Stippvisite 15/11/11 (Was einen nicht kält lässt, wärmt schon mal das Herz)

Blogtipp:

Der geschätzte Kollege von Hey Tube hat zu einer Abstimmung über Die besten Musikblogs 2011 aufgerufen. Nun halte ich es für problematisch, wenn Hinz und Kunz über etwas abstimmen sollen, wovon sie keine wirkliche Ahnung haben. Uns wird ja bei diversen Wahlen stets vor Augen geführt, dass die größten Knallchargen in der Regel die meisten Stimmen bekommen. Ein Votum kann immer nur das Populäre abbilden, kaum das Beste. Allerdings sollte der mündige Leser von Musikblogs auch nicht vor Amateuren kapitulieren. Nicht jede knallbunte Seite mit Musikclips und ein paar kurzen Sätzen im Pennälersprech scheint wirklich dazu angetan, über Musik kompentent, zumindest aber charmant zu informieren. Ei freilich darf es harmlos nette Blogs geben, aber man muss sie ja nicht gleich mit Gütesiegeln überhäufen. Die Nutte, die einem einen guten Blowjob verpasst, ist ja auch nicht gleich Miss Universe.

Es gibt verdiente Blogs, die sich für Musiker und kleine Labels den Arsch aufreißen. Oder mit enormer thematischer Bandbreite punkten, oft auch sprachlich glänzen. Einige der geschätztesten Kollegen habe ich in unserer Blogroll verewigt. Nur so als Wink mit dem Zaunpfahl.

Videotipp:

Als großer Fan von DJ Shadow habe ich bisher noch nicht durchringen können, etwas zu seinem vor wenigen Wochen erschienenen Album The Less You Know, The Better (VÖ: 30.09.2011 auf Island) auf den Blog zu kleckern. Hauptsächlich deshalb, weil der werte Herr eine eigentlich nicht besonders stimmige Platte mit ein paar hervorragenden Tracks bestückt. Nach dem in jeder Hinsicht unbefriedigenden The Outsider (2006) scheinen die guten Geister endlich wieder zu DJ Shadow zurückgekehrt zu sein, zumindest auf Teilzeitbasis. An Tracks wie dem wuchtig bulligen I Gotta Rokk, einem aberwitzigen Give Me Back The Nights oder dem martialischen Border Crossing will ich keinen Jota bekritteln. Entspannter gibt sich der nette Titel Scale It Back mit Vocals von Little Dragon. Und zu selbigem existiert ein gelungen seltsames Video.

Downloadtipp:

Ja, zugegeben, es ist mir ein bisschen peinlich, wenn eine meiner Lieblingsbands etwas veröffentlicht und ich davon erst auf einem anderen deutschen Blog erfahre.  Dass amerikanische wie britische Blogs und Magazine zuerst davon Wind bekommen, geschenkt! Aber wenn die Veröffentlichung schon den einen oder anderen Monat auf dem Buckel hat, dann hab ich schlichtweg nicht aufgepasst. Die Rede ist von Clem Snide und der EP Clem Snide’s Journey (VÖ: 29.07.2011). Mastermind Eef Barzelay zählt zu den verkannten Könnern, er kann sogar einem Sonnenaufgang auf einem Parkplatz von Walmart noch eine schöne Seite abgewinnen. Das letztjährige Album The Meat of Life rangierte auf Platz 2 meiner Bestenliste 2010, der Song I Got High war für mich das beste Lied des Vorjahres. Ich bin also waschechter Bewunderer von Clem Snide. Und die mit sechs Coverversionen der US-Band Journey gespickte, bereits im Sommer veröffentlichte Miniplatte beweist, dass Barzelay eine feine Arbeit als Exorzist leistet. Wie er aus 80er-Jahre-Rock-Trash einen brauchbaren Kern herausschält und diesen in ein neues Gewand packt, das imponiert mir sehr. (via mixahula)

Der Song Any Way You Want It ist auf betterPropaganda als kostenloser Download verfügbar.

Veröffentlichungstipp:

Es gibt Label, die mag man eben. Zum Beispiel das Leipziger Label analogsoul. Weil Musik hier mit Sorgfalt und Ernsthaftigkeit begegnet wird, jedoch ohne elitäres Gehabe oder angestrengte Überintellektualität. Nun muss die Formel Seriöse Menschen machen seriöse Sachen nicht zwangsläufig einen vor Genialität strotzenden Katalog hervorbringen, aber analogsoul liegen überwiegend richtig. Das unterstreicht auch die am 02. Dezember erscheinende EP Yes my friend but what is von Mud Mahaka. Als ersten Vorgeschmack liegt ein Clip zum Track Yes vor. Wir werden die EP demnächst noch näher vorstellen, wollen heute vorläufig dem vom Pressetext verliehenen Prädikat Post-Pop nicht widersprechen. (via analogsoul blog)

Entdeckertipp:

Frei nach dem Motto Was einen nicht kält lässt, wärmt schon mal das Herz. Es gibt Lieder, deren Schönheit man sich nicht entziehen kann und wohlig in die Seele inhaliert. Von dieser Qualität zeigt sich mir der Track Everlasting Evening, den der Brooklyner Musiker Tristan O’Donnell unter dem Namen Guilty Ghosts in Kooperation mit Sea Oleena fabriziert hat. Ein fein ätherischer Song, dem guten Debüt Veils entnommen. Unbedingt erlauschen! (via Schallgrenzen, natürlich!)

Das soll es für heute auch schon wieder gewesen sein. Demnächst – wie immer – mehr…

SomeVapourTrails

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