Stippvisite 09/06/11

Hihihihihi, mein Hirn hat die Größe eines Mückenkleckses auf einer Windschutzscheibe, ich parke meine Gedanken stets nahe am Durchzug und bin mit der emotionalen Reife einer Krokodilschwanzechse bewaffnet. Ich versinke gern im Sumpf der Scripted Reality und hieve alles in die Charts, was Geschmack, Musik und Talent mit Füßen tritt. Ich wiesle als orthographisches Wildschwein durch die Niederungen des Internets, rülpse alles auf Facebook raus, was sich mir so auf die Zunge buchstabiert. Weil Degeneration nicht aussterben darf, pflanze ich mich fort. Ich bin völlig doof, ich glaube sogar den Versprechung der E-Mails in meinem Spam-Ordner. Bin der leibhaftige Grund, warum es der Spam-Industrie nie an Motivation mangelt. Ich zähle immer und überall zur Zielgruppe, rundum werberelevant, bin finster wie die Nacht blöd. Trash offenbart sich mir als Inbegriff von Hochkultur.

Wem diese Beschreibung auf den von Proll-Designern verhangenen Körper geschneidert scheint, der/die sollte nun keinesfalls mehr weiterlesen. Unser Blog nimmt für sich in Anspruch, unverkennbarer Fels in der Brandung zu sein. Geschmackssicher und verschleißfrei, von allerlei Promo-Mails herzlich unbeeindruckt, für Hypes höchstens ein Gähnen im Köcher habend. Doch weil kein Blog eine Insel ist, schauen wir gerne zu den geschätzten Mitstreitern, die manch Schätze heben und gehaltvollen Indie pflegen.

Albumtipp:

Ich will mit meiner Verwunderung nicht hinter dem Berg halten. Irgendwie wurde das Solodebüt von Efrim Manuel Menuck in hiesigen Gefilden beachtlich unbeachtet gelassen – zumindest wenn ich Googles Blogsuche Glauben schenken darf.  Dabei ist Menuck, das Mastermind von Godspeed You! Black Emperor und Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Mitbegründer des Post-Rock-Genres (man denke sich an dieser Stelle zwei Dutzend Ausrufezeichen). Sein Ende Mai auf dem Kultlabel Constellation erschienener Erstling High Gospel entfleuchte jedoch auch meinem Radar, ein diesbezüglicher Newsletter blieb fahrlässig ungelesen. Aber dafür gibt es ja das klienicum, der dankenswerter Weise die frohe Kunde verbreitete. Zudem gibt es auch den Song our lady of parc extension and her munificent sorrows als kostenlosen Download. Ein Gratisliedchen, welches sich in sich hat. Da wurde nicht einfach der langweiligste Track des Album einer allgemeinen Verbreitung zugeführt. Tiefschürfendere Gedanken zu High Gospel werde ich in den nächsten Wochen noch zum Besten geben.

Schwedentipp:

Schweden, mal wieder. Soll der Welt nichts Schlimmeres passieren, als dass schwedische Bands wie Unkraut aus dem Boden sprießen und gedeihen und gedeihen. Die Degrees zählen zu der Sorte Musikschaffender, die ein ausgeprägtes Händchen für flockige Pop-Melodien ihr Eigen nennen dürfen. Solcher Sorte, die es nicht nach zwei Hördurchläufen zerbröselt, weil es an jeglicher Substanz mangelt. Das im Mai veröffentlichte Album Dream On Dreamy werde ich an anderer Stelle nochmals ausführlicher darlegen. Für heute möchte ich Coast Is Clear für diesen Tipp ein Bienchen ins Heft kleben. Und auf ein rundum gutes Lied verweisen: Idiot Dreaming.

Authentizitätstipp:

Eine Empfehlung in eigener Sache. Beim Herumstrocheln durch die deutschen Musikblogszene ist mir unlängst ein Kollege begegnet, der auf laut.fm dem Erstellen eigener Radiosendungen huldigt. Das allein wäre keine besonders erwähnenswerte Sache, weil heutzutage wohl nicht wenige Programmchef spielen möchten. Verwundert hat mich da schon mehr, dass Sendungen die klingenden Namen Lie in the Sound und Some Vapour Trails trugen. Während sich ersteres wohl auch durch das gleichnamige Lied von Trespassers William herleiten lässt, sehe ich mein Alter Ego durch Leerzeichen ein bisschen deformiert. So sehr mich und die werte Mitbloggerin diese allzu offensichtlichen Anleihen ehren, Groupies wachsen bekanntlich nicht auf Bäumen, treten wir zugleich für eine Prise Originalität ein. Wer bloggerische Qualität sucht, kann sich seit 2008 auf uns verlassen. Wer musikalische Neuentdeckung ausforscht, wird dank unserer Mixtapes hier fündig. Aber vielleicht zimmern wir uns in Zukunft ebenfalls ein kleines Radio zusammen. Am Titel feilen wir noch, aber Shoegazr Sounds oder ähnliches klammern wir schon mal aus.

Entdeckertipp:

Der Blog von Secretly Canadian zählt zu den wenigen Label-Blogs, die ich öfter visitiere. Weil es nahezu wöchentlich etwas zu bestaunen gibt. Und auch mein letzter Besuch zählte zu den lohnenswerten. Secretly Canadians jüngster Neuzugang, Porcelain Raft, vermochte mir mit einem Vorgeschmack auf sein bald erscheinendes Debüt zu imponieren. Der kostenlose Track Amateur’s Feeling ist ein ruhiges, schnarrig-versponnenes Kleinod.

„Amateur’s Feeling“ by Porcelain Raft by DOJAGSC

Porcelain Raft gastierte letzte Woche auch bei Daytrotter.

Namenstipp:

Ich gehöre zu den großen Verfechter von Bandnamen, die im weiten Rund des Internets nicht völlig ungooglebar sind. Meine Co-Bloggerin scheiterte unlängst an dem Namen Home Video und hält auch Basement Apartment für nur bedingt karriereförderlich, während ich mir denke, das sich Bands wie James heute wohl nicht mehr so nennen würden. Der Name dieses Projekts freilich mag zumindest mitteleuropäischen Ohren ausreichend singulär klingen: Kordan nämlich. Entdeckt habe ich selbige auf Schallgrenzen, wo auch sonst? Kordans Mastermind, Arthur Eisele, werkt in Brooklyn, scheint jedoch ein Faible für Japan zu besitzen. Die Ende letzten Jahres erschienene, shoegazige Platte The Longing mag mich nicht umfänglich zu überzeugen, manch Stück allerdings sehr. Zum Beispiel Shinjuku, das mir seit einigen Tagen nicht aus dem Kopf geht. Sich gleich dem Bandnamen erfolgreich ins Hirn gepflanzt hat. Anhören!

Das soll es für heute auch schon wieder gewesen sein.

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Stippvisite 09/06/11

  1. Ihr seit wie immer viel zu freundlich zu einen Einfaltspinsel und Zeilenschinder. Das mit dem Sendungsname habe ich glaube auch irgendwo gelesen. Im Internet wird halt geklaut, das sich die Balken biegen. Originalität? Fehlanzeige. Man könnte kotzen, wenn es nicht zu lachen wäre. Aber die frohe Botschaft ist fürwahr, ihr habt echte Fans da draußen. Haha.

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