Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Alben des Jahres

Heute wollen wir unser geschmackssicheres Füllhorn ausgießen und nach langem Grübeln die 10 besten Alben des Jahres kundtun. Wir haben das ganze Jahr über viele wirklich gute Platten erlauscht und manchmal auch besprochen, mit Sicherheit versteckten sich leider auch viele feine Werk im Gewimmel der Veröffentlichungstermine. Alben sind wie Menschen, die wirklich penetranten, aufdringlichen, anmaßend jovialen bekommen weit mehr Aufmerksamkeit, während die bescheidenen wie begabten Geister im Hintergrund bleiben. Unsere Taschenlampe jedoch leuchtet besonders die hintersten Winkel der Musikszene aus, überschweifen dabei jene, die sich allzu beharrlich Indie auf die Stirn tätowiert haben. Aber sogar manch Rabauke oder bärbeißige Zeitgenosse aus der ersten Reihe verdient Anerkennung, fährt gegenüber geschniegelten Mainstream-Fratzen die Ellbogen aus. Wir hören sie alle, erhören nur einige. Die Welt mag gaga sein, wir sind es jedoch nicht, so erklärt sich unsere Selektion.

1. Her Name is Calla – The Quiet Lamb

Und eben jene Vielschichtigkeit spottet jeder Beschreibung, macht mich ratlos, mit welchen Worten ich empfehlen soll, was doch für sich selbst spricht, wenn man nur das Wagnis eingeht, dieses Album anzuhören. Und ja, das sollte man um jeden Preis tun, wenn man die heiligen Momente der Musik zu ergründen wünscht. (Mehr hier)

2. Clem Snide – The Meat of Life

The Meat of Life erfüllt alle Anforderungen, um als wahres Kleinod den Liebhaber tief- wie eingängiger Musik zu erfreuen. Eine sanfte Melancholie paart sich mit Ironie, zeitlos warme, wunderbar altmodisch umgesetzte, niemals sterile Melodien bestechen. (Mehr hier)

3. Sambassadeur – European

Neben extrovertiertem Pop gibt’s natürlich auch ruhige Seelenschmeichler auf der Platte wie den Track Albatross. Eingängiges Songwriting paar sich hier mit dem charmanten Vortrag von Anna Persson. Zurecht im englischsprachigen Feuilleton gefeiert, zu Unrecht im deutschsprachigen Raum übersehen/unterschätzt, bleibt mir nur ein Fazit: Unbedingt hören, kaufen, lieben! (Mehr hier)

4. Jaga Jazzist – One-Armed Bandit

Eine Platte, die Jazzfunk mit dem hehren Wesen des Minimalismus durchmengt, eine CD, welche fast schon verschwenderisch mit der Verwendung von Instrumenten umgeht und dabei doch ein harmonisches Gesamtwerk kreiert, bei dem jeder Mosaikstein am richtigen Platz liegt, exakt so zeigt sich One-Armed Bandit. (Mehr hier)

5. Damien Jurado – Saint Bartlett

Nie war Damien Jurado zwingender, nie die Harmonie von Musik, Lyrics und Vortrag vollkommener als auf Saint Bartlett. Man vermag sich schwerlich eine Steigerungsmöglichkeit ausmalen. Die Grazie des Werks schwillt in all dem Sehnen, Trauern, Leiden, Suchen und Hoffen zu einer majestätischen Wucht an, welche das tiefste Innere des Hörers in schönste Aufruhr versetzt. (Mehr hier)

6. Scanners – Submarine

Nicht ganz so wütend wie Emily Haines, dafür aber mit der Laszivität der ravonetteschen Sharin Foo darf sich Sarah Daly mit den Scanners spätestens nach dem zweiten Album zur ersten Riege der “Female fronted”-Bands zählen. (Mehr hier)

7. Mardi Gras.bb – Von Humboldt Picnic

Was nun bekränzt Von Humboldt Picnic – abgesehen von der qualitativen Hochwertigkeit? Wohl auch der Umstand, dass Mardi Gras.bb aus Deutschland kommen, das gesamte Ensemble um Mastermind Doc Wenz aber mit der Finesse kosmopolitischer Musik-Koryphäen agiert. So darf diese Expedition in aller Herren und Frauen Länder als hochgradig gelungen erachtet werden. (Mehr hier)

8. The Postmarks – Memoirs At The End Of The World

So wie die Wunderwaffe der Postmarks in jedem Moment die Fähigkeit ihrer Sängerin ist, immer die Gratwanderung zu meistern, zwar lieblich und betörend, nie aber überzuckert zu klingen. Ein Balanceakt, der nur wenigen Interpretinnen gelingt. Ihre Bandkollegen Jonathan Wilkins und Christopher Moll verschaffen die perfekte musikalische Kulisse, vor deren Hintergrund Tim Yehezkely als Hauptdarstellerin zwischen Opfer, Heldin und Schurkin agiert. (Mehr hier)

9. RPA & The United Nations of Sound – United Nations of Sound

Das Schlechteste an dieser Platte ist der Bandname, welchen Richard Ashcroft für sein neues Vehikel gewählt hat. Denn sonst besticht United Nations of Sound als zutiefst schmissige Platte, die ordentlich Rabatz macht und sich zugleich eine vertraute erhabene Opulenz gönnt. (Mehr hier)

10. Get Well Soon – Vexations

Konstantin Gropper vermochte mit Vexations seinen Ruf als Wunderkind zu zementieren. Anspruchsvoller, more sophisticated kann Pop nicht klingen – und freilich auch kaum besser.

Und weil es mit diesen 10 Alben nicht getan ist, die Regeln von Top of the Blogs aber genau dies vorsehen, noch dazu eine Reihung verlangen,  werden wir demnächst weitere Werke nachreichen, die diese Ehre nur knapp verpasst haben.

SomeVapourTrails

5 Gedanken zu „Lie In The Sound präsentiert: Die 10 besten Alben des Jahres

  1. Das Her Name is Calla bei Euch unter den besten Alben des Jahes erscheinen würde, war mir ziemlich klar. Bei den Rest muss ich mir allerdings verwundert die Augen reiben, da ich keinen eurer weiteren Lieblinge auf meiner Rechnung habe. Postitiv, die Liste unterscheidet sich wohltuende von den üblichen Verdächtigen und zeigt mir, es gibt so viel Musik dort Draussen abseits der üblichen Verdächtigen. Unfassbar.

  2. dass es zu meiner Liste keinerlei Überschneidungen geben würde, war ja sowieso klar – ihr seid eindeutig indie-lastiger und liebt dort vor allem die ruhigen, verkopften klänge. ich liebe geradlinige platten und glaube langsam, ich bin der einzige unter den bloggern, bei dem/der das so ist 🙂 schön, dass es so viele varianten der albumcharts gibt!

  3. Auch ich habe bei euch viele Platten entdeckt, die ich tweilweise gar nicht oder nur ein bisschen kenne. Her name is Calla, oh ja, die sind bei mir hintenruntergefallen, GWs ebenso. Eine Top 10 hat eben nur zehn Positionen zu vergeben, da bleibt, wohl nicht nur bei mir, einiges auf der Strecke.
    Überrascht in euer Listung hat mich nur Richard Ashcroft. Sein Projekt passt so gar nicht zu der Grundthematik der Charts.

  4. Wir versuchen ja wirklich ohne Vorurteile viele Stile anzuhören. Ich höre mir zum Beispiel praktisch alles außer Metal an. Dementsprechend bunt ist die Liste auch.. Und es kommt demnächst noch ein Post mit 20 Alben, die wir weglassen mussten, hinzu. Denn zB Hundreds, Tom Jones, Eels oder Interpol fehlen natürlich – und haben 2010 wirklich sehr bereichert. Wir wissen natürlich , dass uns manch Perlen entgangen sind. Wir kennen die letzte Scheibe der Manic Street Preachers noch nicht oder den geschätzen Fran Healy, auch der von mir vergötterte Mark Kozelek mit seinem Projekt Sun Kil Moon fehlt daher. Die Auswahl hat vielleicht viel Indie zu bieten, bekennt sich aber eben auch zu einem Richard Ashcroft der große Hymnen schwingt und dabei lässig ist. Nur Indie wäre doch auch ziemlich langweilig.

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