Stoische Nippes – udosson

Miniaturen sind nicht jedermanns Sache. Klobigkeiten dominieren die Moderne besser. Klein ist nicht fein, es geht doch immer um den großen Wurf. Das überdimensionierte Versprechen eines Politikers, die sensationsheischende Schlagzeile, rekordträchtiger Größenwahn. Das riesigste Flugzeug, die längste Brücke, der Klimaerwärmung sei Dank auch mal der kälteste Winter. Und sogar der Blick durch ein Mikroskop enthüllt kein schlichtes Bakterium, meist eher gleich eine Geisel der Menschheit. Kleiner Firlefanz bleibt vermeintlichen Spinnern vorbehalten, die ihre Perspektive nicht hoch genug stapeln können.

interflug by udosson

Eine EP als miniatures I zu betiteln, zeugt von Understatement, dem das Scheitern bereits von der Nasenspitze abzulesen ist. Oder aber vom gewitzten Versuch, Armseligkeit nett zu ummänteln. Der minimalistische Soundtüftler udosson freilich wählt eine redliche Beschreibung. Seine musikalischen Kleinode sind wohlforme Winzigkeiten, unscheinbar und unaufgeregt. Meditationen, die ein entspanntes Versinken erlauben, sanft in Downtempo getunkt. Allerdings mutiert es nie zum schnarchigem Schlummer, geht eher schon in schlafwandlerischen Pirouetten über. Den Miniaturen haftet eine formale Strenge an, eine atmosphärische Kühle, welche die Sinne nicht hemmungslos befummelt. Das mag von Reizen gefluteten Zeitgenossen die Kontemplation erschweren, eher schon meditative Feingeister auf den Plan rufen, deren Traumtänzeleien auch ohne knallbunte Ornamente funktionieren. udosson werkt weder als visionärer da Vinci noch als sinistrer Hieronymus Bosch unter den Electronica-Künstlern. Fügt sich eher in ein Heer der Namenlosen ein, die mit ihrer Kunst dem Handwerk erst goldenen Boden verleihen. Tracks wie moving on oder interflug sind blendend ausgestaltete, sich stoisch entwickelnde Stücke.

moving on by udosson

miniatures I ist weitaus weniger filigran als der Titel vermuten lässt. Die robust nüchterne Methodik der Darbietung macht udossons Kleinteile zu feinen Nippes, deren Schönheit sich dem Electronica-Kenner nach und nach erschließt. Man sollte Größe nie überbewerten, Pomp entsteht und vergeht, minimalistische Ansätze jedoch bleiben, weil es sich gut über die Komplexität in der Simplizität sinnieren lässt.

miniatures I ist am 27.05.11 auf Petite:Unique erschienen.

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