Einzug in die Gefühlsoase – UMA

Das Herz ist eine ewige Wüste, die auch Oasen kennt. Oftmals pirscht sich Musik ans Herz, stößt dabei doch nur auf Ödnis, versandet in den Dünen karger Emotionen. Andere Klänge steuern allen Widrigkeiten trotzend Oasen entgegen, latschen mitten in den sprudelnden Quell der Gefühle, verkünden ihr Ankommen freudig mit ungezählten Kamelfürzen. Eine jede Band sattelt ihre eigene Karawane und dackelt einem unbestimmten Ziel entgegen. Denn manch Oase entpuppt sich als Fata Morgana und auch nicht jede verdörrte Palme samt ausgetrocknetem Wasserloch verdient diese Bezeichnung. Die wenigen üppig sprießenden Inseln unseres Sentiments wollen entdeckt werden. In meinem Fall sind es vor allem erfahrene Beduinen, die ein ums andere Mal meinen Gemütsoasen ein Rambazamba bescheren. Selten verirren sich unbeleckte Neulinge hierher. Meist tapsen die Kolonen der Unglückseligen meilenweit an allen Wasserstellen vorbei. Unlängst freilich ist aus heiterem Himmel das Duo UMA mit sakraler Festlichkeit hereingeschwoben.

Electro-Pop mit Frauenstimme knüpft nur selten zarte Bande mit den blühenden Stellen meines Herzens. Gelittene tausend Experimente öden mich überwiegend an, interessieren kaum. Und insbesondere EPs sind öfter denn nicht Indiz dafür, dass Ideen und Budget endlich scheinen. Eine EP ist in der Regel ein auf halber Strecke verhungertes Album. Nicht so die EP Drop Your Soul. Was das deutsch-österreichische Duo UMA hier fabriziert hat, wandelt zielsicher auf dem Trampelpfad meiner Herzenswärme. Allein der Titeltrack Drop Your Soul ist eine sirenesk-verführerische Zauberformel, verlockungsvolle Gebetsmühle inmitten einer elektronischen Kraterlandschaft. Erhaben-gelöste Ekstase fernab von Zeit und Raum. Klare Kühle, die jede flirrende Hitze bannt. Drop Your Soul ist in der Version mit Silver Apples eine Offenbarung, während der am Ende gereichte Remix von Yosi Horikawa dem Song die Magie nimmt. Doch die EP erschöpft sich nicht etwa in einem famosen Track und einem langweiligen Remix, der Titel Birds mit schleppendem Rhythmus, störgeräuschigem Sound und mantraartigem Gesang lässt sich nicht als Füllmaterial abtun. Ebenso auraumsponnen gestaltet sich Mirror//Dignity, während Wild At Heart einen zärtlichen Choral auf eine robotoreske, chromkühle Futuristik prallen lässt. Das alles tönt großartig, verstörend entrückt, bar jeden Muffs, wie er schiere Imitation durchdringt. Diese EP entfaltet über 15 Minuten große Kunst, die dem experimentellen Akzent feinen, reinen Gesang gegenüberstellt.

Im Trubel der Veröffentlichung wird einer EP wie Drop Your Soul in der Regel wenig Beachtung geschenkt. So ging es eigentlich auch mir. Wäre ich nicht beim Überfliegen der Pressemeldung am Umstand hängengeblieben, dass UMA aus einem in Berlin lebenden deutsch-österreichischen Ehepaar besteht. Da auch dieser Blog die Freundschaft zwischen diesen Ländern tagtäglich in Berlin vertieft,  hat mich dann doch die Sympathie gepackt. Und bereits die ersten Klänge haben meine Abgebrühtheit, mit der ich Musik mittlerweile begegne, gänzlich aufgeweicht. Wer über solch Klänge stolpert, muss einfach das Herz weiten. Den Einzug dieses Werk in die eigene Gefühlsoase andächtig bestaunen. Unbedingte Empfehlung!

Drop Your Soul ist am 25.05.2012 auf Seayou Records erschienen.

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Kostenloser Download des Tracks Drop Your Soul

SomeVapourTrails

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