Der Albtraum vom Superhelden – The Moonband

Vor gut einem Jahr habe ich über Folkastronauten unter dem Weißwurstäquator berichtet, dem Album Open Space ohne Mühen ein paar sehr ordentliche Songs abgerungen. Dieser Tage nun positioniert sich The Moonband mit der jüngsten Platte The Significance Of Denavigation wieder auf meinem Radarschirm. Und abermals reibe ich mir die fragezeichenden Augen, grüble darüber, wie ernst ich eine Band nehmen kann, deren Mitglieder unter den Pseudonymen Eugen Mondbasis oder Elena Rakete ihrer Betätigung nachgehen. Während man ersterem Künstlernamen eine ungesunde Mischung aus Nerd und Bully Herbig attestieren möchte, lässt Elena Rakete die Assoziation mit Schmuddelfilmchen wuchern. Solch spleeniges Gehabe steht in hartem Gegensatz zur ernsthaften Aura der Musik, deren gediegener Sound in löblichem Americana planscht.

Wer kennt ihn nicht, jenen Ausdruck der ambitionierten Angestrengtheit, wenn man um jeden Preis etwas vorgaukeln möchte, was Charakter, Aussehen und Neigung schlichtweg nicht begünstigen. Dann taumelt man mit verkniffenen Augen und der sattsam bekannten Verkrampfung vor dem längst überfälligen WC-Besuch herum, desperat um Coolness oder Exzentrik bemüht. Bei aller überkandidelten Affinität zum Mond komme ich zum Schluss, dass im musikalischen Schaffen der Band keinerlei verquastete Trivialität, plumpe Nachahmung oder allzu gewollte Vortäuschungen existieren. The Moonband bieten einen in der Seele reinen, mit Pop-Elementen ausgestatteten Folk an, dessen Können das Bemühen überragt. Als erster Beweis meiner These sei The Temptation of Superman erwähnt. Eine sich im feinen Refrain ungemein poppig entwickelnde, schaumgebremst coldplayig tönende Nummer, die für das alte Verliererthema (Frei nach dem Motto: Er kriegt das Mädchen und ich steh mit leeren Händen da.) nicht davor zurückschreckt, im Albtraum dem Superhelden ein breites (und wohl hämisches) Grinsen zu unterstellen. Das aufgeweckte, robust rustikal Joänne weicht keinen Fuß breit vom guten Eindruck ab, den die Platte längst schon angenommen hat. Schwer fällt mir nur, die mit teils knarziger Stimme intonierten Lieder wie etwa King of the Pines rundum zu goutieren. Wenngleich Verlebtheit dem konkreten Track nicht schlecht zu Gesicht steht und zudem eine schöne Ergänzung zum wehmütigen Gefiedel bildet, bedeutet sie dann doch zu viel des Guten. In Your Arms entwickelt sich im Chorus zum kräftig-balladesken Duett mit dunkler Bestimmtheit. Diese Chemie des Duetts entfaltet bei World Aflame weniger Charme, obwohl es zu den eigentlichen Stärken der Band zählt, aus gutem Songwriting mittels feiner Instrumentierung und starkem Vortrag das i-Tüpfelchen herauszukitzeln. Immerhin darf der Song mit den schönsten Zeilen der Scheibe aufwarten („And the price that you pay/ For your little and useless knowledge/ Is your youth and your light-hearted way/ To get through this life„). Endless Tune soll in seiner eingangs schwerfälligen Getragenheit, später an die Eleganz der frühen Cowboy Junkies gemahnenden Schönheit als gelungener Schlusspunkt nicht unerwähnt bleiben.

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The Moonband fehlt noch das eine oder andere Quäntchen Finesse, um in die allererste Liga des Alternative Folks zu düsen. Zweifelsohne mausert sich The Significance Of Denavigation zu einem hohe Sphären schrammenden Album, welches kaum Mängel aufweist und die Vorgängerplatte um Längen überflügelt. Eine fraglos überzeugende Leistung.

The Significance Of Denavigation ist am 26.08.11 auf Rockville erschienen.

Link:

Offizielle Homepage (mit Album-Stream)

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