The End of Lobhudelei – Marnie Stern

Es ist purer Zufall, dass ich so kurz hintereinander schon wieder das Messer wetze und ein Album aufsäble. Das mache ich in der Regel nur, wenn ich dem Musiker schlichtweg mehr zutraue – oder aber etliche Rezensionen lese, die viel zu lobhudelnd ausfallen. Und genau dieser Eindruck schrillt mit der Aufdringlichkeit einer Automatensirene bei Jackpot-Gewinn in meinen Ohren wider, lässt wiederum meine Alarmglocken anspringen. Marnie Stern mag eine ehrenwerte Musikerin sein, das selbstbetitelte Album gerät zu einer knapp über 30 Minuten andauernden Verlärmung. Nun bin ich Lärm keineswegs abgeneigt, aber Sterns Stimme hat den Charme einer aufjaulenden Katze, auf der man versehentlich Platz genommen hat.

Ich will Frau Stern durchaus Gerechtigkeit widerfahren lassen. Als Gitarristin steht sie der Koryphäe sicher näher als der Konifere. Aber in der songwriterischen Einheitssuppe schwimmen einfach zu wenig Haare, die zumindest irgendeine Form von Aufmerksamkeit generieren würden.  Das Beste an diesem so exaltiert wie monoton dahinschrammelnden Math-Rock-Etwas ist die Betitelung zweier Songs. Female Guitar Players are the New Black wäre prinzipiell auch eine brauchbare Nummer, wenn nicht oben beschriebener Gesang dies zu einer strapaziösen Tortur für die Nerven machen würde. Selbiges gilt für Transparency is the New Mystery, dessen Refrain zu den lichten Momenten zählt. Einmal abgesehen vom Opener For Ash geben die Lyrics dem Hörer wenig auf, kommen gegen den auf Rohheit geschminkten Sound ohnehin nicht an. Der Versuch Hyperaktivität vorzutäuschen, genau jenes chaotische Ansinnen verhindert, dass sich der Hörer nie wirklich in die Lieder einhaken kann. Zurück bleibt ein Brei, der undefinierbar fade schmeckt, die wenigen markanten Zutaten – Stichwort: Gesang – laden nicht wirklich zu ausgiebiger Verkostung ein. Soviel scheint aufgewärmt, bestenfalls neu abgeschmeckt und damit versalzen. Building a Body zählt dazu. Meine persönliche Schmerzgrenze hat jedoch der Song Risky Biz neu definiert. Nicht genießbar.

Marnie Stern – Transparency Is The New Mystery by souterraintransmissions

Mir bedeutet es wenig Freude über Musik zu schreiben, die mit meinem Nervenkostüm kurzerhand ritsch-ratsch macht. Wenn jedoch reputable Musikmagazine fast allesamt Lobeshymnen anstimmen, dann will ich einen deftigen kakophonischen Kontrapunkt setzen. Marnie Stern hat sich mit ihrem jüngsten Werk einen Platz auf meiner Liste derjenigen Künstler gesichert, um die ich in Zukunft einen weiten Bogen mache. Ein wenig Masochismus ab und an steht mir gut zu Gesicht, aber irgendwann ist auch mal genug.

Marnie Stern ist am 15.10. auf Souterrain Transmissions erschienen.

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SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „The End of Lobhudelei – Marnie Stern

  1. Der Song „Patterns Of A Diamond Ceiling“ war eine Offenbarung,
    danach hat mich leider auch nix mehr gekickt, was die Frau gemacht hat.

    Ich würde aber nicht sagen, dass Musik die am Nervenkostüm zerrt, per se schlecht ist.
    Sie darf nur nicht nerven dabei 🙂

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