Tarantinoesker Wohlfühl-Western irgendwo in Sombrero-Gefilden – The C-Types

Nicht jedes Werk muss bahnbrechend sein, um den gehobenen Geschmack zu treffen. Nicht alles muss Superlative übertreffen oder dadaesk verstören, um meine Aufmerksamkeit zu fesseln. Man braucht nicht am Rad zu drehen, wenn man es neu zu erfinden trachtet. Ich will einfach nur Musik, die sich nicht kriegsbemalt, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Wenn ich nun also dieser Prämisse folgend dem Album Devil on 45 lausche, das Tamtam des Promobeipackzettels außer Acht lasse, fällt der Genuss nicht schwer. Würde ich hingegen akribisch das Haar in der Suppe suchen, müsste ich der hessischen Band The C-Types die eine oder andere winzige Tolle in die Küche zurückschicken. So jedoch bin ich mit dem Gebotenen zufrieden, freue mich über dieses im positiven Sinne altbackene Etwas.

The C-Types lassen sich nicht lumpen, stürmen gen Wilden Westen. In manch Momenten glaubt man in einem tarantinoesken Wohlfühl-Western irgendwo in Sombrero-Gefilden zu surfen. Oder einen dunklen Highway entlang zu cruisen, dabei eine grotesk drapierte Leiche im Petticoat im Kofferraum mitführend. Wie die Verschrobenheit lassohaft herumgewirbelt wird, dieser Charme des Skurrilen wirkt ab und ab überstrapaziert. Surf-Gitarre und Bläser sei Dank, entwickelt die Chose Charisma. Songs mit zackigem Groove funktionieren prima. Die Coverversion von Egyptian Reggae reitet gen Sonnenuntergang, das ebenfalls instrumentale Mexican Stud wieselt wehenden Ponchos daher. The Good, Bad & Ugly beispielsweise ist weiteres spritziges Liedchen, welches in knackigen zweieinhalb Minuten fein unterhält, nicht zuletzt wegen des nonchalanten Gesangs. Ähnliches Lob erteile ich Goo Goo Muck, das speziell im Refrain eine kesse Sohle aufs bereits abgesteppte Parkett zaubert. Doch mitunter kommt die Band ins Stolpern. So beinhaltet Devil On 45 auch Tracks, die sich zu lasziv im Western-Flair räkeln (Boystown) oder Chanson-Flausen pflegen (Let’s Get Lost). Wie die Band klingt, wenn sie den Sound liftet und mehr nach 2011 tönen will, erfährt man durch das glänzende Straight To Hell. In solch Momenten sitzt die Herrschaften fest im Sattel.

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Was kann man einer interessanten, oftmals zum Mitwippen geeigneten Platte vorwerfen? Vielleicht den Umstand, dass ein Gaga-Pressetext das Make-up zu dick aufträgt. Eine wohlproportionierte Scheibe mit allzu greller Schminke und zerzaustem Haar serviert. Was macht The C-Types zur Surf-Punk-Psychose, wo holt sich ein Tangotrash-Spektakel den Schmutz unter arschlangen Fingernägeln? Mal halblang, bitte. Devil On 45 ist schwungvolles, eigentümliches, bestens instrumentiertes Debüt, aber beileibe nicht so außerordentlich oder gar von Sinnen, wie mir die verquastete Waschzettelschreibe (Fenster-Offen-2010 riecht im LA-Mustang neuerdings nach hessischer Haselnuss) suggerieren möchte. Empfehlen will ich sie trotzdem – oder gerade deshalb.

Devil on 45 ist am 04.02.11 auf Hazelwood Vinyl Plastics erschienen.

Konzerttermine:

18.02.11 Stuttgart – Zwölfzehn
22.02.11 Mainz – Schon Schön
11.03.11 Frankfurt – Dreikönigskeller

Links:

MySpace-Auftritt

The C-Types auf Facebook

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