Ein wenig Scheitern und ganz viel feine Show – Kommando Elefant

Das Scheitern wird heutzutage geradezu eitel-exhibitionistisch zelebriert. Es hat sich sogar eine eigene Promi-Kaste etabliert, die im TV ihr Versagen mit hackfressigem Lächeln darbietet. Dieser Tage imponiert weniger das Talent als vielmehr der Mangel an Können. Besonders wenn dies unverfroren offen eingestanden wird. Zarte, des Fremdschämens mächtige Gemüter dürften mit dem Scheitern als Show nichts anfangen. Das Versagen ist allerdings nur dann peinlich, wenn es erst gar nicht vom ernsten Willen getragen wird, eine Aufgabe wirklich zu meistern. Scheitern kann große Erhabenheit ausstrahlen, wenn aufrichtiges Bemühen dahintersteckt. All diese Gedanken kamen mir, als ich den Titel des jüngsten Albums der österreichischen Formation Kommando Elefant zu Gesicht bekam. Scheitern als Show zeigt sich als kluge Platte, die keineswegs am Anspruch verzweifelt. Sich zugleich sehr erfolgreich um Unterhaltung bemüht.

Photo Credit: Ingo Pertramer

Scheitern als Show ist freilich eine deftige Ansage, auf deren Ausgestaltung hin man die Texte beäugen möchte. Und doch ist es völlig falsch, in den Liedern lediglich verkrachte Existenzen zu vermuten. Denn Kommando Elefant zeigen nur ein wenig Scheitern und ganz viel feine Show, bescheren eine schmissige, humorvolle Schau, die keineswegs dröge im Tran ersäuft. Einer der besten Tracks der Platte, Schöner Tag nämlich, gibt sich geradezu drogenleicht und Nietzsche lesend, erinnert an die Sportfreunde Stiller. „Lass die Leichen mal im Keller Leichen sein“ verrät jedoch trotz all der überbordenden Leichtigkeit Abgründe. Ein veritabler Indie-Sommerhit! Ozean entpuppt sich als hingebungsvolle Pop-Hymne, ein Lied wie zum Feuerzeuggeschwenke gemacht. „Wie ein Ozean, ich schwimm durch dich und komme nie am Ufer an“ ist eines der besten Refrainbilder, die mir in letzter Zeit so untergekommen sind. Bei Wir sprengen Krokodile träumt die Band einen obskuren Traum vom Bad in Millionen, nähert sich dem Scheitern allmählich rabaukig-unterhaltsam an. Denn in der Tat bilden Songs wie Das allerletzte Liebeslied oder Dein fallendes Herz Beziehungsenden und Ernüchterungen ab. Hier sitzt der Stachel tiefer, weicht der saloppe Ton Desillusionen und Trotz, verbunden mit einem kleinen Stück Hoffnung. Wenn Sänger Alf Peherstorfer eine bissige Ode an die Ego-Schweine dieser Welt intoniert (Ich bin ein Arschloch), dann wirkt dies vordergründig amüsant, versprüht im Nachgang allerdings die Sorte herben Charme, die dem Albumtitel seine Berechtigung verleihen. Peherstorfer besitzt die Fertigkeit einem durch und durch sympathischen Sound mit Gehalt zu kredenzen, sich vor Naivität und bedeutungsschwangerem Pathos zu hüten. Die Zeile „Und das Leben ist etwas, das irgendwann nach Leben aussieht“ aus D.A.S.I.S.T.O.K. drückt den Unterton dieser Platte perfekt aus. Denn Kommando Elefant empfinden Scheitern nur selten als bierernste Angelegenheit. Oft setzt die Platte zu einem Augenzwinkern an, verliert sich nicht im Sumpf der Tristesse, meißelt Schicksale nicht in Stein.

Wenn ich das Vorgängeralbum Kommt wir hauen Granaten rein. Das kleine bisschen Leben. mit Scheitern als Show vergleiche, muss ich Kommando Elefant einen riesigen Entwicklungssprung attestieren. Wo vor zwei Jahren noch allerlei Kuddelmuddel manch gute Ansätze überschattet hat, kann sich die neue Platte von A bis Z sehen lassen. Sie erweist sich als mitreißende, intelligente und energisch rockige Musik aus österreichischen Landen. In Zeiten, in denen Dilettanten mit ihrem Scheitern die Masse bespassen, überzeugen Kommando Elefant mit einer Platte, die dem Scheitern die Würde und den Humor zurückgibt. Ein toller Ansatz!

Scheitern als Show ist am 27.04.2012 auf LasVegas Records erschienen.

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Offizielle Webseite

Kostenloser Download des Tracks Schöner Tag

SomeVapourTrails

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