Som­nam­bule Seelenlandschaftsgärtnerinnen – Azure Ray

Das Duo Azure Ray ist trotz einer zwischenzeitlichen Schaffenspause zweifelsohne eine der Indie-Formationen der vergangenen Dekade mit ausgesprochener Reputation. Fixe Größe in einem neben dem Mainstream dahinvegetierenden Paralleluniversum. Azure Ray sorgen für feminine Musik ohne Blümchen und rosa Schleife im Haar. Was Maria Taylor und Orenda Fink in der Vergangenheit veranstalteten, lässt sich als verträumter Pop mit herrlich zartem Gesang beschreiben. Auch das jüngste Minialbum As Above So Below schlägt in diese Kerbe, diesmal von einem kühlen bis fröstelnden elektronischen Sound umwölbt, über den die Stimmen mit schlafwandlerischer Anmut vor einem nächtlichen Firmament tänzeln. Diese sechs Stücke fassende EP sorgt für das eine oder andere niederprasselnde Sternschnüppchen.

As Above So Below besteht aus somnambuler Seelenlandschaftsgärtnerei. Azure Ray steigen in die Tiefen des Gemüts hinab, hegen und pflegen die gebrechlichen wie willensstarken Knospen der Emotion in einer nicht eben sonnenerfüllten Umgebung. „There’s love everywhere/ There’s sadness everywhere/ So I keep moving“ lautet die Botschaft des Tracks Scattered Like Leaves, dessen Wärme Funken in die Düsterheit zündet. Es ist der Song der Platte, der im fahlen Halbdunkel am besten erblüht, Farbtupfer inmitten kultivierter Schemen. Das anschließende Red Balloon hingegen lässt sich zwar voll und ganz in die Arme der Liebe fallen,  doch verliert sich aller Glimmer im Zwielicht. Denn die gespenstisch wabbernden, geräuschigen elektronischen Flächen des Albums sorgen mitunter für eine Eisigkeit, welche auch das anmutigste Geträller nicht zum Schmelzen bringt. Beim monddurchleuchteten Unannounced freilich tauen die Sinne, es wirkt als getragener Moment, dessen intime Sehnsucht einen dieser Meteoritenschauer darstellt. Auch das letzte Lied des Werks, We Could Wake nämlich, spaziert durch einen kalten, verwunschenen Sound, reckt und streckt sich trotziger Erlösung entgegen („Are you a merciful soldier?/ Now you’ve looked me in the eye/ Are you going to let me die?”). Hier wird im Sediment der Seele herumgestochert, Traurigkeit geschürft.

Azure Ray zählen zu der Sorte Bands, die dazu prädestiniert scheinen, Sentimente großer Schwermut und unendlichen Sehnens in gesangliche Watte zu packen. Sie graben sich tief in die Abgründe weiblichen Fühlens. Maria Taylor und Orenda Fink waren in all dem nie besser. As Above So Below erfährt durch seinen elektronischen Fokus eine geradezu eisbergige Dichte, zugleich eine sich zum Sternenhimmel aufspannende Weite. Daraus erwächst ein Minialbum der feinen, oftmals Zauber versprühenden Sorte! Der kultivierte Hörer staunt.

Scattered Like Leaves ist gegen Angabe einer E-Mail-Adresse als kostenloser Download verfügbar.

As Above So Below ist am 07.09.2012 auf Affairs Of The Heart erschienen.

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