Stippvisite 21/10/11 (Über Gänsehautschmeichler und Verschwiegenheitseide)

Mal wieder ein paar kleine musikalische Leckerbissen, mundgerecht dargereicht. Man will ja den werten Leser nicht völlen. Diese Tipps freilich zergehen auf der Zunge, wecken ein Verlangen nach mehr. Sie lösen also exakt die Anforderung ein, die an ein Appetithäppchen zu stellen ist. Man lasse es sich schmecken!

Technicolortipp:

Manch Konzert findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, gerade so als hätten die zufällig Eingeweihten einen ewigen Verschwiegenheitseid abgelegt. In einer nun durchaus renommierten Berliner Lokalität nur 40 Besucher begrüßen zu dürfen, lässt drei Schlüsse zu. Entweder hat die Künstlerin das musikalische Talent einer Stubenfliege oder ihre Musik ist in einer derart verwinkelten Genre-Nische angesiedelt, dass nur ausgewiesene Fetischisten um die Ecke spähen, oder freilich die Promotion lässt zu wünschen übrig, erzeugt nicht genügend Tamtam. Im Falle der Kanadierin Lindi Ortega zweifle ich an allen drei Folgerungen. Und doch war ihr Auftritt in Berlin (Roter Salon) am 15.10.11 nicht wirklich gut besucht. Jede noch so monotone Indie-Band lockt mehr Leute hinter dem Ofen hervor. Schade eigentlich, denn Ortega bietet keineswegs Country-Schmalz. Sondern präsentiert quirlig-nostalgisches Technicolor, wie ich jüngst voll Gefallen konstatiert habe. Auch live machte sie eine sympathisch kauzige, im Habitus an Amy Winehouse erinnernde Figur. Ich lege daher den geschätzten Lesern ein Erlauschen des Albums Little Red Boots nahe. Selbiges wird nun nach Verschiebung des Veröffentlichungstermines am 11.11.11 in Deutschland erscheinen. Das sollte wirklich kein Geheimnis bleiben.

Lindi Ortega – Little Red Boots sampler by Last Gang Entertainment

Gänsehauttipp:

Wir bleiben in Kanada. Wenden uns der in Toronto beheimateten Band Ohbijou zu. Mit dem jüngst veröffentlichten Album Metal Meets scheint der Band ein kleines Wunder geglückt. Wem der schwammige Begriff Indie-Pop bereits aus den Ohren staubt, sei auf den vollen orchestralen Sound, die engelhaft fiepsige Stimme von Sängerin Casey Mecija und eine geradezu majestätische Eleganz hingewiesen. So zumindest mein Eindruck, nachdem ich mir die Songs Niagara, Anser und Balikbayan mehrfach angehört habe. Speziell Niagara ist ein Gänsehautschmeichler der obersten Kategorie. Man höre und staune! Ich hoffe, das Album bei nächster Gelegenheit ausführlich vorstellen zu können. (via Exclaim!)

Metal Meets ist am 27.09.11 in Kanada erschienen, ein Erscheinungsdatum für Deutschland entzieht sich meiner Kenntnis. Den Track Niagara gibt es hier als kostenlosen Download.

Konzerttipp:

Noch eine Formation, die mich vom ersten Akkord an überzeugt hat: Other Lives, welche durch Americana der hintergründig ausgefeilten Sorte mit Kammerpop-Elementen punkten. Das in hiesigen Gefilden am 26.08.11 auf PIAS erschienene Album Tamer Animals sollten sich nicht nur Genre-Fans zu Gemüte führen. Wenn das Label nämlich die Streicher-Arrangements mit Ennio Morricone und Philip Glass vergleicht, dann stellt das keine der branchenüblichen Übertreibungen dar. Der Track Woodwind orientiert sich durchaus an Glass, auch Dark Horse kennt solch Einsprengsel, Old Statues hat in der Tat viel Western-Flair. Als Highlights möchte ich As I Lay My Head Down und For 12 (unten als kostenlose Mp3 verfügbar) nennen. Abermals eine uneingeschränkte Empfehlung! (Mit Dank an Coast Is Clear, der mich durch seinen Post wieder an die Band erinnert hat.)

Other Lives – For 12 (Official Video) from tbdrecords on Vimeo.

Konzerttermine:

04.11.11 Zürich (CH) – Abart
10.11.11 Köln – Blue Shell
12.11.11 Weissenhäuser Strand – Rolling Stone Weekender
13.11.11 Berlin – Privatclub
14.11.11 München – Kranhalle

Other Lives – Tamer Animals Sampler by tbdrecords

SomeVapourTrails

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