Lang leben die Sechziger! – Hooded Fang

Die schlichte Faustregel für Retro-Töne: Wenn es in der jeweiligen Epoche relevant gewesen wäre, dann darf man es auch heute goutieren. Falls jedoch der Retro-Sound bereits vor zwanzig oder vierzig Jahren einfach nur einen müden Abklatsch des bereits Bestehenden bedeutet hätte, dann kann man puristisch angelegte, gegenwärtige Renaissancen des Vergangenen ruhig mal mit einem verächtlichen Blick strafen. Im Falle der kanadischen Formation Hooded Fang führt uns die Zeitreise in die Mittsechziger, als vieles noch neu, flott lebensgefühlig und unverdorben anmutete. So entsteht ein unverwüstlicher Garage-Rock-Flair, der das gerade einmal 23 Minuten lange Album Tosta Mista flutet.

Hätte man diese Platte also auch vor fast 50 Jahren voll Begeisterung gehört? Ich meine schon. Obwohl das Album zwar nicht von dräuenden Revolutionen kündet, verkommt es zugleich nie zur nostalgisch angelegten, harmlosen Nummernrevue. Es bewahrt sich die nötige Frische, Clap beispielsweise ist so quietschlebendig, von einem jugendlichem Tatendrang durchdrungen, der simple Dinge nicht zu verkomplizieren trachtet. Wie sich die Band surfmusikalisch in das pralle Leben stürzt, den Versprechungen der Liebe nachspürt, ohne dabei ein honigmondenes Paradies zu betreten, all das verleiht dem Album eine ureigene juvenile Energie. Solch tadellos umgesetzte Attitüde war, ist und wird stets eine sichere Bank sein. ESP lockt das Weib mit Liebesschwüren, umgarnt, bestrickt. Breitet eine Zukunft aus, in der die angestrebte Zweisamkeit lichterfüllt, aller Sorgen überlegen erscheint. Glück wirkt nur eine Hingabe, ein gehauchtes Ja entfernt. Die Naivität jenes Ansatzes bleibt ein ewiger Trumpf der Kunst, weil sie nie die Zeche der Erfüllung zahlen muss. Nicht minder schmissig fällt auch der Titeltrack Tosta Mista aus, ganz zu schweigen von Jubb, einem mir besonders ins Ohr gedrungenen knackig-kurzen Song mit prägnantem Loser-Refrain („I’ve been around but I don’t know to score„). Mit dem keinesweg üblen Den of Love bricht die Platte zum Ende in dramatisch-balladeske Gefilde auf. Leistet sich hierbei den einzigen kleinen Schnitzer, da just dies Lied seine Schnittmuster erkennen lässt.

Ich fühle mich oft des Retro überdrüssig. Vergesse möglicherweise, dass der Blick zurück nicht automatisch eine Rückwärtsgewandtheit in sich birgt. Dass man einer vergangenen Epoche ohne Wehmut begegnen kann, ihr vielmehr eine beherzte Fußnote hinzufügen möchte. Das ist der Band Hooded Fang gelungen. Tosta Mista setzt uns eine unschuldige, herzwunde wie hoffende Hommage an bessere Zeiten vor.  Und dies mit großer, elanschwangerer Überzeugungskraft. Lang leben die Sechziger!

Tosta Mista erscheint am 16.03.2012 auf Full Time Hobby.

Konzerttermine:

18.05.2012 Mannheim – Maifeld Derby Festival
20.05.2012 Hamburg – Molotow
21.05.2012 Köln – Gebäude 9
22.05.2012 München – Atomic

Links:

Offizielle Homepage

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