Release Gestöber 13 (Veronica Falls, The Jezabels, Immanu El)

Mal wieder ein Augenaufschlag in Richtung gegenwärtiger und zukünftiger Veröffentlichungen. Feine Alben, die sich mir so aufdrängen, während ich eigentlich damit beschäftigt bin, über das neue, durch und durch famose Werk von Florence + the Machine ausgiebigst zu staunen. Doch dazu demnächst mehr…

Veronica Falls

Oh, ich kann Twee-Pop leiden. Hab fast gar nichts gegen ein niedliches Frauenstimmchen und sympathische bis kecke Melodien einzuwenden. Jenem quirligen Indie-Pop mangelt es nur selten an Unterhaltungswert, auch weil nur größtmögliche Tollpatschigkeit ein ansprechendes Ergebnis zu verhindern vermag. Eine knuffig lärmende Gitarre, dazu tänzelnde Drums und Tamburingerassel – auf diesem Fundament lassen sich selbst mit überschaubarem Songwriter-Talent nette Lieder bauen. Die Londoner Formation Veronica Falls katapultiert mit ihrem gleichnamigen Debüt (VÖ: 21.10.2011 auf Cooperative Music) das Genre keineswegs in ungeahnte Höhen, beschert aber eine liebliche Kurzweil, an der nichts zu bemäkeln ist. Gutes Songwriting, fluffige Umsetzung und eine untranige Stimme, kurzum eine saubere Leistung ohne Fehl und Tadel. Als Glanzlichter des Albums wären The Box, Misery, Bad Feeling sowie Come On Over zu nennen. Die Band gastiert derzeit in Deutschland, heute in Berlin, das schreit förmlich nach einer zweifelsohne feinen Abendgestaltung! (Mehr zu dem Album findet sich bei AUFTOUREN.DE)

Bad Feeling by Veronica Falls

Come On Over by Veronica Falls

Konzerttermin:

06.11.11 Berlin – Roter Salon

The Jezabels

Australische Bands werden von mir nur selten wahrgenommen, das Land ist für mich ein so weit entfernter, riesiger blinder Fleck mit vielen Kängurus. Unlängst freilich fiel mir eine Band auf, deren Sound mir unheimlich imponiert. Die in Syndney beheimateten The Jezabels haben in der Heimat ihr Debüt Prisoner im September veröffentlicht, dieser Tage nun wird Nordamerika in Angriff genommen und für Frühjahr 2012 ist auf PIAS ein Release hierzulande geplant. Ich prophezeie einen veritablen Erfolg, weil dieser aufgewühlte Rock zu großen Emotionen anschwillt, wohlkalkulierten Höhepunkten zusteuert, sich in Refrains ergeht, in denen die Ohren der Hörer freudig planschen dürfen. Der poppige Track Endless Summer ist nicht zuletzt aufgrund des dazugehörigen Videos mit einer guten Portion Drama behaftet, Trycolour steht für üppigen, unrauchigen Female Fronted Rock, der nicht nur Genre-Fetischisten aus den Socken wirft. Sehr vielversprechend!

Immanu El

Irgendwo im Pressetext zum Album wurde mir die Scheibe In Passage als Post-Rock angepriesen. Nun möchte ich der schwedischen Formation Immanu El durchaus schöne Klänge unterstellen, aber Post-Rock radaut doch weitaus opulenter. Atmet tief ein, bläst ordentlich aus. Wenn man sie also um jeden Preis in dieses Genre sortiert, tut man der Platte damit keinen Gefallen. Denn In Passage steht für ein kontemplatives Werk, welches den Blick in die Weite gleiten lässt, vereinzelte Wolken am Himmel eines kühlen Tages abmisst, und sich doch hauptsächlich den matten Sonnenstrahlen zuwendet. Das Album plätschert im sachtem Takt von Meereswogen dahin, im Fluss atmosphärischen Pops und gedeckten Indie-Rocks. Nur selten türmen sich die Wellen ein wenig höher, doch Kaventsmänner sind weit und breit nicht in Sicht. Das jedoch wäre lediglich dann ein Makel, wenn man seine Erwartungshaltung partout auf Post-Rock versteifen möchte. Der Eröffnungstrack Skagerak erfüllt die Anforderungen noch am ehesten, aber bereits The Treshold ist ein watteweich gesäuseltes Lied von nahezu übermäßiger Entspanntheit.

Immanu El „In Passage“ (2011) by Immanu El

Mitunter nämlich entwickeln sich die Lieder einfach nicht, schwelgen so beschaulich wie schön vor sich hin, glucksen meditativ ans Ufer (While I’m Reaching For You). Ab und an freilich spritzt auch Gischt, beispielsweise bei On Wide Shoulders. Das sind die Momente, wo das Stilleben in Bewegung gerät, dahinschaukelt. Wenn Songs wie Comforting Dawn das behagliche Idyll mit Regung füllen, verdichtet sich die Atmosphäre des Albums. Derart entwickeln Immanu El viel Charme und Flair – auch ohne ausgeklügelte Post-Rock-Attitüde.

In Passage ist am 28.10.11 auf And The Sound Records erschienen.

Konzerttermine:

16.11.2011 Münster Amp
17.11.2011 Bielefeld – Falkendom
22.11.2011 Hannover – Chez Heinz
23.11.2011 Hamburg – Kulturhaus III&70
24.11.2011 Stuttgart – Zwoelfzehn
25.11.2011 Berlin – Lovelite
26.11.2011 Offenbach – Hafen 2
27.11.2011 Lahr – Blue Notes
29.11.2011 Wien (A) – Rhiz
01.12.2011 Augsburg – Lamm Klub
02.12.2011 Dresden – Ostpol
03.12.2011 Olbernau – JUZ Club
17.12.2011 Nyon (CH) – La Parenthèse
18.12.2011 Dornbirn (A) – Kulturcafé Schlachthaus
19.12.2011 Jena – Café Wagner
20.12.2011 Köln – MTC
21.12.2011 Kiel – Schaubude

SomeVapourTrails

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