Stippvisite 26/10/12 (Keine Offensichtlichkeiten!)

Heute soll es mal wieder ein paar Empfehlungen aus einer meiner Lieblingsrubriken geben, der Stippvisite. Es geht nämlich nichts über Mundpropaganda. Was Musikmagazine und bloggende Kollegen so entdecken, soll hier mit einem weiteren Ausrufezeichen versehen werden. Angesichts der Fülle von Newslettern schätze ich es, wenn nicht allerorts dieselben Visagen mit identem Promotext entgegengrinsen. Es ist doch seltsam, wir lieben die Vielfalt, sind stolz auf die Individualität unserer Vorlieben, und doch lassen wir uns oft – wohl aus Faulheit heraus – die gleiche Chose auftischen. Dabei wäre es gerade in musikalischen Belagen ein Leichtes aus dem Vollen zu schöpfen. Es gibt quasi nichts, was es nicht gibt, manches davon scheint sogar gut. Schürfen lohnt! Für den konsumierenden Musikliebhaber ebenso wie für die in ihrer Funktion als Filter tätigen Redakteure und Blogger. Und die, welche nicht das Offensichtlichste ausbreiten, haben das kapiert. Deshalb auch heute wieder ein munteres Chapeau! zu allerlei feinen Entdeckungen.

Entdeckertipp:

Da habe ich sehr mit den Ohren geschlackert, als ich die Stimme des britischen Singer-Songwriters Tom Hickox erstmals vernahm. Der  gesanglicher Ausdruck ist von klassisch-eleganter Blüte, eine Mischung aus Stuart A. Staples, Antony Hegarty und Nick Cave. Der Track The Angel Of The North tönt vollbrüstig pastoral, zugleich solenn und fragil, gefühlig sonor. Wo liedermachende Jungspunde oft schludrig arbeiten, glänzt Hickox mit Würde und seriöser Poesie. Dass dieser Song kein einzelner Glückstreffer ist, belegt das ebenfalls tolle The Pretty Pride Of Russia. Ganz famos, wie ich meine. Ersteren Titel gibt es übrigens hier als kostenlosen Download. (gefunden bei nicorola)

Wattebäuschchentipp:

Aus dem Mittleren Westen der USA entstammt eine dieser ungezählten Indie-Pop-Formationen, die ein nettes Frauenstimmchen samt gefälligem Sound kredenzen. Natürlich kann solch Chose auch in banales, zumindest aber langweiliges Geträller ausarten. Ein Larifari eben, auf das die Welt nun wirklich nicht gewartet hat, welches jedoch auch kein Ärgernis darstellt. Die Parlours hingegen kitzeln aus ihren Tracks die notwendige Prise Pep heraus. Ihr jüngst erschienenes Album All Is Here wartet mit wunderbar netten Songs wie Dreamers oder Stay With You auf, die gleich Wattebäuschchen durch die Lüfte purzeln. Schön unbeschwert! (via Coast Is Clear)

Feenzaubertipp:

Einen kleinen musikalischen Schatz habe ich auf dem sehr empfehlenswerten Musikblog Muruch gefunden. Das walisische Duo Golden Fable mixt auf der Anfang Oktober veröffentlichten Platte Star Map elektronische Elemente in allerlei Feenzauber-Pop. Das Resultat ist eine gediegen-ätherische Platte, die sich zur Folklore des Herkunftslandes bekennt. Gespickt mit von märchenhafter Atmosphäre durchdrungenen Songs, allen voran Always Golden, doch auch Sugarloaf, Crossfire und Reconsider King sind nicht von schlechten Eltern. Ein echter Geheimtipp!

Finnentipp:

Ewig und drei Tage schon stolperte ich immer wieder einmal über die finnische Band Delay Trees, ohne mich mit ihr in irgendeiner Weise zu beschäftigen. Nun hab ich durch einen Blogpost auf dem Polarblog dann doch dazu hinreißen lassen und dem Stream des Tracks Pause gelauscht. Nicht zu meinem Schaden, denn Pause entfaltet sich langsam, schwillt gravitätisch an, ehe es gleich einem Fallschirm wuchtig gen Erde segelt. Es sind wahrhaft aufregende wie meditative acht Minuten. Fast ebenso ansehnlich, zugleich eher dem Indie-Pop frönend präsentiert sich ein weiterer Titel des am 19.10.2012 veröffentlichten Album Doze, nämlich HML. Deshalb muss ich ein bisschen zerknirscht zugeben, dass ich mich längst schon mit den Delay Trees beschäftigen hätte sollen. Sie sind dies nämlich fraglos wert.

Shoegazetipp:

Eine kleine Empfehlung habe ich am Ende noch im Köcher. Die amerikanische Shoegaze-Formation A Shoreline Dream hat dieses Jahr bereits 3 EPs veröffentlicht. Selbige sinnigerweise Three und 3 sowie III benannt. Auf allen EPs sind jeweils natürlich – der Leser mag es längst schon erahnen – genau drei Tracks vorhanden. Ha, das nenne ich ein ausgeklügeltes Konzept! Auf betterPropaganda gibt es 2 der insgesamt neun Songs als kostenlose Downloads. Anhören!

Das soll es mit der Mundpropaganda für dieses Mal auch schon gewesen sein. Viel Vergnügen!

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Stippvisite 26/10/12 (Keine Offensichtlichkeiten!)

  1. Oh, Du hast Golden Fable schon entdeckt – die kamen mir neulich auch unter, sehr schöne Musik! Das neue Delay Trees-Album finde ich leider eher enttäuschend, abgesehen von den beiden schön langen Krautrock-Songs in der Mitte, die Du auch erwähnst. Definitiv solltest Du Dir das vorige Album mal zu Gemüte führen, das war nämlich grandios.

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