Underground ist kein Schlossgespenst – Plaided

Ich bin nur hier am Blog lieb, was so im E-Mail-Postfach an Bockmist landet, das wird von mir mit der Nonchalance eines Sensenmannes niedergemäht und in Fitzelchen in den Papierkorb geschmettert. Plaided sind dem Schredder entgangen. Liefen auch nicht einmal ansatzweise Gefahr, hemmungslos beseitigt zu werden. Die EP People Lying Around In Dirt Every Day weckt in mir Sympathien, weil sie sich ungeschliffen gibt, nicht etwa bl0ß dumpf auf die Tube drückt, dennoch flegelig-weiblichen Trotz mit punkig-jugendlichem Übermut aufbietet. So sieht wahrer Indie aus, der das Herz am rechten Fleck trägt. Als ich unlängst darüber schrieb, dass sich musikalische Live-Erlebnisse mehrheitlich in kleinen Clubs mit Local Heroes abspielen, das Fundament für die großen Acts legen, dann hatte ich die vitale Performance einer Underground-Band wie Plaided vor Augen. Hier wird der Geist von Musik nicht zum Schlossgespenst, hier spukt er sehr lebendig in den Köpfen der Hörer.

Foto Credit: Andi Dvorak

Und eben darum bereitet es mir soviel mehr Vergnügen über eine Formation wie Plaided zu schreiben als Indie-Superstars gebetsmühlenartig zu huldigen. im konkreten Fall gerät Musik fassbar, weil sie abseits von Charts und Werksinterpretation der Fachpresse am Teppich bleibt, anspricht ohne sich um Anspruch zu kümmern. Das Vergnügen weit größer wirkt als der Geldbeutel der Band. Wer zum Teufel hat die Politur über die Musikbranche vergossen? Warum nur fehlt heutzutage so oft der Mut auf Lo-Fi komm raus loszulärmen? Plaided überzeugen mich mit den vier auf der EP vorhandenen Titeln vollauf, haben die Beherztheit zur Unfertigkeit.

Plaided – It Is Over Toni by fettkakao

Die durchschnittliche Dauer der Songs liegt bei knapp über 2 Minuten. Mehr braucht es auch nicht, um die rotzige Attitüde der zwei Damen anschaulich vermittelt zu bekommen. Mit Tracks wie I Say oder Can We Keep This liefern sie einen schnickschnackbefreiten Gegenentwurf zu ästhetisch überfrachteten Girlie-Bands, deren vorhandene Wucht aber eben immer auch auf Lieblichkeit schielt. Und zumindest mir tut solch Vehemenz gut, die unbehauene Oberfläche der Lieder reibt sich in den Gehörgängen, bleibt haften, weil Plaided der Drill der Perfektion unbekannt scheint. People Lying Around In Dirt Every Day spendiert mir kurzweilige, unverkrampfte neun Minuten. Präsentiert eine musikalische Unverdorbenheit, deren Ecken und Kanten noch das amateureske Element gegenüber aalglatter Professionalität betonen. Ein rarer und rauer Genuss.

People Lying Around In Dirt Every Day ist am 04.09. auf fettkakao erschienen.

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Underground ist kein Schlossgespenst – Plaided

  1. Also man kann schon sagen, das Plaided sehr schöne Musik machen, mich dann aber streckenweise doch an eine sympathische Schülerband aus „independent-Filmen“ ala Juno erinnert. Das kann gut oder schlecht sein, auf jeden Fall zeugt es von Bodenständigkeit, und die ist ja vielen Bands heute schon abhanden gekommen. Ja Plaided, das ist Musik abseits jeglicher kommerzieller Zielsetzung (dafür ist es einfach zu unbehauen), aber immer direkt aus dem Herzen.

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