Töne aus Deutschland II – Sleeping Policemen

Im Frühling kann bei allem Aufblühen und regem Sonnenschein eben auch stets ein Wölkchen über das Firmament tuckern. Nicht zuletzt deshalb sind gedeckt farbige Indie-Pop-Harmonien für diese Jahreszeit eine sichere Sache. Als Verfechter blass gehaltener Lieblichkeit präsentiert sich die Hamburger Band Sleeping Policemen. Das selbstbetitelte Album ist ein Ausbund an durchwegs angenehmen, alltagstauglichen Sounds, die man gern hören mag. Die vorwiegend knapp über zwei Minuten tönenden Lieder sind im besten Sinne harmlos. Sie erfreuen, ohne dabei echte Ekstase auszulösen. Sie sind beschwingt, doch fernab jedweder Hyperaktivität angesiedelt. Töne, gemacht für den Liebhaber dezent unverwüstlicher Melodien.

Was dem Hörer zu größter Glückseligkeit und enthusiasmierter Begeisterung fehlt, das ist der überraschende Moment, der einen Song vollends beseelt und nach bei Gott sympathischem Dahingeplätscher mal ordentlich Wellen schlägt. Oder ein sachtes Gewitterchen, das mehr als nur einen Schatten wirft, vielmehr eine Turbulenz in das muntere Stillleben haucht. Die Sleeping Policemen funktionieren trotz grundsätzlich ansprechender Songs im Prinzip dann bestens, wenn man ihre Songs in den Hintergrund pegelt und die eigenen Gedanken von der Leine lässt. Mit zunehmender Aufmerksamkeit drängt sich dem Hörer dann doch die Frage auf, ob man einer wohltuenden Frauenstimme wirklich einen monotonen, fast farblosen Männergesang zur Seite stellen sollte. Auch die humorfreie, oft allzu brav arrangierte Umsetzung ab und an pikanter Lyrics darf man bekritteln. Bevor nun der Eindruck entsteht, dass ich das Album ganz schrecklich finde, will ich dem entgegentreten, indem ich etwa auf das very british anmutende, gegen den Strich gebürstete Mouthful of Soap verweise. Weiters nicht von schlechten Eltern: Das aufgeweckte Talk, einer der wenigen Tracks in den der Zwiegesang wirklich fein harmoniert. Looking For Luck wiederum spiegelt die gut gelaunte Indie-Note wider, hebt sich von der an gähnende Langeweile grenzenden Gedämpftheit anderer Songs (Summer’s Gone oder Life’s a Bitch) sehr wohltuend ab. Ebenfalls lobende Erwähnung verdienen Diversion sowie High Skies, zwei Stücke bei denen das mangelnde Augenzwinkern nicht ins Gewicht fällt.

Dem Album der Sleeping Policemen mangelt es nicht an seriösem Bemühen, doch vielleicht führte gerade jene Ernsthaftigkeit dazu, dass man allzu schaumgebremst agierte. Ein bisschen mehr Experimente und stärkerer Schmiss hätten das Album fraglos veredelt, eine sonnenfunkelnde Leichtigkeit vermittelt oder aber für einen erfrischenden Starkregen gesorgt. So bleibt das Manko der Blässe, aber es ist keines, welches überschwer wiegt. Für einen vom Frühling angetriebenen Spaziergang durch den noch in Erblühung befindlichen Park taugt die Platte letztlich allemal!

Sleeping Policemen ist am 16.03.12 auf Shining Waters / Apricot erschienen.

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