Depri-Schnucki – Jacob Faurholt

Schwermut ist keine Schande. Nachdenklichkeit und Sentimentalität sind für die künstlerische Betätigung seit je her eine der produktivsten Grundhaltungen. Aus Wehmut erwächst bekanntlich viel Trost, vor allem bei musikalischer Darreichung. Der Singer-Songwriter Jacob Faurholt hat sich bereits mit seinem Werk Are You In The Mood For Love? als Kind von ausgewählter, sacht gemalter Traurigkeit präsentiert. Diese Attitüde steigert der in Berlin lebende Däne auf dem jüngsten Album Dark Hours noch, nicht ohne dabei den einen oder anderen elfentänzelnden Sonnenstrahl einzufangen und derart manch finsteren Stunden den Fluch absoluter Dunkelheit zu nehmen.


Bereits der programmatische Eröffnungstrack Dark Hours schleppt sich als sinnierender Trauermarsch dahin, ehe der beschwörend wiederholte Refrain Hoffnung verspricht. Wie Faurholt überhaupt mehrmals auf die Magie des repetitiven Mantras setzt, um lichternere Zukunft zu suggerieren (Themes Of A Troubled Mind). „Give me my medicine/ I need it now.“ spiegelt das desperate Element der Platte wider (Medicine), dem der Songwriter aber nie mit Haut und Haar verfällt. Der meist spärlich instrumentierte, gedankenschwere Folk sprengt die Ketten deprimierter Einsamkeit, auch weil oft erlösend gesäuselte Background Vocals jedwede sonst überbordende Introspektion sprengen. Creatures In The Sea beispielsweise wäre lediglich halb so schön, wenn nicht Sóley, sowohl auf Solopfaden als auch als Mitglied von Seabear eine Wucht, mit idyllischem Seemannsgarn bestricken würde. Denn Faurholt ist nicht gänzlich vor Larmoyanz gefeit, kämpft gegen den Taumel der Drögheit an (Like Cars Crashing). Die verheißungvollen Harmonien von Untitled erinnern mich stellenweise an Leonard Cohens Famous Blue Raincoat, doch gibt es kaum einen besseren Songwriter, an dem man sich ein Beispiel nehmen könnte. Directionless darf man als das heimliche Kleinod des Albums ansehen, da es trotz seines Stückwerkcharakters zu den bereits benannten Tugenden auch ein elektronisches Element hervorhebt. Spätestens an dieser Stelle will ich den werten Herren in den Rang des Depri-Schnuckis erheben. Immerhin obsiegt letztlich keine nihilistische Tristesse, durchbricht kein schmutziges Meer von Grau die Dämme. Faurholts schärft seine Feder nie an bleischwerem Pessimismus, entzündet seinen Zauber an dem Fünkchen Zuversicht. Wenn ich denn Schwachpunkte benennen müsste, würde ich eine breitere Instrumentierung einfordern, die mehr als nur Gitarre aufbietet. Selbige etwa macht The Hoax trotz dem Gesang von Nona Marie Invie (Frontfrau der famosen Dark Dark Dark) zu einer allzu kargen Schönheit.

Jacob Faurholt zählt für mich fraglos zu den überdurchschnittlichen Singer-Songwriter mit einem noch lange nicht ausgeschöpften Potential. Wer sich Dark Hours in einer Mußestunde einverleibt, findet beste Voraussetzung vor, danach in tröstlicher Besinnlichkeit zu schwelgen. Das sagt wohl vieles über die Güte des Werks aus und sollte ausreichend Anreiz zum Ausbaldowern des Albums sein.

Dark Hours ist am 15.08.11 auf Raw Onion Records erschienen.

Links:

Jacob Faurholts Blog

Jacob Faurholt auf Facebook

Kostenlose Mp3: Untitled und Creatures In The Sea (nach Bekanntgabe einer E-Mail-Adresse)

SomeVapourTrails

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