Release Gestöber 32 (Clinic, Stumbleine, Norman, Godspeed You! Black Emperor)

Wir staunen und freuen uns mal wieder über ausgewählte Veröffentlichungen…

Clinic


Clinic – Miss You (Official Video) von domino

Beginnen wir mit einer unsagbar unterschätzten Band, die im November ein veritables Meisterstück veröffentlichen wird. Die Rede ist von der Liverpooler Formation Clinic und ihrem neuen Werk Free Reign. Bereits im Eröffnungstrack Misty schaukelt eine nostalgische Melodie  in einem Meer elektronischen Grillengezirpes. Dieses Lied wird es ohne Zweifel auf die Liste meiner zehn Lieblingstitel des Jahres schaffen. Ganz anders dagegen, vom jazzigen Flair eines Blaxploitation-Movies beseelt präsentiert sich Cosmic Radiation, während King Kong als psychedelisches Fieberritual überzeugt. Kurzum ist Free Reign eine atemberaubend feine Platte, auch weil Sänger Ade Blackburn eine dieser seltenen, Gänsehaut erweckenden Stimmen vorweisen kann. Großartig!

Free Reign erscheint am 09.11.2012 auf Domino Records.

Stumbleine

Die Loslösung vom Hier und Jetzt ist eine elementare Eigenschaft aller Künste. Und natürlich beschert Musik die beste aller Verträumungen, weil ihr Zauber sofort wirkt, sobald sich unsere Äuglein schließen. Das gilt auch für das Album Spiderwebbed, welches uns der im englischen Bristol ansässige Produzent Stumbleine beschert. Diese elektonische Musik schwankt zwischen unschuldiger Ekstase und einem tiefenentspannten Gleiten über alle Wipfel des Seins. In den gelungensten Passagen vollführt sie das, was Mediationsgedudel nicht gelingt, sie lässt den Astralleib beschwingt baumeln, während Heerscharen von Sonnenstrahlen über seine fluffigen Konturen tänzeln. Zu den gelungensten Tracks der Platte zählt Cherry Blossom als strahlendes, nostalgisches Echo, weiters Capulet mit seiner Mixtur aus spacigen Synthies und RnB-Flair, nicht zu vergessen auch Solar Flare oder etwa das zusammen mit Birds of Passage eingespielte Catherine Wheel. Lediglich mit einer Coverversion von Fade Into You erleidet Stumbleine Schiffbruch, denn dem Original von Mazzy Star kann niemand das Wasser reichen. Insgesamt jedoch fühlt man sich bei dieser Platte mitunter sogar an Moby oder Blockhead erinnert. Spiderwebbed regt dazu an, sich in langen, freudvollen Tagträumereien zu verheddern. (Den Track Capulet gibt es hier als kostenlosen Download!)

Spiderwebbed erscheint am 29.10.2012 auf Monotreme Records.

Norman

Unzeitgemäßes Tun ist wohl oft eine Frage der Überzeugung, mitunter jedoch schlicht in der Unfähigkeit begründet, die Zeichen der Zeit zu verstehen. Letzteres will ich der aus Oregon stammende Formation Norman nicht attestieren, dennoch beschert uns die Band einen Indie-Folk, der vieles von dem negiert, was dies Genre derzeit so populär macht. Stattdessen mengt sich ab und an eine ordentliche Prise Südstaatenrock in ihr Schaffen. Das Album Hay, Hay, Make A Wish And Turn Away ist ein Exempel für unprätentiöse Bodenständigkeit. Es geriert sich nicht von Zurück-zur-Natur-Mystik erfüllt, grisgrämt auch nicht mit knorriger Stimme oder haut fidel und stampfenden Fußes auf die Pauke. Salopp gesprochen sind Norman Landeier, deren Musik auch für Landeier gedacht ist. Als ein Hightlight der Platte entpuppt sich No Clouds mit seinem Abgesang an das städtische Leben, das den Sehnsüchten nicht genügt. Doch auch der Gang in die Wildnis birgt keine Befriedigung, weil nicht der Ort, vielmehr die Attitüde sinnstiftend wirkt. Ebenfalls gelungen: It’s Alright In Your Eyes, die herzerweichene Liebeserklärung Saddest Songs sowie das erhebende Kleinod The Wild & The Tame. Wer also zwischen all dem vielgepriesenen Folk und der gelobten Americana ein frei von Zeitgeist tönendes Werk erlauschen möchte, wird bei diesem guten Album auf seine Kosten kommen.

Das bereits 2010 veröffentlichte Hay, Hay, Make A Wish And Turn Away erlebte am 07.09.2012 auf Songs & Whispers seinen verspäteten wie verdienten Deutschland-Release.

Godspeed You! Black Emperor

Zehn Jahre nach ihrem letzten Album Yanqui U.X.O. ist es nun also Knall auf Fall soweit. Die Post-Rock-Ikonen Godspeed You! Black Emperor veröffentlichen dieser Tage ihr neues Werk ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend!. Nun waren einige Protagonisten der Formation rund um Mastermind Efrim Menuck seit 2002 keineswegs untätig, als A Silver Mt. Zion (wahlweise auch Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Thee Silver Mt. Zion Reveries, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra and Tra-la-la-Band, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra and Tra-La-La-Band with Choir) entstanden in der Zwischenzeit einige hervorragende Platten. Doch wie sehr man die seit 2010 wiederformierten GY!BE vermisst hat, das wird erst mit dem neuen Album wirklich deutlich. Auf einen Track wie das zwanzig Minuten starke Mladic haben selbst größte Optimisten wohl kaum mehr zu hoffen gewagt. Mladic ist das Opus Magnum der Band, steht früheren Glanztaten wie East Hastings oder Providence um nichts nach, übertrifft sie vielleicht gar. Ein Staunen, ein Raunen muss sich jeder Fan exquisiter Post-Rock-Herrlichkeit auf der Zunge zergehen lassen, wenn dieser Track ertönt. Diese zwanzig Minuten definieren ein Genre, erschallen in schierer Perfektion. Und tatsächlich steht es wohl nur den Meistern zu, Post-Rock in Reinkultur mystisch zu zelebrieren. ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! wird ohne Wenn und Aber auf den Bestenlisten dieses Jahres ganz oben vertreten sein müssen. Wer nun hören wie fühlen will, sollte sich auf The Guardian den exklusiven Album-Stream nicht entgehen lassen!

‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend! erscheint am 19.10.2012 auf Constellation Records.

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Release Gestöber 32 (Clinic, Stumbleine, Norman, Godspeed You! Black Emperor)

  1. von stumbleine war ich auch sehr überrascht worden, lag doch das von ihm bediente genre nur bedingt in meinem wahrnehmungskosmos. sehr schöne platte.
    auf godspeed you! black emperor freue ich mich. habe noch keinen ton an meine ohren gelassen, in banger erwartung des releases.

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