Musikalischer Zauberwürfel – Adam Donen

Manch Album bekomme ich einfach nicht zu fassen. Wie ich es auch drehe und wende, sobald ich Hand anlege, entpuppt es sich als musikalischer Zauberwürfel. Dem aus Südafrika stammenden und in London weilenden Singer-Songwriter Adam Donen ist es mit seinem Werk Immortality gelungen, mich ein wenig kirre zu machen. Nicht etwa, weil es unmöglich in eine Schublade zu verfrachten wäre. Wir haben es hier mit nett ausstaffiertem Folk zu tun, der als Bühne für pittoresk-altmodisch fabulierte, referenzenreiche Poeme dient. Donen zitiert Goethe auf Deutsch(!), fürchtet generell keinerlei Bedeutungsschwere, mengt seinen Dichtungen eine ordentliche Portion Dramatik bei.

Ist der gute Mann nun ein mit viel Aufwand agierender Blender oder doch einer vom Schlage eines Leonard Cohen? Einer, dem mächtige Lyrics einfach so aus dem Füller strömen? Ich mag mich schwer entscheiden. Manchmal glaube ich die manierierte Sprache mit den Händen greifen zu können, dann wiederum will mir die eloquente Inbrunst sehr gefallen. A Century of Stone zum Beispiel offenbart mir den Sinngehalt keine Sekunde lang, aber lechzen Zeilen wie „Where childlike breastless sphinxes/ Rub paws inside their skirts, purring:/One of these is pleasure, love,/ But both of them are work.“ bei aller Kryptik nicht geradezu nach Wirkung? Die Theatralik von It’s Over Now wird noch durch einen eindringlichen Vortrag, der durchaus mit Wahnwitz kokettiert, verstärkt. Abermals freilich steht der kleine Rezensent vor dem Text – gleich einem kleinlauten Sünder vor der Himmelspforte – und versucht solch Worten „It was a headache we always saw coming./Cool lights of day done their snake in the grass act;/You foresaw the first shoots of spring:/A confederacy of liars and drunken cunts kissing:/Let it not be said we lacked ambition.“ neben Pathos eine Botschaft zu entnehmen – und scheitert doch bereits an der im Booklet dargestellten Interpunktion. Nein, den Gedankengängen Donens vermag ich selten zu folgen. Lullaby for Kaiya als traurig-nüchternes Liebeslied gehört zu den wenigen Momenten, in denen der werte Herr nachvollziehbare Empfindungen präsentiert. Und just hier gerät sein Griffel ungelenk ins Schlingern. Ein Umstand, welchen man ihm verzeiht, weil man mit dem Mitfühlen beschäftigt ist. Letztlich erweist sich für mich der Song Tomorrow’s Gone als gelungenster Titel, da sogar mein simpel angehauchtes Gemüt die Botschaft des Refrains „Tomorrow’s gone and it’s not coming back.“ verinnerlichen kann.

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Je länger ich meine Stirnfalten der Akrobatik des Grüblens aussetze, desto eher bin ich zu einer positiven Einschätzungen von Immortality bereit. Adam Donen trotzt dem Zeitgeist, streicht diesen Anachronismus nicht bloß hervor, sondern stellt ihn mit der ihm eigenen Poesie Zeile für Zeile unter Beweis.  Zusammen mit dem kammermusikalischen, von Akustik-Gitarre und Streichern dominierten Sound ergibt dies eine schwer zugängliche Platte, deren Reiz eben in jener vorherrschenden Unnahbarkeit begründet liegt. Fortgeschrittenen Musikhörern sei die Platte daher ans Ohr gelegt.

Immortality ist am 28.01.11 auf Songs & Whispers erschienen.

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