Mag dein Ja auch mein Jein sein – MUD MAHAKA

Ich meine, dass in jedem künstlerischen Werk auch folgende Botschaft mitschwingt: Ja, ich bin kreativ. Ja, ich will deine Zeit beanspruchen. Ja, ich bin der Überzeugung, ich habe mir sie verdient. Jede Veröffentlichung zeugt von Selbstbewusstsein, trachtet nach Selbstbestätigung. Indem Hörer um Hörer das Werk konsumiert, vielleicht verschlingt, bejaht er das Ansinnes des  Musikers und Komponisten. Wer freilich tagaus und tagein Musik erlauscht, über selbige reflektiert, läuft irgendwann Gefahr nahezu allen Klängen hingegen nur mehr mit einem Jein zu begegnen. Weil aus der schieren Klangmasse nur noch absolute Perfektion hervorsticht. Weil die eigene Meinung geschärft werden will und dies besser funktioniert, wenn man sich an einem Werk reibt.

Im Falle von MUD MAHAKA und der auf analogsoul erschienenen EP yes my friend but what is drängt sich mir ein Jein förmlich auf. Keinesweg weil die Platte ein weiterer Beitrag zum musikalischen Einheitsbrei – oder noch schlimmer: gequirlter Kunstmist – wäre, vielmehr existieren Ecken, Kanten und Ungereimtheiten, die der Chose vor jeglicher Eingängigkeit bewahren. Die Lieder beziehen eine gewisse Faszination aus der Sperrigkeit, die zu überwinden Aufgabe des Hörer scheint. Es sind Tracks, die den Hörer herausfordern, ihm jegliches Hören mit dem Bauch erschweren.  Intellektuell gezimmerte Musik eben, die nie die grazile Geschmeidigkeit eines Hits erreichen wird, aber dafür ausreichend Tiefe zum Sinnieren bietet.

Die EP bedeutet ein Angebot für Fortgeschrittene, offeriert dies jedoch frei von elitären Eitelkeiten. In den besten Moment gerade so anmutend, wie wohl viele Bands klingen würden, wenn sie Kunst statt Komerz fabrizieren dürften. beautiful beispielsweise glänzt als düsterer Pop, der die große Geste meidet, sich zu einem minimalistischeren Sound bekennt, dessen abgespecktere Dynamik dennoch wirkungsvoll bleibt. Oder die kakophonisch nebeneinander agierenden Instrumente der Ballade reality, die den Hörer quält, zumindest irritiert. Gleich einer störrischen Schönheit, die sich eine Fratze schminkt, um nicht zu sehr gemocht zu werden. yes wiederum kontrastiert die Lieblichkeit des Gesangs mit grobschlächtigen Einschüben von Drums. Allen Songs ist ein experimenteller Charakter gemein, welcher die Kompositionen mit Fragezeichen behaftet.

04 beautiful by analogsoul

MUD MAHAKA verstören, enervieren durchdacht. Eröffnen einen Gegenentwurf zu jedweder Oberflächlichkeit. yes my friend but what is nimmt ein Scheitern an den Konventionen in Kauf, wird aus den genannten Gründen dem Feinschmecker jede Menge Respekt abringen, aber zugleich auch eine unüberbrückbare Distanz behalten. Darum mag ich der Platte kein euphorisches Ja mitgeben, wohl aber ein dankbar ergrübeltes, nach inniger Beschäftigung ersonnenes Jein!

yes my friend but what is ist am 02.12.11 auf analogsoul erschienen.

Link:

Offizielle Homepage

Künstlerseite auf analogsoul

SomeVapourTrails

2 thoughts on “Mag dein Ja auch mein Jein sein – MUD MAHAKA

  1. e.

    ach, sehr schön, meine notiz ist geschrieben und für morgen im köcher. da weichen wir doch ein gehöriges stück voneinander ab.

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