Hibbeligkeit statt Londoner Hipness oder Rotzigkeit Marke Manchester – The Kabeedies

Elan kennt allerlei Ausprägungen. Sei es nun die bullige Dynamik eines Bulldozers oder die wieselflinke Akrobatik des Slalom-Läufers. Schwung ist in erster Linie eine Frage der Attitüde, die Umsetzung sticht nur dann ins Auge, wenn man vom Weg abkommt, im Straßengraben landet. Oder mit viel Verve und Anlauf das Ziel meilenweit verfehlt. Die britische Formation The Kabeedies bescheren uns mit ihrem Zweitlingswerk Soap ein meist spritziges, temperamentvolles Werk, das zwar nicht mehr den ungezügelten Charme des Debüts Rumpus zu reproduzieren vermag, aber allemal eine kesse aufs Parkett gezauberte Sohle wert scheint. Der überdreht rustikale Sound ist angenehm poppig, oft um ein skurriles Element bemüht. Die Lyrics treten bei all dem Pep ein wenig in den Hintergrund, zu Unrecht, denn auch sie zeugen von für das Indie-Pop-Genre untypischer Tiefsinnigkeit. Da wird nicht etwa von der Liebe geträllert.

You awoke in the morning and said, what will happen to me when I’m dead, will a million old bugs eat my bones? Or will I be returned to my home?“ will eigentlich so gar nicht zu der guten Laune passen, die ein Track wie Bones im Grunde versprüht. Denn obwohl der Titel zu den dezenteren Stück der Platte zählt, kommt auch Bones nicht ohne punkige Schmackes aus. The Kabeedies entwickeln eine Leichtigkeit in einigen ihren Songs, die schon mal Bierdosen das Tanzen beibringt, sogar ungestüm krawallig über den Tanzboden wirbelt. Diese Energie wird selten deutlicher als im quirligen Refrain von Drowning Doll. Auch Elizabeth besitzt diese kesse Note, die dem Quartett aus Norwich fraglos gut zu Gesicht steht. Drolliger, entspannt satirisch gibt sich The Boy With The Bad Mouth. Darin lauert jedoch auch eine Gefahr. Denn The Kabeedies befördern ihren Sound besonders mit eingangs erwähntem Elan. Wird dieser zurückgeschraubt, fallen Songs in sich zusammen, verlieren sehr viel Punch. Das lässt sich vor allem gegen Ende hin konstatieren, wenn Underfloor Lover und L.T. saftlos dahintönen. Da verfehlen dann auch Zeilen wie „The day will come full circle, surrounded by those friends, who took offense to your thoughts, on which your world depends.“ völlig ihre Wirkung, verpuffen unbemerkt. Doch ehe Soap gegen Ende die Luft ausgeht, sind es Lieder wie das zwiegesangige Santiago (samt Bläser-Note) und Come Out Of The Blue, die zu unterhalten wissen.

The Kabeedies entfalten ihre Wirkung in einer nie nervigen, mal gesanglichen, mal rhythmischen Hibbeligkeit. Diese sticht aus der Masse hervor, diese überträgt sich im positivsten Sinne auf den Hörer. Sobald man gesitteter agiert, verfängt sich Soap in durchschnittlicher Nettigkeit. Da das selten genug geschieht, darf man das Album als durchaus gelungen bezeichnen. Wer britische Musik sucht, die weder Londoner Hipness noch die Rotzigkeit Manchesters versprüht, sollte bei The Kabeedies auf alle Fälle die Ohren spitzen.


Soap ist am 24.02.2012 auf Motor/Rent A Record Company erschienen.

Konzerttermine:

14.04.12 Frankfurt – Nachtleben
15.04.12 Hamburg – Knust
16.04.12 Köln – Studio 672
17.04.12 Stuttgart – Zwölfzehn
18.04.12 München – 59:1
20.04.12 Erlangen – E-Werk
21.04.12 Leipzig – Noch Besser Leben
22.04.12 Berlin – Bi Nuu
23.04.12 Rostock – Campus Erwachen Festival
24.04.12 Dresden – Groove Station
25.04.12 Bremen – MS Treue

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