Pfiffikus ohne Pfiff – Jens Friebe

Wir sind wieder zurück. Und tun so, als hätten wir in musikalischer Hinsicht in den letzten Wochen nichts versäumt. Zum Reboot des Blogs sei ein Album vorgestellt, das man trotz des einen oder anderen guten Ansatzes letztlich doch getrost in die zweite Reihe des Musikregals stellen darf. Sozusagen mit Staubfängergarantie.

Unterhaltung mit Pfiff – dazu muss man in der fast gänzlich humorbefreiten Zone Deutschland absolut kein Pfiffikus sein. Allerdings sollte man guten Vorsätzen auch ansprechende Taten folgen lassen. Jens Friebe legte Anfang Oktober seine Scheibe Abändern vor. Doch was als intelligenter Pop mit cleverer Note und einer Prise Sonderbarkeit intendiert, verbreitet in finaler Konsequenz großes Gähnen. Und wer dazu noch den nachdenklich schrägen Poeten gibt, darf undoppelbödige Banalität nicht zum Credo hochstilisieren. Aber es wäre hochgradig ungerecht, das Werk lediglich als textlich dürftig zu titulieren. Während manch Textfetzen nämlich auch einer soliden Betrachtung standhält, bleibt die Musik über weite Strecken beharrlich uninspiriert. Dem einen oder anderen knackigen Refrain mag das nicht schaden, aber ein Schuh wird daraus nicht.

Ein prinzipiell hanebüchern gestrickter Song wird selten besser, wenn man ihn covert und dabei die Ironie ausgesprochen augenscheinlich mit dem Zaunpfahl winkt. Der Eurotrash-Hit Up & Down von den Vengaboys verliert seine beschränkte Melodie auch dadurch nicht, dass man im Kehrreim statt Up & Down ein deutungsheischendes Abändern trällert. Aus Mist Gold zu machen, diese Kunst bleibt eben doch einem gewissen Herrn Midas vorbehalten. Intelligente Bespaßung sieht auf alle Fälle anders aus. Der Track Verbotene Liebe stellt sich gleichfalls gaga vor, während sich der überwiegende Rest zumindest langweilig schimpfen darf. Diese Monotonie wird bei Sag ja fast schon aufreizend perfektioniert. Nur drei Lieder retten die Scheibe vor dem Gesichtsverlust. Das leichtfüßige Charles de Gaulle, dessen quirliger Refrain die Chose kräftig pimpt. Königin im Dreck, welches in die Uptempo-Puschen kommt und etwaige Zweifel an Friebes Talent minimiert. Der verquere Pathos, der Alltäglichkeiten zelebriert und sie mit Bedeutungsschwere vollpropft, lässt auch Vögel zu einem der seltenen Titel werden, in dem Anspruch und Umsetzung nicht auf Kriegsfuß stehen.
Jens Friebe – Theater

Jens Friebe | Myspace Music Videos

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und drei sehr gute Lieder kein gutes Album. So mein Fazit zu Abändern. Das wäre nicht weiter ärgerlich, wenn man es mit einer Niete zu tun hätte. Aber die seltenen Lichtblicke beweisen, dass Jens Friebe im Grunde eine Leuchte ist. Ein Pfiffikus ohne rechten Pfiff enttäuscht mich deshalb besonders. Da erschöpft sich sogar mein nahezu grenzenloses Wohlwollen.

Abändern ist am 08.10. auf ZickZack erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Pfiffikus ohne Pfiff – Jens Friebe

  1. Ja, da muss ich mich auch noch dransetzen. Habe es verschoben, aber meine Meinung hat sich kaum geändert… Stimme da ziemlich mit dir überein.

  2. Tja, das hast’e dem Herrn Friebe stilvoll einen eingeschenkt. Ich habe das Album ja auch. Das lief dann mal beim Gassigehen auf dem iPod. Ich wollte es mir „Schönhören“. Ist aber nicht mein Ding. Mein Gang wurde unrund und habe dann schnell zu was Gröberen gewechselt. Ohne Gesang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.