Der Ballast des Bombasts – Hooray for Earth

Wie ich mich heute so auf den Stuhl fläzte, die Kopfhörer aufsetzte und dem Album True Loves lauschte, schlief irgendwann gegen Ende des ersten Hördurchlaufs meine rechte Pobacke selig ein. Es scheint mir nur bedingt ein Zufall zu sein. Denn das mit einigen Monaten Verzögerung nun auch hierzulande erschienene Debüt von Hooray for Earth lässt im besten Falle höchstens ein Bein freudig mitwippen – und auch dies lediglich phasenweise. Mastermind Noel Heroux versteht sich zwar darauf, Synthie-Pop mit Indie-Rock zu strecken, dem einen oder anderem Titel eine verfängliche Melodie einzuhauchen, insgesamt wirkt der Sound jedoch hoffnungslos zugekleistert, gerinnt zu einem kompakten Brei. Nicht zuletzt auch wegen eines meist blutleeren Gesangs und ausgesprochen uninteressanter Lyrics.

Ich kann noch nicht abschließend beurteilen, welche meiner Pobacken mit dem größeren Glück gesegnet war. Die, welche schlummerte, oder aber jene, die inmitten der Electro-Pampe auch auf leckere Häppchen stieß. Neben dem funkigen No Love, dem weitaus abwechslungsreichsten, gefinkelsten Song des Albums, finden sich auch zuhauf Tracks, die selbst in den Achtzigern als furchtbar abgedroschen gegolten hätten. Was zum Teufel soll die Hookline von Bring Us Closer Together? Das war schon damals unterste Schublade. Auch Same hat nur modriges Flair aufzubieten. Schunkelig zappelnder, notdürftig aufgemotzter Electro-Pop, der auf tönernen Füßen dahinstakst. Zugleich erfreut die Platte auch mit stilsichereren Liedern wie Last Minute. Es mutet sphärischer, klarer an, weniger mit dem Ballast des Bombast beladen und weitgehend von Verlärmung befreit. Das bleibt jedoch die Ausnahme. Lediglich der Titeltrack True Loves liefert in seiner verqueren, feierlich roboteresk schwerfälligen Manier noch ein Indix dafür, weshalb das Album letzten Sommer in den Staaten durchwegs positiv aufgenommen wurde. Doch sonst gräbt sich nichts nachhaltig ins Gedächtnis ein. Zum Glück, möchte ich hinzufügen.

Hooray for Earth imponieren durch vereinzelte, experimentierfreudige, schmissige Songs. Der billige Rest stellt diese leider in den Schatten. Drei gute Songs fahren den Karren nicht aus dem Dreck. Als Platte scheint True Loves leider vergessenswert und eigentlich nur zum Einschlafen geeignet. Da jedoch ist das Schäfchenzählen spannender.

True Loves ist am 04.03.2012 auf Memphis Industries erschienen.

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Offizielle Webseite

SomeVapourTrails

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