Zündet erst bei sommerlichen Temperaturen – Gecko Turner

Tja, manch Veröffentlichungstermin gerät schwer nachvollziehbar. So wie man es tunlichst vermeiden sollte, ein Weihnachtsalbum im Wonnemonat Mai unter das Volk zu bringen, derart befremdlich wirkt auch eine sommerlich-leichte Platte im trostlosen Grau des Novembers. Als sich das Rezensionsexemplar von Gone Down South in meinen Briefkasten verirrte, flirrte noch die sengende Julisonne am Himmel. Ab 05.11. ist die Scheibe nun in den Plattenläden erhältlich und will sich so gar nicht die weitverbreitete Herbstdepression fügen. Denn obwohl der spanische Singer-Songwriter Gecko Turner eine über weite Strecken quirlig-fluffige Platte ersonnen hat, bleibt eben jene easy-going Attitüde im novemberlich-kratzigen Halse stecken, ein Privileg, welches um diese Jahreszeit sonst nur Spekulatius genießt.

Die Melange aus fruchtigem Afro-Sound und funkigen wie souligen Stücken schlürft eine bekömmliche, ab und an schwüle Leichtigkeit. Bereits der beschwingte wie lässige Opener Truly bringt die besten Momente hervor, lässt Bläser jubilieren, lädt zum Tanz ein. Ámame, Mímame wiederum bietet afrikanische Percussion mit R’n’B und Sprechgesang und obzwar das letzte Quäntchen Eingängigkeit fehlt, ist die Chose durchaus rund. Noch besser gelingt Mbira Bira (Guadiana En Los Ojos), welches mit verspielt heiterer Percussion Wohlgefühl zufächert.  Der ideale Track für einen überhitzten, lichtdurchfluteten Sommertag! When I Woke Up hingegen watet im Retro-Funk, ohne dass sich Herr Turner nasse Füße holt. Und mit The Love Monk präsentiert sich der Künstler eine Prise herber, weniger entspannt, dafür komplexer in der Aufmachung.  Bei Cuanta Suerte träufelt auch mal ein Spritzer spanisches Blut hervor,  doch wirkt der Track zu zerfahren, um zu überzeugen. Und just das ist denn auch der Makel der Platte, dass ein paar Songs unfokussiert verharren. So bietet das rhythmisch nicht schlechte Tea Time (And The Five O’Clock Jam) Rap, der nach einer Minute abbricht, während das Lied noch zwei Minuten ziellos dahinplätschert. Ärgerlich.

Gecko Turner – Truly from Lovemonk Discos Buenos on Vimeo.

Gone Down South entpuppt sich trotz phasenweiser Unausgereiftheit als ordentliche Scheibe, die man sich bereits für den nächsten Sommer vormerken sollte. Auch wenn Gecko Turners Sangeskünste keine großen Schatten werfen, der Gesang manchmal gar zu unauffällig tönt, besitzt sein Vortrag Charme, zeigt der Herr ein Händchen für gute Kompositionen. Auch wenn sie erst bei sommerlichen Temperaturen richtig zünden.

Gone Down South erscheint am 05.11. auf Lovemonk.

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