Leuchtfeuer des Dream Pop – Das Comeback von Mazzy Star

Einer nie verflossenen Jugendliebe beim Altern zuzusehen, das ist schon schwer genug. Aus keckem Auftreffen haben sich Marotten herausgebildet, die Lebenserfahrung hat den einstigen Liebreiz abgeschmirgelt und sonnige Zukunftsperspektiven sind längst zum Schnee von gestern zerschmolzen. Noch schlimmer freilich fällt ein unerwartetes Wiedersehen nach all den Jahren aus, wenn das im Gehirn verhaftete Bild ewiger Jugend plötzlich in ein Meer von Falten blickt. Als ich dieser Tage davon erfuhr, dass sich Mazzy Star am 31.10.11 mit zwei Liedern aus ihrer 15 Jahre währenden Schaffenspause zurückmelden würden, mischte sich ein Grübeln unter all die Freude. Denn wenngleich Sängerin Hope Sandoval in der Zwischenzeit zwei wunderbare Alben veröffentlicht hat, damit unterstrich, dass sie von ihrem Zauber nichts verloren hat, darf von einer neuerlichen Zusammenarbeit mit David Roback doch nicht weniger als ein durch die dunkelste Nacht weit über die Lande strahlendes Leuchtfeuer des Dream Pop erhofft werden.

Die drei Alben von Mazzy Star haben mich nun bereits gut 20 Jahre musikalisch durch sämtliche Lebenslagen begleitet. Sie sind ein seit Teenager-Tagen gehüteter Schatz größter Schönheit, der jedes Jahr weitere Verklärung erfährt. Unter dem Aspekt muss jedes neues Werk unter dem Gewicht der Erwartungshaltung zwangsläufig ächzen, selbst wenn man vor lauter Dankbarkeit für Vergangenes gar keine Erwartungshaltungen anlegen möchte. Und doch bleibt ein bisschen Sorge, dass die Grazie vergangener Tage von der Gegenwart eingeholt wird. Wenn nun Ende Oktober die beiden Lieder Common Burn und Lay Myself Down einen ersten Vorgeschmack auf ein für Frühjahr 2012 avisiertes Album liefern, sehe ich freilich meinem Wunsch entsprochen, dass all die Jahre lediglich sanfte Spuren in der Musik hinterlassen haben. Wenn kommendes Jahr die gesamte Platte den Grundton von Lay Myself Down einhält, sind all meine Hoffnungen ohne Wenn und Aber erfüllt.

Common Burn / Lay Myself Down erscheint am 31.10.11 als digitaler Download auf Rhymes Of An Hour Records.

Link:

Stream von Lay Myself Down auf Pitchfork

SomeVapourTrails

4 Gedanken zu „Leuchtfeuer des Dream Pop – Das Comeback von Mazzy Star

  1. Siehst du, die alten CDs wollte ich mir immer nochmal kaufen, hatte bisher aber nur im Laden reingehört. Sagt mir aber alles sehr zu und plötzlich merkt man dann, wie sehr dieser Klon, von dem mir gerade der Name entfallen ist und der mich vor einigen Monaten sehr begeistert hat, doch geklaut hat.

  2. Ja genau, das ist mir vorhin auch wieder eingefallen. Deshalb habe ich damals dann auch die zweite CD ignoriert. Wenn man das Original mal gehört hat, macht es keinen Spaß mehr, den Klon zu hören. Geht mir übrigens mit 90% des Retroprogs auch so. Warum einen Genesis-/ Yes-/ Van der Graafklon hören, wenn es die Originale gibt.

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