Der wunderbare Beginn einer Drogenkarriere – Vetiver

Der wunderbare Beginn einer Drogenkarriere muss nicht immer bei goldkettchenbehängten Dealern in einem schäbigen, trostlosen Hinterhof den Ausgangspunkt finden. Manchmal genügt auch die rechte Dosis Musik, um Wonnen Gassi zu führen. Wem bisher bei Besuchen im großelterlichen Haus von den dort an der Wand befindlichen Mohnblumentapeten ein wenig kirre wurde, wer daraufhin nach Opium lechzte, dem darf man nun die frohe Kunde einer nachhaltigen Abhilfe überbringen. In Form eines musikalischen Blumenteppich, welcher derart viele sonnenverliebte, klangliche Gänseblümchen und Kornblumen hervorzaubert, dass einem schon mal blümerant ums Herz werden darf. Die Rede ist von Vetivers neuestem Streich The Errant Charm. Ein Folk-Pop-Stimmungsgelage an Lieblichkeit, gefällige Farbtupfer auf CD gesprenkelt. Flüchtiges Idyll für die baumelnde Seele, Aromatherapie für das Gemüt.

In der Gesamtschau betört das Album allemal total, erweist suchtstoffliche Dienste. Eine Wirkung, die sich schwerlich auf einzelne Dosen runterbrechen lässt. Von den Lieder gurrt das das dank Drumcomputer fluffige Can’t You Tell reizend, während bei Hard To Break die heitere Helle Kaliforniens zwischen den Noten hervor blitzt. Wonder Why als aufgeweckter Popsong schnuppert weit weniger die gleichförmige Entspanntheit anderer Tracks, rhythmisiert den Hörer regelrecht. Manch Tagträumchen nämlich schwelgt gar ein wenig sehr wohlig in der eigenen Schönheit (Faint Praise),  verästelt sich ohne wahren Höhepunkt ins Nichts (Worse For Fear) oder ist wie Fog Emotion geradezu rezeptpflichtig relaxt. Doch werden die schwächeren Lieder vom Kollektiv aufgefangen. Und spätestens mit dem finalen Soft Glass wandelt Vetiver endgültig auf großem Fuß, führt den Hörer in eine lichte Trance.

Vetiver – Wonder Why from Bella Union on Vimeo.

Vetiver, allen voran Mastermind Andy Cabic, kreieren mit The Errant Charm eine selig stimmende Platte, die den gelegentlichen Mauerblümchen-Sound mancher Vorgängeralben ablegt, viel scheu verspielten Kolorit enthüllt, ohne zartbesaitete Gemüter mit Grelle zu blenden. Die neue Scheibe folkt weniger, nähert sich dem Pop sanft wie bestimmt. Mit unbeschwerten Melodien, die gleich einer Brise über die Wiesen fächern. Derart sorglos, dass die Gedanken des Hörers hinter den Harmonien und dem behutsamen Gesang Verstecken spielen. Solch eine Berauschung stupst die Süße des Frühsommers an, breitet ein Blumenmeer aus, auf dem es sich prima ruhen lässt. Dieser Droge zuzusprechen, das fällt leicht, mit jedem Hördurchlauf leichter.

The Errant Charm wurde am 10.06.11 auf Bella Union veröffentlicht.

Konzerttermin:

16.06.11 Berlin – FritzClub im Postbahnhof

Links:

Offizielle Webseite

Kostenloser Download von Can’t You Tell (auf Soundcloud)

SomeVapourTrails

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