Zwischen Disneylandisierung und Revolte

Man darf ja jetzt nicht mehr sagen – geschweige denn schreiben: Kreuzkölln, weil dieses böse Wort von den noch böseren Maklern erfunden wurde, nur damit hier alles noch  teurer wird. Hier war vor ner kurzen Weile noch ein paar Schritte weg, auf der anderen Seite des Hermannplatzes, inzwischen wohnen wir so ziemlich drin im X von X-Köllln – oder wie wir jetzt richtig PC sagen: Nord-Neukölln. Ein paar Leute haben dann auch Tse, tse gemacht, als wir mit Kamera die Gegend betrachteten um We say Straßenkunst, auf deutsch nennt sich das jetzt Streetart, fotografierten. Die vom Bildungsbürgertum zum Künstlerprekariat aufgestiegenen Bewohner fühlen sich eh sehr bedroht, es ziehen immer mehr Leute von Mitte und Prenzlauer Berg her – die und wir waren aber schon vor Jahren da und nun tritt uns die Gentrifizierung mit Füßen, von der verdrängenden auf die unangenehme Seite. Cafés mit extra Kinderspielzimmer und veganer Wurstplatte im Angebot eröffnen und haben leider auch den leckerste Kuchen der Stadt, Bio natürlich (Küchenmafia/Hobrechtstrasse). In zuvielen Reiseführern als Geheimtipp gelistet gleicht die Weserstraße inzwischen einer Freiluft-Galerie, die eingepackt und zum Gesammtkunstwerk erklärt gehört. Oder – natürlich nicht, das spannende ist doch der Wandel, oder? So ein klein bisschen fühlt man sich schon wie in der Alternativ-Szene-Welt von Disneyland oder um es mit den Worten von SomeVapourTrails zu sagen: Du musst jetzt nicht alle 2 Meter für 10 Minuten stehenbleiben, nur weil da wieder so irgendwas an der Wand steht, klebt oder gesprüht ist. Was ist noch Anarchie, was schon kommerzielles Kalkül? Manche der Künstler, die hier ihre Werke hinterlassen, könnten nicht nur in ner chicen Art Gallery in New York hängen, sondern tun es schon. Es gehört schlicht zum guten Ton sein Farbtönchen im X von Neukölln zu hinterlassen. Ich find’s unkritisch toll, dank genesender Kniee und neuem Fotoapparat wird’s hier in Zukunft mehr Streetart auf dem Blog geben. Der Liebste sieht’s mit gemischten Gefühlen, dauerte unser Kurz-um-die-Ecke gehen doch auch schon früher mindestens 2 Stunden, jetzt kommen zum Netto auch noch das Brutto (aka Warte-Stehen-bleib-Stunden) dazu 😉

Gentrify this…. Nicht ganz klar, gehört der Besitzer des Motorrads zu den Bedrohten, oder hat dieser mit seinem Herzug jüngst zur allgemeinen Mietpreiserhöhung im Kiez beigetragen?

Sozusagen das Tor zur Streetart-Wunderwelt, Reuterst./Ecke Weserstraße, Graffiti von Grafro und Bimer, mehr zu diesen gibt’s auf dem taz-Fotoblog von Caro.

Passend zum Image des Glasscherben-Viertels gibt’s natürlich auch den Einbrecher in Neukölln.

The older the war the younger the soldiers von OWYS (mehr zu diesem findet ihr bei Street-Yoga).

Mein Lieblingsmotiv ist natürlich ein Mädchen-Bild: Broken Window und weil’s so schön ist, gleich noch eine Variante:

Ganz entzückend sieht die unbekannte Schöne auch auf Jalousie aus.

Zweitliebstes Bild, weil mit Elefant… drum auch ingesamt 3 mal in diesem Beitrag (wer findet den Dritten?)

Vielleicht schützt uns Hannibal ja vor den bösen Römern oder ist er am Ende selber einer? Das weiss man hier nie so genau 😉

Am Ende bleibt nur die Flucht….

….mal so oder so:

….UND

….Tschüß!

DifferentStars

6 Gedanken zu „Zwischen Disneylandisierung und Revolte

  1. Na ob das so gut gelungen ist. Der Artikel fügt zumindest der Gentrifizierungsdebatte nichts hinzu außer Zeugs, was bereits vielfach und ebenso unreflektiert geschrieben wurde.

  2. Was denn? Hab ich vergessen zu erwähnen, dass jetzt die am lautesten schreien, die vor 7 Jahren die Assis verdrängt haben und sich jetzt von den wohlhabenderen bedroht fühlen? Damals hiess das halt noch Kultur ins Elend bringen und das Viertel aufwerten, jetzt halt Gentrifizierung 😀

    Nach fünf Jahren Neukölln, darf ich auch laut schreien „Ich werde verdrängt“ oder leb ich schon auf der bösen Seite. Und warum verstehen Alternativos eigentlich nie Ironie, insbesondere Selbstironie?

    Und wieso geht’s in diesem Beitrag deiner Meinung nach hauptsächlich um Gentrifizierung und nicht Streetart? Zu wenig Bilder? Kommen noch mehr, keine Angst, allerdings auch mit Ironie, sorry dafür.

  3. Hi Josef,
    wir haben die Street-People sehr vereinzelt schon entdeckt. Hier warten auch noch einige Fotos darauf endlich den Weg auf den Blog zu finden. Sicher kannst du mir dann verraten, obs sie bei dem Bild von Flix (Pusteherzen Mädchen) und Dave the Chimp, die Dritten im Bunde sind.

    Liebe Grüße
    DifferentStars

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