfehler will ich die Scheibe nichtsdestotrotz als gelungen bezeichnen. Soviel überwältigende Spielfreude, welche selbst den griesgrämigsten Zeitgenossen zum Tanz animiert, sollte man zu schätzen wissen. The Kabeedies bewerkstelligen einen rockig-flockige Fröhlichkeit, die clever genug scheint, das Offensichtliche zu vermeiden, um die Ecke denkt wie tanzt.

Wer Frontfrau Katie und die Herren Evan, Fab und Roary live erleben möchte, darf dies derzeit tun. Die Gruppe tourt gerade durch Deutschland.

Rumpus (Export Edition) ist am 17.09. auf NRONE Records erschienen.

Konzerttermine:

16.10.10 Stuttgart – Zwölfzehn
17.10.10 Dornbirn (A) – KIK
18.10.10 Riedlingen – Lichtspielhaus
19.10.10 München – Atomic Cafe
20.10.10 Kassel – A.R.M.
22.10.10 Krefeld – Kulturrampe
26.10.10 Würzburg – Cairo
27.10.10 Potsdam – Waschhaus
29.10.10 Fulda – Kreuz
(Da es widersprüchliche Angaben zu den Terminen gibt, habe es ich nur die angeführt, die auch auf den Webauftritten der jeweiligen Locations bestätigt sind.)

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SomeVapourTrails

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