Stippvisite 25/09/11 (Die Papst-Edition)

Ich habe mich die letzten 2 Wochen relativ wenig mit Musik beschäftigt. Außer zwei bis drei Alben lief vieles an mir vorbei. Die vergangenen Tage beispielsweise bin ich aufmerksam vorm Fernseher gesessen, um mit eigenen Ohren zu hören, wovon der Papst spricht. Unter anderem deshalb, weil ich der Meinungsmache der Medien nicht traue. Denn Benedikt XVI. könnte in deren Augen auf dieser Reise nur dann reüssieren, wenn er die von Journalisten und Parteien vehement vorgetrommelten Themen in Büßerhaltung ansprechen würde. Solange er sich in Sachen Ökumene realistisch gibt, wird ihm jeglicher gute Willen abgesprochen. Wenn er sich mit Missbrauchsopfern trifft, wird er von einem Opferverband als scheinheilig bezeichnet. Gerade so, als würde der Papst die Schuld der Kirche nur dann aufrichtig anerkennen, wenn er mit gewissen Sprachrohren des Verbandes zusammensäße. Eigentlich wird dem Papst seine Nähe zur Religion zum Verhängnis. Weil man Religion als Relikt vergangener Zeiten ansieht. Manchmal sogar als Gefahr für die Moderne. Und dabei vergisst, dass Fanatismus – und nicht der Glaube – die Wurzel vielen Übels ist. Der passionierte Kapitalismus führt uns gerade in den Abgrund, gottlose Diktaturen haben es vor Jahrzehnten versucht. Was macht denn nun ausgerechnet den Papst zur Persona non grata, die von taz und Die Zeit mit Kritik bombadiert wird? In einem Land der Dichter und Denker wird Benedikt XVI. gerade sein philosophischer Ansatz abgekreidet, obwohl tiefgründige Gedanken doch immer schwerer wiegen als billiger Aktionismus. Man muss den Papst wirklich nicht mögen, aber man sollte ihm zuhören. Und sei es nur, um die eigene Gegenposition unterfüttern zu können. Oder sogar den einen oder anderen inspirierten Gedanken mitzunehmen. Ich für meinen Teil lausche nach dem Ende des Papstbesuches wieder mehr der Musik. Auch weil sie die triste Realität einer hysterischen Gesellschaft ein Stück weit auszublenden vermag. Hier ein paar Empfehlungen, natürlich nicht nur selbst ausgebuddelt, auch wieder von geschätzten Blogs zusammengetragen.

Vorfreutipp:

Die Cowboy Junkies sind meine ewigen Lieblinge, auch wenn mich ihr Werk der letzten 10 Jahre nicht mehr ganz so vom Hocker schleuderte. Wie sich diese besondere Liebe manifestierte, hatte ich schon einmal ausführlich geschildert. Am 18.10.11 beglücken uns die Kanadier mit einer neuen Platte namens Sing In My Meadow. Vorab darf schon dem vorzüglichen Titelsong gelauscht werden. Denn dieser ist als kostenloser Download erhältlich. Im November führt eine Tour auch durch deutsche Gefilde. Viel Grund zur Vorfreude also.

Konzerttermine:

03.11.11 Hamburg – Fabrik
04.11.11 Hannover – Capitol
05.11.11 Berlin – Passionskirche

Dauerbrennertipp:

Matthew Sweet zählt zu denen, die schon ewig im Geschäft verbleiben und durchgängig solide Alben hervorbringen. Mit dem vor über zehn Jahren veröffentlichten Song Millennium Blues hat er sich nachhaltig mein Wohlwollen gesichert. Obschon das neue, in den USA am 27.09.11 erscheinende Album Modern Art abermals keinen Geniestreich darstellt, würde ich es ohne Zögern über das Gros der Veröffentlichungen stellen. Sweets Alternative Rock schert sich wenig um neue Trends, wirkt von der Sonne ausgebleicht. Und das meine ich als Kompliment. Der wirklich gute Track Late Nights With The Power Pop ist bei dem interessanten Blog Muruch als kostenloser Download verfügbar. Das Album ist auf dem amerikanischen Rolling Stone als Stream zu erlauschen.

Newcomertipp:

Bereits vor 2 Monaten hatte ich Lana Del Rey als eine Blog auf, Blog ab völlig zurecht gefeierte Entdeckung dem werten Leser vorgestellt. Der Song Video Games ist schlicht weg atemberaubend, für mich einer der besten 10 Titel des Jahres. Der Track Blue Jeans steht diesem um fast nichts nach. Im November kommt Lana Del Rey nach Deutschland, man darf gespannt sein, welche Lieder sie sonst noch im Köcher hat.

Kozerttermine:

12.11.11 Köln – Gebäude 9
14.11.11 Berlin – Roter Salon

Synthietipp:

Beim hochgeschätzen Blog Coast Is Clear werde ich immer fündig. Kaum eine Woche, in der der werte Kollege mir nicht Unbekanntes nahe – mitunter sehr, sehr nahe – bringt. So auch dieses Mal. Die dänische Formation Tiger Baby hantiert mit Synthie-Pop samt heiter gehauchtem Gesang. Das neue Album Open Windows Open Hills entstammt der feine Track Landscapes, der zumindest in meinem Ohren angenehmst wurmt. Anhören!

Tiger Baby – Landscapes by Tiger Baby

Das soll es für heute auch schon gewesen sein. Demnächst gibt es weitere Empfehlungen. Garantiert.

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Stippvisite 25/09/11 (Die Papst-Edition)

  1. Deiner Rede zum Papst ist unbedingt zuzustimmen. Mir fallen spontan zwei Dutzend Bösewichter ein, die weitaus mehr Schaden auf der Welt anrichten als Benedikt. Intelligent ist der Mann allemal. Fand mich also in der ungewohnten Rolle als Verteidigerin des Papstes wieder, aber die Argumente gegen ihn bewegten sich so häufig auf Dan-Brown-Niveau, und das hat mich geärgert.

    Ach, und die Cowboy Junkies, schade, dass sie sich nicht in die hessische Provinz verirren. Bleibt nur, sich an ihr wundervolles Konzert vor vielen Jahren ebenfalls in der Passionskirche in Berlin zu erinnern und an Margo Timmmins Stimme, wenn sie singt „and I hold on this to myself ´cause cheap is how I feel“.

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