Ab­ra­ka­da­b­ra mit einer Handvoll i-Tüpfelchen – Mint Julep

Zu manchem Album sind der Worte genug gedrechselt. Save Your Season, das neueste Werk des in Portland (Oregon) ansässigen Ehepaars Hollie und Keith Kenniff, verträgt durchaus noch das eine oder andere wohlsortierte Satzgebilde. Das als Mint Julep firmierende Duo ertüftelt mit dieser Platte einen sehr elektronischen Dream-Pop, dessen Melodien unschwerfällig und bis zu einem gewissen Grad leider unauffällig erschallen. Obschon nichts in Lieblichkeit erstickt, wirken viele Songs wie nett drapierter Tand, der den eigentlich Star des Albums zu schmücken trachtet. Hollie Kenniffs Stimme ist das Vehikel, welches Save Your Season in sphärische Schönheit katapultiert. Die Süße des Gesangs, der es nicht bei einem Säuseln belässt, adelt die Scheibe, zündet das Entzücken.

Man verstehe mich nicht falsch, der Vortrag ist nicht in klebriges Bonbonpapier gewickelt. Die Helle und Klarheit dieser Stimme wirkt wie tänzelnder Lichtschein, der den oft düster-gedämpften, durchaus auch mal in die Achtziger schielenden Grundton des Werks illuminiert. Das im Refrain ohnehin vom Schlagzeug vorangetriebene, lebendige Days Gone By etwa gewinnt sein i-Tüpfelchen durch die sireneske Intonation, welche auf dem verzerrten Retro-Sound dahinsurft. In solch Augenblicken sind Mint Julep nahe an der Art von Perfektion angelangt, die dem Paar für dies Album wohl vorschwebte. Why Don’t We allerdings lebt eine Drögheit aus, die nur durch besagten Gesang gemildert wird. Zwischen diesen Polen driftet das Werk hin und her, anmutig und unentschieden zugleich. Dem sacht schlurfenden Charme von Stay scheint kein Kraut gewachsen, so schleppt sich das Duo tief und tiefer in die Gehörwindungen derer, die ihr tägliches Ratiönchen Dream-Pop nie und nimmer missen wollen. Derart tönt ein die Sinne becircendes Ab­ra­ka­da­b­ra. Das gilt mit Einschränkungen auch für den dank klar konturierten Synthies robuster gebauten Titelsong Save Your Season oder dem rockigen, knalligen Cherry Radio. Bei solch Tracks entscheidet nicht Hollie Kenniffs Vortrag über Gedeih und Verderb – oder scheitert gar an der Gleichförmigkeit der Musik.

Dem Werk, das will ich nochmals unterstreichen, mangelt es an einer über einzelne Lieder hinausreichenden Inspiration. Save Your Season kennt viel Monotonie, trotz phantastischer Passagen. Mint Julep müssen sich an Tracks wie Aviary, Days Gone By oder eben Stay messen lassen, deshalb ringt mir das Album in seiner Gesamtheit die eine oder andere Enttäuschung ab. Dem Funken sprühenden Glanz einer Handvoll Lieder steht auch ein Schatten gegenüber, den nur der feine Gesang ein bisschen durchbricht. Da hilft dem Hörer leider auch keine Taschenlampe.

Save Your Season ist am 20.01.2012 auf Village Green erschienen.

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