Verschreibungspflichtiger Harmlos-Pop – Memphis

Mal Butter bei die Fische! Bei manchem Album nützt selbst angestrengtes Nuckeln am Daumen nichts, kann man sich substantielle Wortspenden nicht einfach so aus den Fingern saugen. Wenn die Vorleistung des Künstlers durch Harmlosigkeit besticht, verheddert sich auch der Rezensent in glimpflichen Worten. Memphis, ein Nebenprojekt von Torquil Campbell (seines Zeichens Frontman der Stars), ringt mir keine Superlative ab. Allerdings fühle ich mich auch nicht genötigt, in den sprachlichen Latrinensumpf zu greifen. Die Platte Here Comes A City beschert den einen oder anderen angenehmen Moment, meist lullen Singsang und Harmonien dieses eigentlich verschreibungspflichtigen Popalbums schneller ein als jedwedes Barbiturat.

Ich möchte nicht bestreiten, dass eine Platte mit dem Schlafzimmerblick eines Sandmännchens durchaus ihre Berechtigung hat. Aber im konkreten Falle wird gar arg auf die Äthertube gedrückt. Die chloroformgetränkten  Songs benebeln sanft – und nachhaltig. Sobald die Sinne wieder Purzelbäume schlagen, erinnert man sich an kaum ein Lied. Bestensfalls der vage Eindruck von Folk-Attitüde gemixt mit 80er-Pop-Feeling bleibt haften. Das klingt nett, aber schlicht vergessenswert. Lediglich einzelnen Tracks haftet eine versunkene Atmosphäre an. M+E=Me erinnert an ein Lullaby Mobyscher Prägung, die zarte Ambient-Note von 5 Loops schlurft mit traumwandlerischer Grazie daher. Viel mehr prägt sich nicht ins Gedächtnis ein. Lieder wie I Am The Photographer dudeln im Midtempo herum oder zeichnen sich durch eine reichlich altbackene Frische (Apocalypse Pop Song) aus. Zum Tiefpunkt der Platte mutiert das musikalisch abgedroschene I Want The Lights On After Dark, Songs dieser Güte hat man schon ungezählte Male vernommen, findet sie nach wie vor zum Gähnen.

Memphis – I Am The Photographer from Stars on Vimeo.

Es würde Memphis besser zu Gesicht stehen, wenn sie sich auf sachte Electronica fokussieren. Denn der instrumentale Lückenfüller Reservoir hat auf alle Fälle weitaus mehr zu bieten als der vorherrschende Harmlos-Pop. Die Crux von Here Comes A City besteht darin, dass die Mehrzahl der Tracks wohl kaum als Wiedenlieder ersonnen wurden. Die Lieder, die echte Entrückung versprühen, sind pikanterweise die, welche einem die Müdigkeit vorübergehend aus den Augen reiben und beherzt zum Kugelschreiber greifen lassen, um diese paar Zeilen ohne Daumennuckeln zu verfassen.

Here Comes A City ist am 25.03.11 auf Arts & Crafts erschienen.

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