Image-Pflege mit verschrobener Eleganz – DAAN

Zu Belgien kann ich nur wenig aus dem Assoziationskästchen plaudern. Das Land stellt sich mir bestenfalls gesichtslos dar – oder jedoch oft unliebenswürdig. Man kennt Brüssel als Inbegriff der EU-Bürokratie, weiß um die ewigen Spannungen zwischen den Flamen und Wallonen und hat in den vergangenen Monaten wiederholt über die kaugummizähen Koalitionsverhandlungen gehört. Das tendenziell negative Bild Belgiens wird auch durch den aus dem Hinterkopf gekramten Namen des Kinderschänders Marc Dutroux keineswegs aufpoliert. Belgien leidet unter einem Image-Problem, diesen Umstand leugnen höchstens Waffelfetischisten. Einmal mehr freilich kann uns die Kunst an die Hand nehmen und daran erinnern, dass der Surrealist René Magritte ebenso Belgier war wie Georges Simenon, der Schöpfer des großartigen Kommissars Maigret. In Sachen Musik darf sich das Land gar damit brüsten, den brillantesten Chansonnier aller Zeiten hervorgebracht zu haben: Jacques Brel. In der allgemeinen Wahrnehmung ereilt Belgier leider oft das Schicksal, als Franzosen oder Niederländer verkannt zu werden. So wähnte ich die belgische Formation dEUS lange Zeit als berserkernde Holländer. Im Falle von Daan Stuyven freilich bin ich nun gewarnt, der samt Band als DAAN agierende Singer-Songwriter ist waschechter Belgier und bei Gott kein schlechter, Sänger und Musiker natürlich. Mit über zwei Jahren Verspätung hat nun das Album Manhay auch in Deutschland seine verdiente Veröffentlichung erfahren.

Manhay ist eine unheimlich coole, dunkelbebrillte Scheibe, die durch einen abwechslungsvollen Melodienmix und dank der raubeinigen und facettenreichen Stimme Daan Stuyvens vor Charisma nur so strotzt. Es ist die Sorte Platte, die sowohl einfaltspinselige Geschmäcker einzufangen vermag und eben auch die olifaktorische Wahrnehmung des audiophilen Bluthundes nicht unterfordert. Ein klassisches Pop-Rock-Album von zeitlosem Chic, dem der Arsch nie auf Grundeis geht. Ein lässiges, mutiges Bekenntnis zu verschrobener Eleganz, ganz auf die Type Stuyven zugeschnitten.

Bereits das eröffnende Exes funktioniert als schnittiger Popsong, der sich nicht schnell tothören lässt. Brand New Truth zeigt, dass auch ein gar plakativ betextetes („Myself I live inside a fucked up country/ All these politic assholes fill my tv„) und musikalisch dem Schema F huldigendes Lied durch den kauzig-knorrigen Vortrag stark gewinnt. Auch wenn ich mit der in Country-Gewand gehüllten Single Icon zunächst nicht viel anzufangen mochte, ertappe ich meine Füße mit jedem weiteren Hördurchlauf beim fröhlichen Mitwippen. Clevere Zeilen wie „So don’t try to be an Icon/ Con the I inside of you.“ erschließen sich eben nicht sofort. Zu einem weiteren Highlight gerät das hinsichtlich Dynamik und Instrumentierung hervorstechende, wuselige Crawling From The Wreck. Ein echter Hit! In die gleiche Kerbe schlägt – abgesehen von einem zu sehr auf Shalala getrimmten Refrain – Radio Silence, viel besser dagegen das zögernde wie zaudernde Lied Decisions. Die balladesken Momente der Platte sind mitunter eine Nuance konventioneller und schwülstiger dargeboten, wobei The Stealing Kind die Bittersüße gut verträgt.

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Belgien ist und bleibt ein seltsames Land. Flamen und Wallonen schaffen es nicht einmal, sich auf gemeinsame Album-Charts zu verständigen. Für beide Landesteile werden getrennte Listen der Top-50-Alben geführt. Manhay vermochte in den flämischen Charts bis auf Rang 2 vorzustoßen und sich 59 Wochen lang in der Rangliste zu halten, im wallonischen Teil reichte es gerade einmal zu Platz 31 und schnöden 9 Wochen. Man darf DAAN also zumindest in Flandern Star-Status attestieren. Und zumindest einen Hauch von Erfolg hätte sich die vorliegende Platte definitiv in deutschen Breiten verdient. Manhay präsentiert Stuyven und Band kraftvoll, knautschig-viril, mit einem guten Gespür für einen augenfälligen, nie zu platten Sound, der bei Live-Auftritten nochmals veredelt wird. In Sachen Image-Pflege erweist DAAN Belgien einen wirklich guten Dienst.

Manhay ist am 22.07.11 auf Heart of Berlin erschienen.

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