Ein in den Briefkasten gekullertes Kleinod – Francesca Lago

Wir bekommen viel Musik ins Postfach gejubelt und werden oftmals vom Eindruck übermannt, dass zu viele Säue vor uns Perlen geworfen werden. Doch manchmal sieht man sich auch einem Glücksschweinchen gegenüber, mehr noch: einer eierlegenden Wollmilchsau, welche mit musikalischen Trüffeln um sich wirft. Das Album Siberian Dream Map jedenfalls gesellt sich in die recht überschaubare Liste der veritablen Glücksfälle, die sich ungebeten in meinen Briefkasten verirrten. Die Singer-Songwriterin Francesca Lago besticht mit durchwegs robustem, ab und an auch verträumt gefühlsechtem Dream-Pop – und charismalastigem Gesang.

Der famose, sirenesk-ohrwürmige Auftakt On My Way Back From The Moon zählt zu charmantesten Liedern, die 2011 bislang in meine Ohren gespült hat. Nicht zuletzt aufgrund des Refrains im Vintage-Stil. Als weiteres Highlight sei das ungemein kraftvolle, unverschämt knappe Kleinod Treasure The 5th nicht unerwähnt. Lago bringt auf den gut 34 Minuten verdammt viel Dynamik in Gang, pritschelt nicht nur im üblichen Meer aus E-Gitarre, Bass und Drums herum, tunkt ihr Werk häufig in die dunkle Eleganz eines Cellos. Still Before The Spell erfüllt mich ebenso mit großem Wohlwollen wie der nervöse Rhythmus von Slapstick, dem rausten Stück dieser abwechslungsreichen wie konsistenten Platte.

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Francesca Lago verkrümelt sich nie im Schneckenhaus der eigenen Emotion, frickelt nicht mit aufgesetzter Leidensmiene an übertrieben hyperfragilen Gefühlsregungen herum, gibt ihren Songs eine Geradlinigkeit, die sich zugleich Tiefgründigkeit bewahrt (Bad Dream). Was man Lago besonders positiv anlasten möchte, ist die klassische Gewandung ihres Sounds, der sich nie krampfhaft in die Achtziger verbeißt und auch keine trendigen Purzelbäume schlägt. Das dramatisch anschwellende Bring The Noise beispielsweise könnte sich bereits locker 15 Jahre auf CD fläzen, tönt freilich nach wie vor frisch genug, dass man nicht in glibberige Nostalgie verfallen mag.

Siberian Dream Map bezaubert als zeitlos schöne Scheibe. Eine Platte, die eine Entdeckung lohnt und keinerlei Vergleich scheuen muss. Ich für meinen Teil verneine, dass 2011 viele, bessere Titel als On My Way Back From The Moon aufbieten wird. Ach würde mir der Postbote doch öfter solch unbekannte Juwelchen in den Briefkasten kullern lassen. Ich wäre mit der Musik, dem ganzen Wust von Veröffentlichungen versöhnt.

Siberian Dream Map ist auf On The Camper Records erschienen.

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SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Ein in den Briefkasten gekullertes Kleinod – Francesca Lago

  1. Recht hast du. Die steht bei mir seit einigen Wochen auf der Liste, wird aber immer wieder verschoben. Gleiches gilt für Calhoun und die Ceasarians.

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