Berlin wählt – Zeit für ein Schmunzeln

Berlin wählt. Das klingt bedrohlich, spezielle wenn man einen ausgiebigeren Blick auf die zur Wahl stehenden Parteien riskiert. In all der Hülle und Fülle wird Wahnsinn zur vorherrschenden Methode. Wie gesichtslos muss man durchs Leben schreiten, um sich mit dem mangelnden Profil der SPD identifizieren zu können? Letztlich vermag dies Manko nämlich auch kein flauschig-sympathischer Wowereit kaschieren. Wowereit funktioniert bloß als Wohlfühlpolitiker, den eine Metropole mit weniger Schräglage gut gebrauchen könnte. Hat die Berliner SPD mehr zu bieten? Bezirkskaiser wie Heinz Buschkowsky möglicherweise, die den Finger auf die Wunde legen und Neuköllner Realitäten schonungslos offenbaren. Doch sollte die Vertreibung des Gesindels tatsächlich die Losung zur Problemlösung sein? So schärft die SPD ihr Profil zur unerträglichen Fratze. Zu solch Gesichtsverrenkungen ist die CDU schlichtweg zu bieder. In der Hauptstadt wählt CDU, wer wertkonservativ und wohlhabend durchs Leben schreitet. Diese fantasielose Kombination braucht es, da der moderne Besserverdiener immer öfter bei Bündnis 90/Die Grünen Unterschlupf findet. Die Grünen sind ja ohnehin eine seltsame Nummer. Selbst stramme Altlinke können es sich nicht verkneifen auf Renate Künast zu setzen. Das wirkt durchaus verquer, denn warum sollte jene Partei, der die Gentrifizierer samt und sonders vertrauen, eben diese Verdrängung stoppen? Warum sollte diese Partei, deren Rückrat längst nicht mehr Außenseitermilieus sondern Bildungsbürger bedeuten, gegen die stets steigende Anzahl an Parias (Niedriglöhner, im Sumpf von Hartz IV strauchelnde Zeitgenossen) ankämpfen? Die Hoffnung keimt aus der Verzweiflung. Nicht zuletzt da Die Linke als koalitionäres Anhängsel völlig versagt und der sozialen Kälte Berlins nie wirklich eingeheizt hat. Wenn Die Linke mit Spitzenkanditat Harald Wolf erschwinglichen Wohnraum als Parole ausgiebt, fragt man sich, warum sie es ohne Mucks und Piep zugelassen hat, dass die Mieten in vielen Kiezen exorbitant stiegen. Diese Partei wirkt zumindest auf Landesebene als Witzfigur, die sich im ehemaligen Osten noch genügend Idioten hält, denen noch immer niemand gesagt hat, dass die DDR längst über den Jordan gekrochen ist.

Kommen wir zu den fast vernachlässigbaren Randfiguren des Wahlkampfs. Als einigermaßen unterhaltsam erweisen sich die zur Realsatire tauglichen Plakate der Piraten. Letztlich sind die Piraten eine Partei der Paranoia, die überall eine Beschneidung der eigenen Freiheit sieht. Überall die blanke Überwachung und Zensur, ob nun im öffentlichen Raum oder im Internet. Und mitunter paktiert der Staat mit so bösen Organisationen wie der Kirche, um Bürger mit der Kirchensteuer zu drangsalieren. Der Piraten-Slogan „Fragt mal eure Kinder, warum sie Piraten wählen“ bringt meine Wertschätzung für diese Bewegung auf den Punkt: Kinderkram. Nicht minder entbehrlich und hoffentlich nicht im nächsten Senat vertreten, natürlich, die Rede ist von der FDP. Sie propagiert die neue Wahlfreiheit – mit solch einer gedroschenen Phrase lässt sich kein Blumentopf gewinnen.  Gut so, denn eine FDP ist dem vernunftbegabten Menschen ein Gräuel. Zum Thema Integration fällt der Berliner FDP „Wir meinen, dass es eine nette Geste wäre, in Paris nach ‚Croissants‘ statt nach ‚Schrippen‘ zu fragen.“ ein. Solch Wischiwaschi-Sprüche veranschaulichen einmal mehr das politische Gestaltungspotential dieser Partei.

Wenn man sich die Berliner Wahl auf der Zunge zergehen lässt, sickert nach und nach eine gewisse Bitterkeit über die Geschmacksknospen. Wenig deutet darauf hin, dass Berlin sein mit einem gequälten Lächeln gepflegtes Image (Arm, aber sexy) nach dem 18.09.2011 ablegen wird. Berlin wird weiterhin Friedhof der Kreativen bleiben, Hort von scheiternden Parallelgesellschaften. Und dennoch sollte man den Humor nicht verlieren und zumindest folgende musikalische Wahlempfehlung um jeden Preis befolgen. Die Blockflöte des Todes hat heute einen den Track „Ich hab nie FPD gewählt“ veröffentlicht. Nun erachte ich es als keine große Kunst, triftige Gründe gegen die FDP aus dem Ärmel zu schütteln. In Berlin hätten auch andere Parteien jede Menge Spott und Häme verdient. Dieses eine Statement in Liedform fällt in die Kategorie launiger Frotzelei, bringt ein Schmunzeln auf meine zunehmend herabhängenden Mundwinkel. Das nenne ich einen guten Anfang…

SomeVapourTrails

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