Mission Porzellanladen abgesagt – Kommando Elefant

Wie gut, dass ich kein Bluter bin. So blutet mein Herz nur ein wenig, weil ich einer aufstrebenden österreichischen Formation heute doch die eine oder andere Weisheit ins Stammbuch schreiben muss. Doch möchte ich vorab noch über Erwartungshaltungen schwadronieren. Der Name einer Band entscheidet über Gedeih oder Verderb – heute mehr noch als vor fünfzehn Jahren. Wenn sich eine Band Kommando Elefant benennt, wird man ohne viel um die Ecke zu denken eine Bescherzungsattacke mit Ziel Porzellanladen vermuten.  Kommando Elefant – das lässt eher auf rüsseliges Trompeten als poetische Feinsinnigkeit schließen. Nun ist mir der Begriff der Irreführung oder auch Ironie nicht wirklich fremd. Doch nein, dazu jedoch quillt das Album Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. bereits anfänglich zu sehr im verzweifelten Bemühen um Rambazamba über. Welche musikalische Vision will man nun der Formation attestieren, ehe man sich in medias res schwingt? Ich kratze mich am Kopf, ohne Ergebnis. Gut, ein paar Schuppen rieseln herab…

Foto Credit: Ingo Pertramer

Beginnen wir mit den Augenscheinlichkeiten. Kommando Elefant haben öfter einmal das Radio aufgedreht und aufmerksam zugehört, was heutzutage so über den Äther geht.  Der Markt wurde sondiert, der Bedarf überprüft, so könnte man es nüchtern konstatieren. Um ja nichts falsch zu machen, versucht sich die Band möglichst breit aufzustellen. Rock, Pop, eingängig, aber irgendwie schräg, Indie, aber eben auch eine Prise Mainstream. Das führt zu einem kunterbunten Stilmix, der fast zwangsläufig Unausgewogenheiten nach sich zieht. Während manch hervorragendes Lied den Hörer noch enthusiasmiert, zerstört nachfolgender Track bereits jedwede positive Impression. Der romantisch-kräftige Gitarren-Sound von Favoriten, einem jugendlichen, lebensbejahenden Stück, macht gleich zu Beginn einen ordentlichen Eindruck, der jedoch durch das einfallslose, dancige Geschrammel auf Party Party nachhaltig getrübt scheint. Wenn die Masterminds Alf Peherstorfer und Luis Pasching im Midtempo das große Kino in Form von Hymnen bemühen, entwickelt das Album feines Charisma. Da vergisst man dann gerne, dass das Rad kaum neu erfunden wird, jedoch auch nicht holpert. Ewig leben beispielsweise gehört zu den Prunkstücken: Ein Hit-Refrain, den wirklich jedermann trällern nachträllern kann, dazu noch ein Text, welcher sogar mir noch ein neues Fremdwort – Enthalpie – beibringt. Hier tauchen Qualitäten auf, die etwa Ich + Ich in den vergangenen Jahren absolut veredelt haben. Alaska ist reimlich berechenbarer. Denn wo wohl wohnt die Hoffnung? Am Mond, klar.  Nichtsdestotrotz erschlafft auch dieses Lied nicht,  setzt auf ausladenden Gestus. Es funktioniert. Sobald aber auf Fröhlichkeit getrimmte Keyboards mitmischen, ist das eine allzu offensichtliche Einladung zum Mithüpfen, des  Guten zuviel. Wenngleich Wien frisst immerhin mit flotten Lyrics punkten darf. Stets dann, wenn ich dem Album meinen Sanktus geben möchte, lauern Nummern, die von der Idee bis zur Umsetzung schlichtweg ungelungen tönen (Letzter Sommer). Sogar schmalzgeeichte Gemüter müssen vor Tanz den Regenbogen kapitulieren. Fast gegen Ende der Platte befriedigt Bitte komm mir nicht mit Kunst nochmals gehobene Ansprüche. „Bitte komm mir nicht mit Kunst als letzter Weg zum Glück. Die Kunst macht dich kaputt, die Kunst macht dich verrückt.“ semmelt rau und düster durch die Boxen. Mein Daumen richtet sich gen Decke.

Ich sehe mich genötigt, Kommando Elefant auf die Füße zu treten. Dem Album Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. mangelt es trotz allem Kalkül an Konsistenz und Struktur. Umgelegt auf das Bild des Porzellanladens bedeutet dies, dass die Herren bestenfalls den Eingangsbereich des Geschäftes mit Charme, Überschwang und Witz dem Erdboden gleich gemacht haben. Starken, gehaltvollen Liedern stehen eben leider wenig überzeugende Stücke gegenüber. Von potentiellen Chart-Erfolgen bis hin zu Schülerband-Niveau reicht die Palette. Damit könnte ich gut leben, käme die Band nicht aus österreichischen Landen. Wenn ich Landsleute erspähe, die deutsche Musiker an Potential locker übertreffen können, dann soll sie das gefälligst auch tun. Wir Österreicher sind in letzter Konsequenz nämlich stets das Maß aller Dinge.

Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. ist am 22.10. auf LasVegasRecords erschienen.

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