Starker Tobak für bewölkte Naturelle – Moddi

Wo endet Tiefgründigkeit, wo beginnt die Depression? Irgendwo dazwischen jedenfalls siedelt der norwegische Singer-Songwriter Moddi auf dem Album Floriography seine textliche Tristesse an, bietet eine Platte, die selbst öden Regentagen noch den einen oder anderen Grauschleier auferlegt. So düster-distelig sich die trüben Gedanken auch präsentieren, so klar und elegant hellt die Musik die Schwermütigkeit auf, fächert nordische Kühle durch die Boxen.

Photo Credit: Hilde Mesics

Bereits im Herbst bot die EP Rubbles einen ersten Vorgeschmack auf dieses Debüt, zeigte sich Pål Moddi Knutsen als tiefschürfender, reifer Musiker, der mit großer Ernsthaftigkeit Emotionsgebilde entwirft, die dem Hörer Feingefühl und Gedankenschwere abverlangen. Auch Floriography ist eine grübelnde Schönheit, abwechslungsreich mit Gitarre, Streicher, Akkordeon und Piano ausgestaltet, so kantig wie schmuck. Zeilen wie „What’s left of the day will eventually come down as rain“ bringen die Atmosphäre auf den Punkt, in der sich die skizzierten Gemüter in Krise und Aufruhr befinden. Hoffnung versiegt („Under the microscope, where we all find hope/ You’ll see nothing but your last defeat„), Abschiede formen sich aus („But I can’t find no poetry left in these lines/ I’ve been trying too hard, too long, too many times„). Und obwohl Herr Moddi ab und an die Stimme erhebt,  schwingt doch nirgendwo das große Drama mit, pochen keine Tränen mit ausladenden Gesten auf ihr Recht. Das mag dies Werk auch schwerverdaulich machen, weil Gefühle nicht mit Tonnen greller Schminke zugekleistert, sondern authentisch, fragil, knochig seziert werden.  Solch Poesie, frei von überstapaziertem Pathos oder blumigem Kitsch, ruht auf nicht minder formidablen, melancholischen Klängen, wobei speziell das Akkordeon die Stimmung perfekt abrundet. Neben dem desperat anschwellenden Rubbles sticht beispielsweise Ardennes heraus, das musikalisch ausgereifteste, superb arrangierte Stück der Platte. Ebenso intensiv geraten Poetry und Stuck in the Waltz, letzteres mit den vielleicht schönsten Worten des Albums („And all the quiet words that we ever heard are the sum of the noises around„). Zu den gelungen Momenten darf auch 7! zählen, das in seinen siebeneinhalb Minuten epischer Breite alles unterbringt, was Moddi so auf dem Kasten hat. Das ist wahrlich einiges.

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Floriography verpufft nicht unter der Last einiger Hördurchläufe, das Werk entwickelt noch stärkere Kraft, weil es jedes Mal ein Stückchen tiefer berührt, das Sentiment weniger resignativ schwingt, die edle, reduzierte Folklore der Melodien stärker zum Vorschein kommt, Moddis Stimme immer mehr an Charakter gewinnt, sich sein Ausdrucksschärfe in die Ohren schält. Dieser junge Singer-Songwriter hält starken Tobak für bewölkte Naturelle bereit. Wem nicht der Frohsinn von der Nasenspitze tropft, der wird dies Album lieben.

Floriography erscheint am 28.01.11 auf Propeller Recordings.

Konzerttermine:

27.01.11 Berlin – Maschinenhaus „The future of Norwegian Music“
26.02.11 Hamburg – Knust
27.02.11 Köln – Gebäude 9
01.03.11 Frankfurt/Main – Panorama Bar
02.03.11 Schorndorf – Manufaktur
03.03.11 München – Ampere
04.03.11 Heidelberg – Karlstorbahnhof
06.03.11 Leipzig – Skala, Leipzig (DE)
07.03.11 Berlin – HAU 2
09.03.11 Münster – Gleis 22, Muenster

Links:

Offizielle Homepage

MySpace-Auftritt

Kostenloser Download von Rubbles und Magpie Eggs

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2 Gedanken zu „Starker Tobak für bewölkte Naturelle – Moddi&8220;

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