Töne aus Deutschland III – Tom Krimi

Irgendwo zwischen wunschbeseelter Apathie und von Hoffnung durchwirkter Traurigkeit siedelt der in Berlin ansässige Singer-Songwriter Tom Krimi seine Figuren an. Die Seufzer der Protagonisten seiner Lieder sind so leise wie die gesamte Existenz hinterfragend. Diese im Ansinnen edle Attitüde wird von einem zarten, grüblerischen Vortrag unterstützt, in den ansprechenderen Passagen als abgespeckte Version eines Stuart A. Staples reüssierend.  Dem vor ein paar Wochen erschienenem Album Why Don’t We mangelt es somit nicht an dem nötigen Rüstzeug, um mich dafür einzunehmen. Wäre da nicht der kleine Wermutstropfen, dass manche der erzählten Geschichten mitunter Stereotypen bedienen. Eine gesanglich und in den Arrangements mit Zwischentönen aufwartendes Werk leistet sich in den Liedtexten ab und an grob holzschnittige Charakterzeichnungen.

Photo Credit: Frank Johannes

Wenn ein Song wie Thirteen die Modellkarriere einer gerade einmal dreizehnjährige Bohnenstange thematisiert, wird man spätestens dann von einem moralinsauren Beigeschmack überfallen, sobald am Beginn der Laufbahn die Anorexie steht. Natürlich zeichnen sich Klischees dadurch aus, dass sie oft nahe an der Wahrheit gelegen sind, zugleich sollte Kunst immer auch über die Darstellung von Vorurteilen hinaus zielen. Oder nehmen wir den alleinstehenden Urlauber in Thailand, der einer Tänzerin Geld gibt, um mit ihr die Nacht zu verbringen. Der aus einem Impuls heraus nach der Überwindung seiner tristen Existenz trachtet, die Tänzerin auffordert, mit ihm nach Europa zu reisen. Kann die Pointe dieser Geschichte wirklich darin liegen, dass sich beide ihre Wünsche erfüllen, das Ende der Einsamkeit einerseits und die Flucht vor Ausbeutung und Armut andererseits, dabei aber nie von der großen Liebe die Rede ist? Der Titelsong Why Don’t We entlässt seine Figuren in ein konstruiertes Happy-End. Dabei kann Tom Krimi durchaus anders. Er gewinnt den Hörer dann, wenn er sein lyrisches Alter Egos orientierungslos taumeln lässt. Blue Boredom etwa dreht sich um den Ausruf „I don’t know how to spend all my time„, Apathy entwirft eine elegante und bunte Szenerie (Psychedelic candybars/ Absynth bottles in parked cars/ Pink flamingo, my disguise/ Visions start to crystallize), die trotzdem trostlose Blässe ausstrahlt. Hier erreicht die Platte eine gediegene, stimmige Größe. Wenn das Dasein keine Höhenflüge erlaubt, weil gefühlte Millionen Pfunde als Hemmschuh wirken, vermag man die Bitterkeit von Blue mit den Händen zu ertasten. Diese beachtlichte Qualität, untermauert durch einen stets exquisiten Sound, gibt dem Werk Substanz, da es ohne Selbstmitleid oder klagende Jämmerlichkeit vonstattengeht. Von den helleren Songs sei auch noch das entzückende Mother Up Above empfohlen. Ein weiteres Indiz dafür, dass die eingangs erwähnten, schwächeren Lieder Irritation und nicht Programm sind.

Why Don’t We ist vor gut zwei Monaten erschienen, heutzutage also quasi schon Schnee von gestern, dennoch habe ich bis dato keine geballte Fülle von Besprechungen wahrgenommen. Schade eigentlich, denn bis auf ausgeführte Patzer bietet Tom Krimi eine interessante, einen nachhaltigen Eindruck hinterlassende Scheibe an. Ein lohnenswertes, schickes Kleinod aus hiesigen Breiten!

Why Don’t We ist am 09.03.2012 auf Treat Records erschienen.

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