Stippvisite 16/06/12 (König Fußball regiert…)

In von König Fußball regierten Zeiten darf auch Musik – und damit dieser Blog – ruhig einmal kürzertreten. Ein paar prima Empfehlung gibt es heute in aller Kürze dennoch.

Erweckungstipp:

Manch Formation kennt man dem Namen nach und schafft es irgendwie doch nie, einer ihrer Platten ausgiebig Gehör zu schenken. Man steht der Band mit Gleichgültigkeit gegenüber, vielleicht sogar mit einer gewissen Portion Ärger, weil diese Formation öfter in Musikzeitschriften aufschlägt als persönlich höher geschätzte Acts. Und plötzlich erlauscht man einen Track und wird vom Saulus zum Paulus. So jedenfalls ging es mir mit Piano Magic. Der erste Vorbote des neuen Albums Life Has Not Finished With Me Yet fuhr mir in Mark und Bein. The Slightest Of Threads führte zu einem Erweckungserlebnis allererster Güte. Schildert das Lied doch die emotionalen Scherben einer auf Sex fokussierten Affäre. Die lyrische Klarheit („And here, in the fold of the night, she cries/ Cos the trains have all left and the ships have passed by„) ist von atemberaubender Prägnanz. Was Schriftsteller auf hunderten Seiten und Filmemacher in drei Stunden nicht gebacken bekommen, nämlich die tiefschwarze Traurigkeit einer einsamen Seele einzufangen, das gelingt Glen Johnsons Feder in knapp über vier Minuten. Ein sensationeller Track, zweifelsohne einer der textlich zugespitztesten dieses Jahres. (via Coast Is Clear)

Life Has Not Finished With Me Yet ist am 11.06.2012 auf Second Language Music erschienen.

Bodenständigkeitstipp:

Hinter dem seltsamen Namen Hurray for the Riff Raff verbirgt sich die in New Orleans ansässige Singer-Songwriterin Alynda lee Segarra samt Begleitband. Über sie stolperte ich unlängst beim Surfen auf dem Magnet Magazine. Selbiges zählt zu verlässlichen Musikseiten, die auch vor unbekannteren Acts nicht zurückschrecken, ein breites Spektrum beackern. Hurray for the Riff Raffs Album Look Out Mama wird von Country und Folk durchsetzt. Díe Platte mutet bodenständig an, krempelt die Genres nicht um, entstaubt aber jedwede Altbackenheit. Wer die Freuden dieser amerikanischen Musiktraditionen erleben möchte, kommt nicht zuletzt wegen dem beseelten Gesang voll auf seine Kosten. Als einer der stärksten Songs des Albums, neben Riley und dem schön hadernden, an die frühe Dolly Parton erinnernden What’s Wrong With Me, kristallisiert sich Ode to John and Yoko heraus. Diese feine Hommage gibt es auch als kostenlosen Download auf dem Magnet Magazine. Anhören!

Fernsehtipp:

Ich habe schon letztes Jahr die auf 3sat laufende Sendung Tonspur empfohlen. Die Grundidee dieses Formats ist so simpel wie faszinierend. Ein Prominenter stellt eine Playlist mit Songs zusammen und erklärt, welche Rolle die Lieder in seinem Leben gespielt haben. Basierend auf der Zusammenstellung versucht ein Expertenteam (unter anderem mit Tim Renner) den Namen des Prominenten zu erraten. Die neueste Staffel der vom schweizerischen Fernsehen produzierten Sendung wird jeden Samstag gegen 23 Uhr ausgestrahlt. Nach den interessanten Gästen des Vorjahres (etwa Smudo, Joschka Fischer oder Roger Willemsen) geht es 2012 musiklastiger zu (beispielsweise Wolfgang Niedecken, Udo Jürgens oder Klaus Doldinger). Tonspur verdeutlicht wie gehobene Unterhaltung aussehen kann und zeigt, dass eine Playlist viel über den Ersteller aussagt. Viel mehr als man meint.

Islandtipp:

Dieser Blog verhehlt nie seine Zuneigung gegenüber isländischen Künstlern. Noch weniger freilich tut dies der Polarblog. So hat die geschätzte Eva-Maria wieder einen wunderbaren Tipp im Angebot. Tilbury sollen laut ihr die neuen Lokalhelden Reykjaviks sein. An dieser Einschätzung zweifle ich aufgrund der Fachkenntnis der Kollegin ohnehin nicht. Seit ich einen Track der Band gehört habe, zweifle ich auch nicht daran, dass sich die Kunde in alle Himmelsrichtungen verstreuen wird. Die von Þormóður Dagsson begründete Formation hat vor kurzem ihr Debüt Exorcise veröffentlicht. Dieses muss ich mir demnächst zu Gemüte führen, weil mir die Single Tenderloin ungemein gut gefällt. Tenderloin ist ein legeres, mit luftig entschwebendes Synthien gesättiges, zugleich sanft rockiges Stück, das langsam zündet, mit jedem Hördurchlauf stärker ohrwürmelt. Sehr fein!

Exorcise ist am 07.05.2012 auf Record Records erschienen.

 

Das war es für heute auch schon. König Fußball ruft. Demnächst mehr!

SomeVapourTrails

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