Release Gestöber 24 (Rose Cousins, Dntel, afmusic, Big Fox)

Auch heute beäugen wir wieder, was da so im Veröffentlichungsdschungel kreucht und fleucht.

Rose Cousins

Eine traurige Piano-Ballade mit Streicherertüchtigung und zugleich ohne veritablen Kitschfaktor. Da brat‘ mir doch einer einen Storch! Es ist tatsächlich möglich, auch wenn es alle gefühlten Jubeljahre nur passiert. Die kanadische Singer-Songwriterin Rose Cousins vollbringt dieses Kunststück mit dem Lied Go First. Cousins hat auch schon das eine oder andere Album auf dem Buckel, ohne jedoch den Status des Geheimtipps abgeschüttelt zu haben. Ob Ihr Juni hierzulande erscheinendes neues Werk We Have Made A Spark daran etwas zu verändern vermag? Das bleibt zu bezweifeln. Go First freilich wäre allemal ein Anwärter für einen Top-10-Hit, wenn es von einer anerkannten Schmalzexpertin oder einem gefühlsechten Schmusebarden gecovert würde. Die Platte glänzt in vielfacher Hinsicht, erinnert an Sarah MacLachlan zu ihren besten Zeiten, speziell im Bezug auf die stimmliche Eleganz. Zu den feinen Tracks des Albums sind auch One Way oder For The Best zu zählen. Sogar eine in Country-Flair gepackte Version von Bruce Springsteens If I Should Fall Behind klingt sehr ordentlich. Absolut entdeckenswert!

We Have Made A Spark erscheint am 08.06.2012 auf Old Farm Pony Records.

Dntel

Es ist ja nun nicht so, dass ich eine Vase voll wunderbarer Blumen auf den Tisch gestellt habe und sie nun genüsslich vom Tisch fege, dass das Splittern den Raum in Scherben taucht. Aber zweifelsohne existiert zwischen balladeskem Piano und elektronischen Klängen ein Kontrast, der sogar versierten Hörern etwas abverlangt. Dennoch, es lebe die Vielfalt. Zum Beispiel in Form von Dntel, Zampano in Sachen Electronica. Mit Aimlessness legt er Anfang Juni auf Pampa Records sein jüngstes Werk vor. Als erster Eindruck darf Bright Night dienen, ein Schlaflied, welches die Augäpfel hinter den geschlossenen Lidern durchaus in Trab hält. Solch schöne Verträumung weckt Vorfreude! (Den kostenlosen Download von Bright Night gibt es hier.)

afmusic

Es wird ja davon gefaselt, dass die verknöcherten Strukuren der Musikindustrie keine Zukunft haben. Und zugleich wird der Ball Musikern und kleine Labels zugespielt. Diese sollen mit Esprit und Energie für eine neue leidenschaftliche Herangehensweise hinsichtlich der Vermarktung von Musik sorgen. Doch vermag ich absolut zu begreifen, warum nicht jeder Musiker sein eigenes Label schultern und sich um Vertrieb und Promotion kümmern möchte. Und die kleinen, feinen Plattenfirmen, die neben Idealismus auch handwerkliche Fähigkeiten mitbringen, ähneln einem Playboy-Pin-up. Sie sind nicht mehr als feuchte Träume, denen man in der Realität so gut wie nie begegnet. Das deutsche Netlabel afmusic zählt zu ambitionierten deutschen Vertretern. afmusic frönt dem Dark Wave, bietet noch nicht weich gespülten Indie. Am 13.03.2012 ist mit der Compilation Join the dark side, we have the music! ein beachtlicher Arbeitsnachweis erschienen. Die Zusammenstellung führt mit Bands wie The Foreign Resort und Christine Plays Viola oder Principe Valiente vor, dass afmusic mit so manchen Perlen aufwarten kann. Ein kleines Label mit großer Musik – eine schöne Vorstellung für die Zukunft! Wäre da nicht meine Skepsis, dass dies eher eine Ausnahme als die Regel ist.

Big Fox

Eine liebliche Frauenstimme ist auf unserem Blog immer gern gesehen. Da haben wir uns noch nie dagegen gesträubt, vor allem Liedermacherinnen aus Schweden sind willkommen. So auch die unter dem Alias Big Fox wirkende Charlotta Perers, deren gleichnamiges Debüt es vor ein paar Wochen auch in hiesige Gefilde geschafft hat. Der Platte zergeht als lieblicher Balsam nahezu vollständig auf der Zunge. Sie wirkt fragil und intim, doch nie verschüchtert oder am Krückstock der Schwermut humpelnd. Perers ist mit ihrem Einstand ein mal tiefsinniges, mal verspieltes Werk gelungen, das mit wundervollen, vom Piano getragenen Songs wie Dear Therapist oder Why, Oh Why imponiert. Wie letzterer Titel von der seidenweichen wie nüchternen Stimme ausstaffiert wird, das gefällt mir ungemein. Das keck dargebotene Grow Up ist ebenso zum Niederknien wie Boring Ones, das wiederum die skandinavische Herkunft besonders verrät, raffiniert hintergründig und zugleich gefällig bleibt. Ein Kniff, den man im Norden perfekt beherrscht! Als stärkstes Lied des Albums habe ich das gänsehautproduzierende Tired identifiziert, weil es dezente Sinnlichkeit befördert. Big Fox darf sich eines stupenden Debüts rühmen, so mein Fazit. Wer sie live erleben möchte, hat dazu im Mai Gelegenheit.

Big Fox ist am 30.03.2012 auf popup-records/Hybris erschienen.

Tourtermine:

16.05 Halle – Objekt 5
17.05 München – Rationaltheater
18.05 Tübingen – Zimmertheater
19.05 Mannheim – Maifeld Derby Festival
20.05 Offenbach – Hafen 2
22.05 Bayreuth – Glashaus
23.05 Nürnberg – MUZclub
24.05 Hannover – Feinkost Lampe
25.05 Hamburg – Molotow Bar

SomeVapourTrails

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