Stippvisite 22/11/11 (Bloggst du noch oder schreibst du schon?)

Mensch, was könnte ich doch wieder alles an ungetümen Worten verlieren. Aber Bloggen ist halt kein von unendlichem Plappern erfüllter Kindergeburtstag. Wissenschaftliche Studien belegen: Blogger, die zwischen zwei YouTube-Videos einige Sätze einfließen lassen, werden vom Durchschnittsleser als schwierig, mitunter sogar als pervers erachtet. Speziell dann, wenn die Sätze zu Verschachtelung neigen und – man mag es kaum glauben – sich sogar erdreisten, mit dem einen oder anderen Fremdwörtchen auf den völlig arglosen Leser einzudreschen. Wer zu solch Hinterlistigkeiten befähigt scheint, dem ist prinzipiell alles zuzutrauen. Auch ungehemmte Sodomie mit Lämmern in der Weite Brandenburgs.

Bloggst du noch oder schreibst du schon? Eine dieser Tage häufige gestellte Frage unter Intellektbolzen, die ihr geistiges Gemächt gerne zur Schau tragen und im öffentlichen Raum daran reiben. Man erkennt sie daran, dass die Macht des Wortes mit ihnen ist. Die Befassung mit Musik ist für diese Zeitgenossen immer auch Zumutung, weil Musiker als Edelkomparsen stets ein Stück weit beratungsresistent sind. Diese schreibende Spezies erkennt man daran, dass sie als Fachjournalisten ihre Existenz fristet – und sich ob ihrer bezahlten – oder was sich heutzutage alles Bezahlung schimpft – Ergüsse wahnsinnig wichtig fühlt.

Der neueste Blog-Schick: Provinzblattreportersprech mit kulleräugig präsentiertem Eifer. Dann wird aus einem Blog auch gleich ein Medium, zumindest aber ein trimediales Magazin. Aber bitte immer schön naiv und doch auch ein klitzeklein wenig hip. Dann klappt es auch mit dem oftmals recht simpel gestrickten Leser.

Nun habe ich wohl ausreichend Worte gefunden, um auch die Hartnäckigsten aus unser Zielgruppe in die Flucht geschlagen haben. Bleibe ich folglich allein mit meinen Empfehlungen. Ich olle Quasselstrippe!

Entdeckertipp:

Einfach mal ein gefällig theatralischer Rock-Track gefällig? Einer mit einer eingängigen Hookline? Dann ist man mit dem Titel Headspace der US-Band We Barbarians gut bedient. Mich erinnert die 5 Stücke umfassende EP Headspace (VÖ : 30.08.11 auf Beranimal Records) an die guten alten Zeiten, als statt zerknauscht-zerzauster Indie-Rock-Seligkeit noch viel öfter Charisma über den Äther züngelte und Gott Bono noch nicht in den Niederungen des Seins angekommen schien. Wer schön polierte Melodien mag, dem möchte ich We Barbarians gerne empfehlen. Zumal der Song Chambray ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist. (via Exclaim!)

Chambray by webarbarians

Liedtipp:

Ach wie ich es mag, wenn am Beginn eines Songs das Schlagzeug sofort für klare Verhältnisse sorgt und sich kräftig durch die Boxen schneuzt. Nicht zuletzt deshalb ist mir der Track Book of James der New Yorker Band We Are Augustines unheimlich sympathisch. Auch weil sich die Lyrics nicht verstecken müssen. „Guess you’re either headin‘ somewhere or endin‘ up somewhere/I tried the bible, I tried the bottle, I tried the needle, I tried to love people/ In the end there ain’t nothing to say“ sind von hemdsärmeliger Klasse. Es zahlt sich auf alle Fälle aus die Platte Rise Ye Sunken Ships genauer auszubaldowern, auch wegen der Rock-Hymne Headlong Into The Abyss. (via Spinner)

Rise Ye Sunken Ships ist am 23.08.11 auf Oxcart Records erschienen.

Nachbarschaftstipp:

Von Dänemark halte ich aus der Sicht des Musikenthusiasten nicht übermäßig viel. Die aus Kopenhagen stammende Band The Foreign Resort hat es mir jedoch auf Anhieb angetan, obschon ich mit New Wave nacheifernden Formationen meist keine ehrliche Freude habe. Aber Songs wie Colleen entwickeln sich sehr dynamisch, weniger weinerlich als sonstige Vertreter des Genres. Ich möchte also dieser selbstbetitelten, fünf Songs umfassenden EP (VÖ: 02.12.11 auf afmusic) durchaus meinen Sanktus geben. Obwohl sie dänischen Gefilden entstammt. (via Schallgrenzen)

Konzerttipp:

Photo Credit: Jói Kjartans

Eines der formidabel unterhaltsamen Alben 2011 stammt fraglos von FM Belfast. Don’t Want To Sleep unterhält verdammt dadaistisch, nötigt sich nie Kalauer oder ähnliche Seichtigkeiten ab. Darum habe ich die Platte ins Herz geschlossen, wie ich hier bereits beichtete. Und bin überzeugt davon, dass die Isländer auch live eine prima Show abliefern. Dieser Tage touren sie durch die Lande. Hingehen, rate ich!

Konzerttermine:

22.11.11 Heidelberg – Karlstorbahnhof
23.11.11 Zürich (CH) – Abart
24.11.11 Bern (CH) – Bonsoir
25.11.11 Chur (CH) – Selig
28.11.11 München – Feierwerk
29.11.11 Leipzig – UT Connewitz
30.11.11 Berlin – Festsaal Kreuzberg
01.12.11 Hamburg – Klubsen
03.12.11 Köln – Werkstatt
04.12.11 Frankfurt/Main – Sinkkasten Arts Club
05.12.11 Luxembourg (LUX) – Exit 07
10.12.11 Wien (A) – Flex

Genug für heute, demnächst mehr!

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Stippvisite 22/11/11 (Bloggst du noch oder schreibst du schon?)

  1. „…Obwohl sie dänischen Gefilden entstammt“ Ich weiss nichts über deine Abneigung dänischer Bands (da musst du vielleicht mit deinem Seelsorger mal drüber reden) aber ich könnte dir ohne Probleme mindestens 10 Bands aus Dänemark nennen, die so großartig sind, das sie mühelos …. usw usv

  2. Wollte damit eigentlich nichts Böses gegen Dänemark sagen. Sondern nur dem Fakt Rechnung tragen, dass ich mehr schwedische, norwegische, finnische und natürlich auch isländische Formationen kenne. Mir würden spontan aus Dänemark eigentlich nur die geschätzten The Raveonettes einfallen.

  3. Grummelgrummel. Scheiss auf die Raveonettes. The Silent Section, Mimas, Late Night Ventures, Veto, Salli Lunn, Kitty Wu, Marie-Luise Munk, Kashmir, Jacob Faurholt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.