Neues von Blondie – Zwischen unsterblicher Legende und untoter Müffeligkeit

Richtige Legenden sterben früh, dies wussten schon James Dean, Marilyn Monroe, Jim Morrison, Janis Joplin und Ian Curtis, der gestern von 31 Jahren verstarb. Elvis merkte es fast schon zu spät, bevor er in die ewigen Jagdgründe hopste. Marlene Dietrich tat einfach so, als wäre sie schon verschieden und versteckte sich in ihrer Wohnung in Paris. Eben jene Idole, die Rebell oder verführerische Schönheiten waren, taten gut daran, nicht alt zu werden.

Neuhochdeutsch gesehen, wäre Debbie Harry heute keine New Wave-Ikone, sondern wohl das erste Power-Pop-Girlie der Weltgeschichte. Ihr Style ist oft kopiert und selten erreicht worden. Altern wollte die geliebte Diva auch nicht und ließ sich vielfach operieren. Der Zahn der Zeit nagt trotzdem weiter, die Bühne den Enkelinnen überlassen, scheint keine Alternative. Blondie war die erste Band, die ich aus des Vaters Schallplattenregal stahl und nicht mehr hergeben wollte. Jahre danach folgten viele schmerzhafte Momente des Fremdschämes, bisweil war es eine Zumutung, was die Dame auf der Bühne an Un-Performance ablieferte. Dennoch als Schauspielerin schaffte sie es ins wohlverdiente Charakterfach.

Den Umständen zum Trotz schmeißen Blondie im September ihr neues Album auf den Markt und beweisen mit dem Video zur ersten Single richtig Humor, den brauchen sie auch. Musikalisch gesehen ist Mother das Echo alter Zeiten mit modischem Indie-Gitarren-Schrammel aufgepeppt. Nicht zwingend ein Haben-Muss, weh tut’s aber auch nicht. Debbie und Konsorten tanzen auf den eigenen Gräbern der Popgeschichte. Kein Zufall, das Andy Warhol im Club erscheint, bevor das Puplikum von Zombies gefressenwird. Pate für den Club im Musikvideo stand das CBGBs, welches  Ausgangspunkt vieler Legenden und inzwischen sogar auf virtuellem Altar geehrt wird. So liest sich die Liste der Cameos illuster:  Kate Pierson von den  B-52’s, James Lorinz (Frankenhooker) Johnny Dynell, Chi-Chi Valenti, The Dazzle Dancers, Rob Roth, Barbara Sicuranza, Larry Fessenden, Alan Midgette (Andy’s double), The Five Points Band, Guy Furrow, Kitty Boots und Hattie Hathaway. Regie führte Laurent Rejto.

 

Panic of Girls

Tracklist:

1. „D-Day“
2. „What I Heard“
3. „Mother“
4. „The End, the End“
5. „Girlie Girlie“
6. „Love Doesn’t Frighten Me“
7. „Words in My Mouth“
8. „Sunday Smile“
9. „Wipe Off My Sweat“
10. „Le Bleu à l’âme“
11. „China Shoes“

Collector’s Pack Bonus Tracks

12. „Horizontal Twist“
13. „Mirame“

Link: Blondie Homepage

Kleiner Nachtrag
:

Niemand sollte mit gefährlichem Halb- oder Dreiviertel-Wissen angeben, insbesondere Ich nicht, so geht’s mit Nichten ums CBGB’s sondern wie Spinner.com schreibt:

The slick video pays homage to New York’s storied West 14th Street nightclub ‚Mother,‘ which was a late-night playground for A-listers during the ’90s

DifferentStars

2 Gedanken zu „Neues von Blondie – Zwischen unsterblicher Legende und untoter Müffeligkeit

  1. Gar nicht so schlecht wie erwartet… Ich habe Blondie in den späten 90ern entdeckt, als gerade „No Exit“ rauskam. Hab‘ die Plattet totgehört. In den Sommerferien jeden Tag. Bereits zum Aufstehen. Danach habe ich mir die alten Sachen besorgt und war weggeblasen. „Curse Of“ gefiel mir damals gar nicht und jetzt bin ich doch sehr auf die neue CD gespannt!

  2. Also ich bin auch positiv überrascht – ein echt guter Song! Was zum Aufmuntern in schweren Zeiten 🙂

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