Als wären Popmusik und deutsche Sprache tatsächlich füreinander geschaffen – Sebastian Block

Wenn Fräulein Prätentiös und Herr Pseudointellektuell deutsche Lieder trällern, dann wirkt das vielfach unglaublich verkrampft. Eine mit Stock im Arsch verfasste, zwischen Banalität und Inhaltsschwere strudelnde Poesie, die immer um die Ecke denken will und dabei hoffnungslos holperig schielt. Die Ausnahmen freilich mehrten sich in den letzten Jahren und diesem Umstand haben wir auch auf diesem Blog Rechnung getragen. Zum Beispiel durch mehrmalige lobende Erwähnung der Berliner Formation Mein Mio. Deren Sänger Sebastian Block veröffentlicht dieser Tage Bin ich du, ein gelungenes Soloalbum, dem ich ein merkwürdiges Kompliment machen möchte. Der Platte haftet eine angenehme Selbstverständlichkeit an, gerade so als wären Popmusik und deutsche Sprache tatsächlich füreinander geschaffen.

Blocks Zugang sattelt nicht die innovativsten musikalischen Pferde. Er verlässt sich auf die langgedienten Tugenden des Genres. Die Länge der Lieder wird selten über vier Minuten gedehnt, fast immer jubelt er dem Hörer einen einprägsamen Refrain unter. Die Melodien sind straight, vertraut genug, um keine Irritationen aufkeimen zu lassen, zugleich ausreichend frisch, um nicht auf altbackene Vorbilder zu verweisen. Bereits das eröffnende Wir fallen tief bietet Zeilen wie „Dunkelheit, du trägst ein Kleid aus Sternen/ Wirklichkeit, schläfst längst unter Laternen/ Einsamkeit, ich will dich kennenlernen„. Bilder erweckende Worte, denen man sich ohne allzu verrenkungsreiche Gehirnakrobatik zu nähern vermag, dennoch für tiefgründige Betrachtungen geeignet. Ich hoffe ja semmelt in schönster Indie-Quirligkeit durch die Boxen, ungezügelt optimistisch, ohne den Hörer mit dem Rohrstock überbordender Fröhlichkeit nieder zu knüppeln. Aber Block will auch den gedrosselten Träumer und Grübler aufbieten („Ich erträume mir ein Leben, das wird es so nie geben.„), der nachdenklich seine Kreise zieht (In den Farben). Mit Nein kommt ein Erbauungslied zur Entfaltung, welches sämtliche Wolken über dem Gemüt zu verscheuchen trachtet. Eine derart simpel gestrickte Botschaften muss man an Herz und Busen ruhen lassen oder schier verabscheuen. Augen zu tönt mit viel 80-er-Flair als robuste Keyboard-Ballade. Unfassbar wiederum könnte ebenso auf der letzten Platte von Mein Mio zu finden sein, ein Lied, das in einen sehnsüchtigen Refrain gipfelt, diesen jedoch einen Tick zu spät erklimmt, um damit erfolgreich im Radio zu reüssieren. Ein Schicksal, welches manchen seiner Lieder widerfährt. Auch dem entspannten Ohne zu fragen, das sich als Sahnehäubchen am Ende des Albums offenbart.

 

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Sebastian Block zählt zu den deutschen Liedermachern, die ihre Texte nie mit verquasteter Inhaltsschwere zumüllen. Darüber hat er einen überzeugenden, unverkennbaren gesanglichen Vortrag vorzuweisen. Das macht sein Werk sympathisch und angenehm. Lässt ihn jedoch auch zwischen den Stühlen zurück, weil er weder glatten Mainstream fabriziert noch angestrengten Indie-Kapellen nacheifert. Bin ich du bietet stimulierend gefühligen Deutschpop von ausgesprochen guter Qualität. Zweifelsohne ein wirklich erfreuliches Album.

Bin ich du erscheint am 24.06.11 auf Januar.

Konzerttermine:

24.06.11 Brandenburg (Havel) – baikonur (Album Release)
25.06.11 Berlin – Privatclub (Album Release)
03.07.11 Würzburg – Festungsflimmern
06.09.11 Potsdam – Waschhaus
22.09.11 Miltenberg – Beavers
23.09.11 Ebersberg – JUZ
24.09.11 St. Gallen (CH) – La Buena Onda
28.09.11 Köln – Kulturcafé Lichtung
11.11.11 Brandenburg – Fontane Club
12.11.11 Potsdam – Nil Club

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