Sargnagel der Musikrezeption: Intro

Kürze mag manchmal Würze befördern, öfters jedoch Verkürzung. Dass das Magazin Intro nicht eben zu den besten Vertretern der Zunft zählt, wird wohl nur die Intro-Redaktion hartnäckig leugnen. Ein triftiges Indiz für handfesten Schmalspurmusikjournalismus sind Plattenkritiken in SMS-Länge. Solch Häppchen mögen zwar den typischen Internet-Nutzer nicht überfordern, ob man damit jedoch einer Musik, die sich nicht auf reinen Kommerz reduziert, gerecht wird, wage ich heftig zu bezweifeln. Bestes Beispiel ist die Kurzkritik zu Yours Truly, ein Best-Of-Album samt Bonus-CD mit B-Seiten und Raritäten von 16 Horsepower. Nicht nur Fans des Genres Alternative Country werden die Band kennen – und somit schätzen. Intro freilich fragt, ob man „wirklich jeden Sargdeckel noch zunageln“ muss, damit man vor solch Zusammenstellungen von vor „Jahrzehnten kurz mal guten Bands“ verschont bleibt. Ein Album so unnötig wie ein Kropf, könnte man also resümieren. Und dank Intro damit den Einstieg in das hochwertige Schaffen von 16 Horsepower versäumen.

Eine Werkschau, die keine Sau braucht?

Kommen wir zu einer der Rubriken, die aus Intro nicht mehr wegzudenken ist:  Platten vor Gericht. Schon die Bezeichnung stößt bei mir auf wenig Gegenliebe, da ich zwar nichts gegen eine Einschätzung oder Bewertung von Werken habe, aber deshalb nicht gleich ein Tribunal veranstaltet wissen möchte. Zu selbigem freilich bittet Intro Musiker, Prominente und Leser. In der jüngsten Ausgabe kommt zum Beispiel Paul Smith zu Wort, der Frontmann von Maxïmo Park, sowie Tobias Jundt von Bonaparte. Smiths Lästereien wie „I could come up with songs like that in five minutes, which doesn’t make me any good.“ (über die neue CD der Scanners) oder „Dreadful music. I almost feel sorry for them.“ (Smith über die neue Kings Of Leon) sowie die schräg schrillen Possen Jundts spiegeln in der gebotenen Kürze wohl genau das wider, was sich besagtes Magazin so unter Qualität vorstellt: Kurz und knackig und kaum tiefschürfend. Entweder Zuckerbrot oder Peitsche, so muss es denn auch sein, wenn Kürze zwangsläufig verzerrende Verkürzungen bedingt.

Paul Smith: Die Arroganz des Mittelmäßigen

Der musikaffine Zeitgenosse kommt schwerlich an dem Heftchen vorbei, sie liegen immer irgendwo herum, auch der Online-Auftritt gehört nicht eben zu den obskuren Quellen für Musikfans. Wieviel Qualität darf man jedoch von einer Postille erwarten, die den Eindruck eines Praktikantenstadls erweckt, zumindest nach den Job-Angebote auf Intro.de zu schließen. Wem Musik mehr als nur Unterhaltungsgedudel bedeutet, sollte sich daher wohl nicht auf seicht anmutende Zusammenfassungen in SMS-Format verlassen. Doch sind die Alternativen wirklich besser? Kann man Spex wirklich trauen, wenn deren Redaktionscharts Lady Gaga feat. Beyoncé mit dem Song Telephone an die Spitze stellen? Da muss man als Musikliebhaber bar jeglichen Elitarismus ungläubigst den Kopf schütteln. Zurück zu Intro. Abgesehen von dem oftmals opulent in Szene gesetzen Lifestyle-Schnickschnack bleibt wenig Substantielles übrig. Was die Optik des Heftchens noch annähernd zu verschleiern vermag,  kann der Webauftritt nicht mehr kaschieren. Nachrichtchen und Gaga-Themen à la Bandfoto-Jugendsünden strapazieren auch schlichtere Gemüter kaum.

Die meisten Musikmagazine nehmen Musik nicht mehr ernst, alle Ernsthaftigkeit wird in den eigenen Nimbus investiert. Das gilt für den Rolling Stone ebenso wie für Spex oder in geringerem Umfang Intro. Natürlich färbt solch Oberflächlichkeit auch auf die Leser ab. Der Musikjournalismus ersäuft in trivialen Attitüden oder schwitzt sich die eigene Intellektualität aus allen Poren. All die Scheuklappen verhindern jedoch eine umschweifenden Blick, den es aber eben braucht, um die ganze Dimension eines Albums bzw. Künstlers zu begreifen. Musik ist nicht einfach nur Entertainment, sie ist (auch) eine Kunstform, die keinen schmuddeligen Umgang in Form einer auf SMS-Länge getrimmten Plattenrezension verdient. Intro und andere sich aufplusternde (Online-)Gazetten sind die Sargnägel seriöser Musikrezeption. Es obliegt mittlerweile dem  Musikblogger, und nur dem Blogger, eine Lebendbestattung zu verhindern.

Mein Kurzresümee: Intro finde ich so out, dass es eigentlich Outro heißen müsste.

SomeVapourTrails

14 Gedanken zu „Sargnagel der Musikrezeption: Intro

  1. Danke fūr den treffenden Artikel!! Es ist so das ich fūr mich relevante Beiträge eher in Blogs finde als in der sogenannten Fachpresse.

  2. Auch allzu ausschweifende Kritiken, so wie sie hier manchmal zu lesen sind, können einen sehr faden Beigeschmack haben 😉

    Grundsätzlich ist es aber vollkommen richtig, Intro und viele andere Magazine zu kritisieren, denn viele sind wirklich fürchterlich. Grad bei den Online-Ausgaben bin ich mir aber nicht sicher, von welcher Seite der Qualitätsmangel kommt bzw. wer da auf wen abfärbt, denn wenn man bspw. bei Intro mal die Kommentare und Foren ein wenig beobachtet, fragt man sich schnell, ob überhaupt noch irgendwo Niveau vorhanden ist.

    Blogs haben einfach den Vorteil, dass ihre Zielgruppen kleiner und meist auch etwas enger gefasst sind, daher kann ich dem letzten Satz nur zustimmen: Qualität wird es in Zukunft eher dort geben, die Magazine mit ihren ewig klugscheißenden Communities kann man schon länger nicht mehr ernst nehmen.

  3. zu diesem volltrootel paul smith sage ich schon gar nichts mehr, deine andere einschätzung teile ich natürlich. ich habe auch den musikexpress nach 18 jahren aus ähnlichen gründen abbestellt. aber was erwartest du? der allgemeine zeitgeist hat wenig für substanz und wertigkeit übrig. alles muss schnell gehen, wer hinterfragt, hat verloren. es gilt wie immer, ein gesundes mittelmaß zu finden. bei der intro wird das jedoch nicht mehr passieren.

  4. lieber svt, so sehr ich es richtig und gut finde, eine auseinandersetzung und etwaige diskussionsgrundlage zu suchen, so sehr sehe ich dein akutelles bemühen doch weniger als ein fragen stellen und beantworten, als mehr ein knabbern am eigenen selbstverständnis wie ein mittdreißiger, der sein coming out längst hinter sich haben müsste.
    dein ungezügeltes weiden auf der metaebene der musikrezeption macht vor niemandem und nichts halt. du bist mit deinen bloggerkollegen unzufrieden, mit internetmagazinen im allgemeinen, mit den blättern, der presse nun auch im speziellen. in blümeranter wortwahl sezierst du den qualitätsmangel und offerierst damit selbst ambitionen, die ich bis dato nicht eingelöst sehe. auch wenn das scheinbare qualitätssiegel „edelblogger“ widerspruchslos von dir entgegen genommen und verteidigt wurde (http://vinylgalore.wordpress.com/2010/12/29/wie-wird-man-edel-blogger-was-ist-das-und-warum/#comments), so fehlt es doch an der deutlichen abgrenzung gegenüber der schar an kollegen. das „über einen kamm scheren“ wird in keinster weise der deutschen bloglandschaft gerecht.
    warum zudem internetmagazine und musikzeitschriften herhalten müssen, entgeht jeden sinns, wenn man den vergleich sucht. abgesehen von monetären und zeitlichen ressourcen ist der professionelle ansatz (bei den meisten) eine systemimmanente voraussetzung. gut recherchierte artikel in spex oder rolling stone dem täglichen ‚gedöns‘ von musikblogs gegenüber zu stellen, ist vermessen (ja, sie haben auch kurze artikel, winzige rezensionen usw.). deine polemik zu dieser thematik, u.a.: „Der Musikjournalismus ersäuft in trivialen Attitüden oder schwitzt sich die eigene Intellektualität aus allen Poren. All die Scheuklappen verhindern jedoch eine umschweifenden Blick, den es aber eben braucht, um die ganze Dimension eines Albums bzw. Künstlers zu begreifen.“ ist redundant und nicht zielführend, zudem haltlos und ohne grundlage.
    dass sich kritik gegenüber rolling stone und spex und wie sie alle heißen angemessen anführen ließe, keine frage. ansatzpunkte gäbe es ausreichend. ein rundumschlag in vereinigung mit dem qualitätsanspruch von blogs (blogs!) entbehrt der grundlage.
    was bleibt dir? akzeptieren, dass du ’nur‘ ein blogger bist. dich durch deine persönlichkeit abheben von anderen blogs. qualität setzt sich auf die eine oder andere weise durch, wird wahrgenommen, erkannt. oder du suchst dir einen platz, an dem dir die bedingungen gegeben werden, um so professionell zu arbeiten, wie du es von der musikjournaille erwartest. dann nimm auch termindruck, hierarchische strukturen, verleger etc. in kauf. du wirst zumindest verlieren, dass du dein eigener herr bist, gewalt hast über veröffentlichungszeitpunkt, thematik… und schon sind wir wieder in bereichen, da sich die äußeren bedingungen von amateuren und profis arg unterscheiden.

  5. Werter Kollege e,

    zunächst einmal halte ich die Frage der Musikrezeption für eine essentielle. Die Anzahl der Veröffentlichungen wächst in den Himmel. Mehr Auswahl sollte somit gesteigerte Chancen auf qualitative Verbesserungen mit sich bringen. Gerade weil die Produktion und Distribution eines Albums heutzutage nicht am lieben Geld scheitert, dürfte doch eigentlich die Stunde all der stets verkannten Genies schlagen. Und dennoch werden meist die guten alten Zeiten heraufbeschworen, wo Musik noch Musik war. Jeder auf Band gebannte Hustenanfall der Beatles wird glorifiziert, während sich wenig neue Genies unserer Tage herauskristallisieren. Mein Ansatz liegt darin, dass die Musikrezipienten ihre Filterfunktion falsch interpretieren und deshalb Mittelmaß dominiert. Unter dem Aspekt komme ich nicht umhin, die Metaebene zu bemühen und mich nicht nur auf Tralala-Musikempfehlung zu beschränken.

    Du sieht Blogs als laienhafte Liebhaberei an. Diese Meinung sei dir unbenommen. Ich jedoch glaube nicht an eine sakrosankte Unterscheidung von Amateur und Profi. Gute Arbeit hängt vom eigenem Talent und weiteren Faktoren wie Disziplin und Sorgfalt ab und nicht von Berufsbezeichnungen. Viele der wichtigsten Erfindungen wurden von sogenannten Laien getätigt, große Kunstwerke von Autodidakten geschaffen und manch Firmenerfolgsgeschichte basierte auf einer Idee und nicht auf betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Im kleineren Rahmen lässt sich das auch auf Blogger und Journalisten ummünzen. Ein Journalist leistet nicht mehr, nur weil er am Ende des Monats dafür Geld bekommt. Man sollte es zwar aufgrund der Voraussetzungen von ihm erwarten dürfen, aber dem ist eben meiner Meinung nach nicht so. Daher sehe ich den Blog als notwendige, hochwertigere Alternative zu Publikationen von Verlagen an, weil er unabhängig und unverwässert agiert.

    Freilich ist nicht jedes Geschreibsel eines Bloggers eine echte Alternative. Wenn Blogs lediglich Content übernehmen, keine klare Linie und Meinung vertreten, nur auf SEO abzielen und keine Recherche kennen, dann sind das tatsächlich nur Blogs, Micky-Maus-Blogs. Die kann und darf es gerne geben, man muss sie ja nicht gut finden. Diese jedoch als Prototypen der Blogs heranzuziehen, wie es in den klassischen Medien getan wird und wie du es anscheinend auch machst, gerät zur groben Verfälschung. Nur weil bei Stammtischen politische Zoten mit Maßkrügen geschwungen werden, kann man diese nicht mir Bürgerbewegungen gleichsetzen, die ja auch abseits politischer, vor Profis strotzender Systeme oft vernünftige politische Visionen verfolgen. Daher gibt es für mich keinen Grund qualitativ hochwertige Blogs nicht mit dem Stempel „edel“ oder „Premium“ zu versehen.

    Kurz und gut: Der eigentliche Journalismus wird kaum mehr von Journalisten gemacht. Die altgedienten Medien geben meist nur noch vor, das Handwerk voll und ganz zu verstehen. Sie mögen auch alle Tricks und Kniffe kennen, aber das Fundament seriöser Information und differenzierter Meinung fällt oft bewusst unter den Tisch. Ein guter Blog kümmert sich weniger um Schlagzeilen, kann sich einen reißerischen Wettlauf um Leser ersparen und damit die Veröffentlichungskultur weiterentwickeln. Eine Chance, die vielleicht immer mehr Leser begreifen.

    SVT

  6. Lieber Herr Blogger-Kollege. Hhm. Das der Musikjournalismus per se unterirdische Qualität abliefert, kann ich so nicht unterschreiben.

    Es ist auch okay, das Du vorwiegend auf Kravall gebürstet seid, aber an dem was „e“ schreibt, ist schon was dran. Natürlich kann man sich über das alberne Ausloten von Hypes um die Auflage zu steigern bei Intro und Co ärgern, aber ähnliche Mechanismen werden von Magazin-Bloggern wie 78er, White Tapes ja auch genutzt. Da sind entweder Werbekunden zu bedienen, die Auflage muss stimmen oder die Plattenindustrie muss bedient werden.Es ist auch legitim, im SMS-Stil den Zeitgeist herunterzubeten. Die Leser dafür gibt es nun einmal. Man muss das ja nicht lesen.

    Du schreibst „…Der Musikjournalismus ersäuft in trivialen Attitüden oder schwitzt sich die eigene Intellektualität aus allen Poren….“ Das ist für mich ein bisschen zu verallgemeinernd. Was ich in Blogs teilweise (ich schliesse mich mit meinem Hobby-Geschreibsel da nicht aus) zu lesen bekomme, ist in seiner Berechenbarkeit und Pseudo-Intellektualität ebenfalls kaum zu unterbieten. Aber allgemein die Musikmagazine im Rundumschlag zu verdächtigen, Musik nicht mehr ernst zu nehmen, halte ich für etwas borniert. Ich denke, auch bei den Lohnschreibern gibt es Leute mit Herzblut. Im Falle von Intro bin ich allerdings geneigt, dir Recht zu geben. Albernes Werbeblättchen mit oberflächliche, bunten Schnickschnack. Vollkommen irrelevant. Würde das Ding etwas kosten, wäre es zu Recht schon längst weg vom Fenster. Zu Spex kann ich gar nichts sagen. Habe gerade festgestellt, die haben ja auch eine Homepage.Haha. Das Printmagazin habe ich letztmalig in den frühen Neunzigern gelesen. Auch den Rolling Stones lese ich nicht, bin aber ein Fan von Vision. Zwar habe ich das Vision-Abo gerade gekündigt (ich hab`s nämlich bisher nicht einmal geschafft, die letzten beiden Ausgaben durchzulesen), aber in deren zum Teil hochwertigen Hintergrundstorys lugt schon die Liebe zur Musik durch. Und das trotz des monitäre Drucks.

    Wie dem auch sei, weder dem komerziellen Musikjournalisten oder dem hobbymässigen Musikblogger gebührt ein Heiligenschein.Und vielleicht sollten wir Blogger uns nicht allzu wichtig nehmen und dem Musikjournalismus seine Berechtigung nicht absprechen.Wie wäre es mit Ko-Existenz und sportlich Wettstreit?
    Liebe Grüße.

    Postscriptum: Und ihr seit Edelblogger? Respekt, Baby, Respekt.

  7. Schöner Artikel! 🙂 Deine Abneigung gegen Intro kann ich gut verstehen und nachempfinden – mich störte an dem Heft seit jeher vor allem der verquaste Stil der eigentlichen Artikel. Am Ende hat man zwei, drei Seiten gelesen, ohne irgendwas erfahren zu haben bzw ohne zu verstehen, worum es eigentlich darin ging.

    „Der Musikjournalismus ersäuft in trivialen Attitüden oder schwitzt sich die eigene Intellektualität aus allen Poren.“ Das fasst es eigentlich gut zusammen, obwohl der Satz so FAST auch schon wieder im Intro stehen könnte. ;-))

    Was andere Magazine angeht, so lese ich die auch nicht, da ich mir nicht so gerne von einigen Musikredakteuren vorbeten lassen mag, was ich denn nun für gut, cool und angesagt zu finden hätte. Eine Hingabe an die Musik, mangelnde journalistische Qualität und Tiefe etc. würde ich den Heften aber nicht generell absprechen. Über die meisten Bands kann man einfach keine tiefgründigen philosophischen Traktate verfassen, dazu gibt ihr Oeuvre zu wenig her. Deshalb möchte ich auch keine auf Länge gequälten Abhandlungen lesen…

  8. Die Feststellung, ›wir‹ (Spex) würden Musik nicht mehr ernst nehmen, finde ich gerade sehr possierlich. Natürlich nehmen wir Musik sehr ernst. Spex ist nur eben längst kein reines Musikmagazin mehr, das auf 150 Seiten über Musik schreibt – eher ein Kulturmagazin mit Musikschwerpunkt. Dazu: Die Texte in SMS-Länge je Ausgabe sind jedenfalls an weniger als einer Hand schnell abgezählt. Und was genau ist jetzt nochmal daran falsch, einen der faktisch erfolg- und einflussreichsten Plastikpopsongs auf Platz 1 der Redaktionscharts zu heben? Ob ›wir‹ wohl im Falle einer entsprechenden 16 Horsepower-Platzierung kredibler wären?

  9. Die Spex ist nicht Intro, keine Frage, Gott sei Dank. Als ehemaliger Leser kenne ich durchaus ihre (damaligen) Vorzüge. Nicht in die eigene Schreibe und den darum kreisenden intellektuellen Kosmos verliebt zu sein, das erscheint so schwierig wie nachvollziehbar. Wenn dies im Dienste der Musik erfolgt, spricht auch wenig dagegen.

    Wie ernst freilich kann ich die heutige Spex nehmen, wenn sich in den Redaktionscharts die üblichen Indie-Verdächtigen ein Stelldichein geben? Dazu noch ein wenig Mainstream als Kirsche auf dem Törtchen. Und um sich von anderen Magazinen abzugrenzen, werden eben Remixe in den Reigen aufgenommen. Das stellt aber auch die einzig eigenständige Note dar. Praktisch alle Lieder der Top 10 stammen aus dem Sumpf großer oder reputabler Labels. Von der Spex erwarte ich mir einen Blick über den Tellerrand, Entdeckungen eben und keine Beschränkungen auf das, was auch mir durch unzählige Newsletter vertraut. Wenn die Redaktion diesen Lieblingen frönt, dann sehe ich keinen Grund, in naher Zukunft wieder einmal ein Exemplar käuflich zu erwerben.

    Ich gestehe dem Spex-Schreiber jederzeit eine gediegene Ausdruckskraft und ein gerüttelt Maß an Hintergrundwissen zu, wenn die Experten genau das als gut und wichtig einstufen, was viele weniger beschlagene Amateure ebenfalls gut und wichtig finden, wozu braucht es dann noch Experten, sprich Musikjournalisten? Den Kanon des Offensichtlichen herunterzubeten, vermutlich mit ein wenig mehr Verve, darin sehe ich keinen ausreichenden Mehrwert, keinerlei besonderen Kaufanreiz.

    SVT

  10. @Peter

    Oh ich glaube fest daran, dass man mit 200-300 Worten einem guten Album gerecht wird. Und diese Länge verdient sich ein Künstler allemal, der Know-how, Kreativität und Herzblut in eine Scheibe gelegt hat. Wenn ein Blogger dies aus Zeitgründen nicht leisten kann und will, verstehe ich das. Aber Musikjournalisten soll mir nicht mit wenigen Zeilen, davon noch ein paar dem Waschzettel entnommen, an der Oberfläche kratzen. Hinter einem schlechten Album stecken viele Gedanken, hinter einem guten noch mehr, den einen oder anderen Gedanken sollte darum auch die Musikjournaille parat haben – und natürlich auf den Punkt bringen. Daumen rauf, Daumen runter – das ist eine Meinungsmache ohne Fundament. Und klar, nicht alle Schreiberlinge sind so, ich sollte vielleicht wirklich auch mal die positiven Vertreter der Zunft hervorheben.

  11. „Ich gestehe dem Spex-Schreiber jederzeit eine gediegene Ausdruckskraft und ein gerüttelt Maß an Hintergrundwissen zu, wenn die Experten genau das als gut und wichtig einstufen, was viele weniger beschlagene Amateure ebenfalls gut und wichtig finden, wozu braucht es dann noch Experten, sprich Musikjournalisten? Den Kanon des Offensichtlichen herunterzubeten, vermutlich mit ein wenig mehr Verve, darin sehe ich keinen ausreichenden Mehrwert, keinerlei besonderen Kaufanreiz.“

    Damit bringst Du es gut auf den Punkt – genau das ist es, weshalb ich mich auch nicht (mehr) motiviert fühle, Musikmagazine zu kaufen. Die interessantere Musik finde ich in Blogs bzw. bekomme ich durch persönliche Empfehlungen. Das, was in Spex, Intro & Co. besprochen und bejubelt wird, läuft einem eh überall über den Weg.

    (Der „Kulturmagazin“-Aspekt der Spex bzw auch von Intro etc. schreckt mich eher etwas ab, da ich wenig Bock auf „Lifestyle“ habe…)

  12. Ach ja:
    A hackt auf B
    B hackt auf C
    C hackt auf D
    D hackt auf A
    C hackt auf E
    E hackt auf B
    F hackt auf G
    G hackt auf C

    usw. usw. usw.

    Ist doch scheißegal, was man liest, ob
    Rave, Spex, Rolling Stone (dt/eng), NME, Intro, Sally’s, Pitchfork, Musikexpress, Visions – alle gleich.

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