Chanteuse aus Pappmaché – Kyrie Kristmanson

Mensch, gäbe es sie nicht längst, man müsste sie erfinden! Die Rede ist von frankokanadischen Singer-Songwriterinnen, die im Idealfall bilingual bezaubern. In jene Kategorie gesellt sich auch Kyrie Kristmanson, die gerade erst dem Backfischalter entsprungen mit einer Leichtigkeit ein Album aus dem Ärmel schüttelt, dass sowohl Frische als auch musikalische Schläue vermittelt. Wo andere bleischwer klotzen, sind ihre Lieder aus Pappmaché, machen etwas her, bleiben dabei aber voll schöner Leichtigkeit. Die soeben in Deutschland veröffentlichte CD Origin Of Stars mutet mit einer Länge von unter 30 Minuten eigentlich mehr als CDchen an, nichtsdestotrotz bescheren 11 Songs eine kreisrunde Mischung aus Folk-Pop und verspielten Jazz-Partikeln.

Kristmanson verkörpert eine Chanteuse zum Niederknien, die sich durchaus an Vorbildern orientiert, nur die extrahierte Essenz ihrem reduzierten Sound einverleibt. Mal erschallt sie als neue Vashti Bunyan (sogar mit noch mehr Ausdruck im Gepäck), dann wieder präsentiert sie sich als legitime, schnickschnackbefreite Nachfolgerin einer Leslie Feist oder zeigt all den jungen französischen Sängerinnnen, wo der Hammer hängt. In der Kürze ihrer Platte liegt jede Menge Würze. Bereits der fingerschnippende Auftakt Song X umgarnt den Hörer auf das Allerlieblichste, ehe das quirlig-beiläufige Jump mit einem Satz den Gipfel der Liedermacherkunst erklimmt. Eruption birgt jazziges Flair dank einer schnatternden Trompete. Mit Bass, Gitarre, besagter Trompete und einem im Freestyle turnenden Vortrag wuselt der Track halsbrecherisch und behende. Ähnlich, voller Varieté-Charakter brilliert Comet Of Desire, kess auf knapp über anderthalb Minuten gestaucht. Birdsong bedeutet dagegen geradezu eine Besinnung auf konventionellen Folk-Pop, obzwar Kristmanson auch hier nicht von Schrägheit lassen will, Vogelgesang nachträllert. Wicked Wind fördert Ähnlichkeiten mit Bunyans Just Another Diamond Day zutage, während Oh, Montmartre als schwermütig in die Hüfte gestemmte  Ballade ohne französische Lieblichkeiten funktioniert. Die Aufzählung der außergewöhnlichen Songs könnte ohne weiteres um den Titeltrack oder The Holy erweitert werden.

Ich bin hoffnungslos begeistert über die Art und Weise, mit welcher Kyrie Kristmanson ihre Lieder formt, sie robust gestaltet, ohne dass dabei der filigrane Anstrich flöten geht. Angesichts der Jugend der Sängerin möchte man Origin Of Stars als Talentprobe abstempeln. Die Scheibe darf sich jedoch viel mehr ans Revers heften. Sie entschädigt für unsagbar viele mittelmäßige, einfaltspinselige Machwerke weiblicher Songwriter, die man im Laufe eines Jahres so hört und die einem die Freude oftmals vergällen. Kristmanson, diese aufstrebende  Chanteuse aus Pappmaché, hat eines der besten Werke des Jahres fabriziert. Chapeau!

Origin Of Stars ist am 22.10. auf No Format erschienen.

Links:

MySpace-Auftritt

Album-Stream auf der Label-Seite von No Format

SomeVapourTrails

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