Release Gestöber 4 (Wider den anonymen Kicherlieschen)

Sobald dem Musikblog nicht bloß Freunde und Anverwandte die Aufwartung machen, kommen auch schon Labels beziehungsweise Promotoren und bringen ihre Schützlinge mit oftmals heftiger Vehemenz in Stellung. Das geht mitunter soweit, dass man sich an die Zeiten regelmäßiger Kinobesuche erinnert fühlt, wo entweder Basketball-Mannschaften in der Reihe davor den Blick versperrten oder ein Treffen anonymer Kicherlieschen die Konzentration vom Geschehen auf der Leinwand ablenkte. Derart fühlt sich das E-Mail-Postfach überfordert, geht der Fokus auf die wesentlichen Nachrichten verloren. Ob nun die x-te Berliner Deutschpop-Band mit fantastischen Texten, die fleischgewordene Neugeburt des Post-Punk aus London, all diese Märchen werden von Onkel und Tante Promotion vermeldet. Und ehe man es sich versieht, rutscht aus dem Blickfeld, was man eigentlich allzu gern beäugt. Aber es gibt auch Ausnahmen, wo sich hinter News und Neuvorstellungen eine wirklich frohe Kunde verbirgt. Sie seien hier behandelt.

Amon Tobin

Der brasilianische Könner Amon Tobin veröffentlicht am 20.05. sein neues Werk ISAM, dessen Sperrigkeit den Hörer zunächst durchaus nach dem erstbesten Zipfel fassen lässt, um dem Sound in irgendeiner Form auf die Schliche zu kommen. Doch verweigert sich die Platte einer aus der Hüfte abgefeuerten Einschätzung, vermag den Fan elektronischer Klänge erst allmählich zu tiefschürfenden Entdeckungen zu animieren. Die ausgebuddelten Erkenntnisse will ich demnächst hier  näher unter die Lupe nehmen.

‚ISAM‘ – Full album with track-by-track commentary from Amon Tobin by Amon Tobin

Susanne Sundfør

Foto Credit: Stian Andersen

Man möchte meinen, sie schießen wie Unkraut aus dem Boden. Aus skandinavischen Gefilden dringen mit großer Beständigkeit kleine und große Singer-Songwriter-Perlen in hiesige Breiten. Die junge Norwegerin Susanne Sundfør bildet diesbezüglich keine Ausnahme. Das ambitionierte Album The Brothel will mehr als es kann, doch es kann viel, sehr viel.  Auch hier gilt, Frau Sundfør wird bis zum Veröffentlichungstermin (20.05.) einer ausführlicheren Würdigung unterzogen.

Friska Viljor

Das schwedische Duo Friska Viljor hat bereits am 25.03. das Album The Beginning of the Beginning of the End vorgelegt. Ihrem munteren Indie-Rock-Pop mangelt es nicht an Charme, wenngleich die Streuung doch beachtlich ausfällt. Von schwungvollen Ohrwürmern (Larionov, Come On) über skurile Western-Ritte (Did You Really Think You Could Change?), hymnische Refrains zum Schunkeln (You Meant Nothing) und eine entgegen der Stimmung der Platte schwermütige Ballade (Useless) bis hin zu typisch simpel gestrickten, verunglückten Nummern (My Thing, What You Gonna Do?), wie man sie diese Woche beim Song Contest zu oft hört. Insgesamt eine empfehlenswerte Platte für Zeitgenossen, die gerne ein Körperteil zum Mitwippen verwenden.

Der Track Larionov ist als kostenloser Download auf Soundcloud verfügbar.
Friska Viljor – Larionov by Cryingbob

Im Sommer tummeln sich Friska Viljor auf einigen Festivals.

01.07.11 St. Gallen (CH) – St. Gallen Open Air
02.07.11 Bonn – Rheinkultur Festival
22.07.11 Bad Doberan – Searock Festival
05.08.11 Horb am Neckar – Mini-Rock Festival
06.08.11 Lustenau (A) – Szene Open Air
13.08.11 Zofingen (CH) – Heitere Open Air
19.08.11 St. Pölten (A) – Frequency Festival
28.08.11 Wiesbaden – Folklore Festival

Africa Hitech

Soeben veröffentlicht: 93 Million Miles von Africa Hitech. Auf dem Kult-Label Warp Records – womit sich wohl etwaige Zweifel von allein zerstreuen. Eine anbetungswürdige Platte, die man eigentlich schon ins Herz schließt, sobald man den Track Out In The Streets vernommen hat. Diesem Rhythmusmonster wird demnächst noch mehr Platz auf dem Blog eingeräumt werden. Ohne Frage eine der überragenden Platten elektronischer Provenienz. Die Macher Mark Pritchard und Steve Spacek gastieren demnächst in Deutschland: Am 22.05.11 in Hamburg (Golden Pudel Club) und am 27.05.11 in Berlin (Horst Krzbrg).

Out In The Streets by Warp Records

Kafka

Wer sich Kafka nennt, sollte keine schwachbrüstigen Liedchen verzapfen. Dies französische Trio wagt sich in instrumentale Untiefen. Nicht immer spektakulär, aber auf gutem Niveau. Die am 01.05. erschienene Platte Geografia präsentiert ausgeklügelten Post-Rock, der zwar Schablonen meidet wie der Teufel das Weihwasser, dafür aber auch kaum wuchtig mitreißende Momente der Entrückung etabliert. In der Subtilität des Sounds findet sich der hartnäckige Hörer jedoch gut zurecht. Ein Geheimtipp.

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SomeVapourTrails

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