Keinem Albtraum entsprungen – Talking Pets

Vielleicht kennt manch Leser diesen Traum. Man rennt und spurtet, sprintet sich die Puste aus dem Leib. Zwingt sich nach vorn zu starren, weil man hinter sich das furchterregende, riesige, alles zermalmende Monster ahnt. Das kann nun ein Tyrannosaurus rex sein, der bösartige Chef von der Arbeit oder aber die stets quengelige Ehefrau. Jeder wird von einem anderen Schrecken verfolgt. Eines der Ungetüme, die mich durch Albträume jagen, ist der Indie-Pop.  Denn viel zu oft propagiert er wohlfühlige Durchschnittlichkeit von der Halbwertszeit eines Käsekuchens beim Stammtisch der Weight Watchers. Indie-Pop machen vorwiegend die, die ahnen, wofür man die Tasten eines Keyboards so einsetzen kann. Oder die, welche eine Handvoll Griffe auf der Gitarre beherrschen. Das schwammige Genre Indie-Pop ist ein Tummelplatz für softe, süße Dilettanten. Die Müncher Formation Talking Pets macht Indie-Pop, den der Pressetext als sonnengetränkt anpreist. Eine ungemein treffende Beschreibung, wie ich meine. Das Album Cities erweist sich als Lichtblick. Bietet einen überwiegend unaufdringlichen, zugleich munteren Sound, der sich nicht nur im Dahindudeln erschöpft, einige altbekannte Elemente des Genres zu einem stimmigen Puzzle zusammenfügt.

Dank Sunlight Anthem fallen die Talking Pets mit der Tür ins Haus. Wir haben es mit der Art Song zu tun, der eine erhebende Wirkung entfaltet, sich hymnisch in den Mainstream hochschwingt, dennoch Charakter bewahrt. Ein helles Stück, welches vier Minuten lang die Seele anstupst. Das Lied freilich definiert auch eine gewisse Fallhöhe. Denn das nachfolgende Carolina bleibt trotz Lieblichkeit monoton, schrammelt dann doch in den frühen Siebzigern verfangen vor sich hin. Viel besser schon Loves Just An Empty Word, das zwar auch eifrig im Fundus der Musikgeschichte stöbert, aber sich mehr als einen gefälligen Hut aufsetzt. Mit Montreal schließlich durchschaut man die Masche der Band endgültig. Sie heischt Wohlwollen, wuppt die Chose dank luftiger, reizender, aber nie goldiger Melodien. Klingt genau nach der Art Musik, die an einem Frühlingstag ungestraft aus dem Radio tönen darf. Das ist Pop mit Bodenhaftung. Indie-Pop, welcher selten über die eigene Unzulänglichkeit stolpert. Die Talking Pets riskieren wenig und fallen deshalb nicht auf die Nase. Lost etwa ist so absolut vorhersehbar und unterhält dennoch. Mal für Mal. Das ist beileibe keine Selbstverständlichkeit. Silhouette steht für eines der abwechslungsreichsten, kräftiger ausgestalteten Lieder auf Cities. Hier sticht eine Robustheit hervor, die man sich noch ein wenig öfter wünschen würde. Gegen Ende hin verliert die Platte dann an Verve, kann lediglich noch das versponnenere In The Shade überzeugen.

Bei den Talking Pets blitzt immer wieder die Fähigkeit auf, aus ansprechendem Songwriting, vifen Arrangements und gutem Vortrag etwas zu zaubern, das es nicht mit der Wohlfühlwonnigkeit nicht übertreibt und dennoch Freudigkeit verbreitet. Der Indie-Pop, den Cities vorexerziert, ist keinem meiner Albträume entsprungen. Er eignet sich vielmehr für beschwingtes Tagträumen in der U-Bahn, für ein hopsendes Schlendern durch den Park, für ein feierabendliches Chillen auf dem Sofa. Die Platte hat das Zeug zum diskreten, vielseitigen wie verlässlichen Begleiter. Und das ist mehr, als man von Dinosauriern, Vorgesetzten oder schlechteren Hälften sagen kann.

Cities ist am 24.02.2012 auf redwinetunes erschienen.

Konzerttermine:

16.03.2012 München – Atomic Café
24.03.2012 Murnau – Westtorhalle
28.03.2012 Nürnberg – MUZ
13.04.2012 Irschenberg – tba
14.04.2012 Gauting – Remise
15.04.2012 Regensburg – Heimat
27.04.2012 Ingolstadt – Südwild Bus @ BR on3 Südwild
28.04.2012 Hamburg – Die lange Nacht der Museen
29.04.2012 Berlin – popmonitor @ Chesters Music Inn

Link:

Offizielle Homepage
Talking Pets auf Facebook

SomeVapourTrails

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