Mehr Blitz und Donner für höhere Wellen – The Moyen Age

Ich zeige mich beeindruckt, wenn manch Blogger – oder generell Musikjournalisten – eine Platte so gekonnt besprechen, dass ich nur zwischen den Zeilen zu erahnen glaube, wie wenig Hördurchläufe sie dem Album gegönnt haben. Meine eigene Erfahrung mit Musik lehrt mich Bescheidenheit. Je öfter ich einem Werk lausche, desto mehr Schmackes hat auch meine Schreibe zu bieten. Vernünftige, zusammenhängende Sätze vermag ich nur zu stammeln, wenn sich die  Essenz der Platte bereits in meinen Hirnwindungen kondensiert hat. Ob ich diese danach sogleich ordentlich schrubben muss oder den Aufwasch auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebe, hängt von der Qualität des Gehörten ab. Im Falle von Patience And Trust, einer CD des Hamburger Duos The Moyen Age, brauchte es zwei Monate und vier Anläufe, ehe sich überhaupt etwas in meinen Gehörgängen manifestierte. Eigentlich wollte ich die CD ja bereits zu den Akten legen, als ein weiteres Album der Marke Promo, das mich nicht vom Hocker werfen wollte. Doch ein letzter, in milder Gestimmtheit unternommener Versuch brachte mir die die Platte näher, entlockte mir sogar ein liebevolles Ahoi.

Wer Matrose als Profession erwählt, wird allzu stürmische Gewässer gering schätzen.  Ein Musiker jedoch sollte Blitz und Donner nicht scheuen, um Beifallsorkane zu ernten. The Moyen Age haben sich nun aber für eine ruhige Herangehensweise entschieden, die oftmals ein wenig dröge, mitunter viel zu reduziert, den Hörer mit Folk-Pop einlullt. Dabei blubbern diejenigen Tracks fast unter, welche ein offenes Ohr verdienen, weil sie nicht nur auf sanften Wogen von Gesang und Akustikgitarre surfen. Wären alle so sehnsuchtsvoll dicht wie der der Opener Mainland, das Album würde weitaus höhere Wellen schlagen. Selbiges gilt für Steampipe, das das folkige Element am Meeresgrund versenkt, düster-leichten Indie-Pop die Segel setzen lässt, während Strange Love lässige Beschwingtheit widerfährt. Da haben die Herren Andi Künnecke und Dirk Simmig in ihrer Kombüse etwas Leckeres fabriziert. As We Are lässt mich auch textlich aufhorchen. „You dwell in the suburbs/ No words, catalogues, warehouse/ You barely got chances/ To find out Life’s romances“ wirkt kräftiger als der größte Teil der Lyrics.


Finde weitere Künstler wie The Moyen Age bei Myspace Musik

Patience And Trust fordert ein Überhören geradezu heraus, weil das Album nicht genug Seemannsgarn spinnt. Manch Liedern fehlt es auch an der nötigen Brise, um Kurs Richtung Gehörgänge zu nehmen. Die instrumentalen Intermezzi wirken überflüssig, andere Titel wären mit knackigerem Arrangement im sicheren Hafen. The Moyen Age haben aber zumindest bei vier Tracks die Segel gesetzt, somit den Schiffbruch völlig vermieden. Diese Lieder finden mein uneingeschränktes Gefallen. Überzeugen mich, dass ich auch in Zukunft jedwedes Album mehrfach ergründe, ehe ich es voreilig und fälschlicherweise als langweilig einstufe und im Geiste schon den nächsten musikalischen Dampfer ansteuere.


Finde weitere Künstler wie The Moyen Age bei Myspace Musik

Patience And Trust ist am 29.10.2010 auf Peacific erschienen.

Link:

MySpace-Auftritt

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.